«Fremdgänger» Aberdein: Der Durchstarter der DTM

Von Andreas Reiners
DTM

Jonathan Aberdein hat die beiden DTM-Hersteller in der Winterpause beschäftigt, beide wollten den 21-Jährigen für sich gewinnen. Er sagte erst bei Audi zu, ging dann aber zu BMW. Das Gerangel hat gute Gründe.

Jonathan Aberdein ist eine seltene Spezies. Eine kleine Rarität, wenn man so will. Eine Ausnahme, eine Besonderheit. Denn es kam in der «neuen» DTM seit 2000 insgesamt nur acht Mal vor, dass innerhalb der Serie von einem Jahr auf das andere die Marke gewechselt wurde.

Treue zum Fabrikat wird seit jeher groß geschrieben, spontane Seitensprünge sind weiterhin eine Seltenheit. So gesehen war es fast schon ein Tabubruch, dass der Südafrikaner jetzt von Audi zu BMW gewechselt ist. Doppelt pikant: Audi wollte den 21-Jährigen nach einem starken Jahr beim Kundenteam WRT nicht nur in den eigenen Reihen halten – Aberdein hatte sogar schon seine Zusage gegeben.

Doch ein Stammcockpit konnte man ihm in Ingolstadt nicht bieten, was die Entscheidung pro BMW vereinfachte.

Doch warum das Gerangel um das Talent? Wer ist Jonathan Aberdein?

Aberdein ist der Sohn von Chris Aberdein, der in den 1990er-Jahren in der südafrikanischen Tourenwagen-Meisterschaft für Audi an den Start ging, er wurde 1996 Vize-Champion.

Ein Erklärungsansatz, warum sein Sohn nicht viel Eingewöhnungszeit benötigte. Vor seinem Wechsel in die DTM trat Aberdein in der Formel 3 an, wo er nach drei Podestplätzen Gesamtzwölfter wurde.

Seinen größten Erfolg feierte er 2017 mit dem Titelgewinn in der Formula 4 der Vereinigten Arabischen Emirate. 2016 war er in der deutschen Formel 4 an den Start gegangen, wurde 14.

Keine Frage: Alles keine Ergebnisse, die einen mit der Zunge schnalzen lassen, die darauf hindeuteten, dass er in der DTM so einschlagen würde. Keine jugendlichen Großtaten.

Aberdein, der am 14. Februar 22 Jahre alt wird, bestritt in der vergangenen DTM-Saison als Rookie alle 18 Rennen für das WRT-Team.

Viermal schaffte er es im Qualifying unter die Top drei, er beeindruckte mit insgesamt acht Top-10-Ergebnissen, darunter zwei vierten Plätzen, sowie dem zehnten Rang in der Fahrerwertung.

DTM.com hatte nach der Saison mit dem Input der Verantwortlichen der Serie - Motorsport-Chefs der Hersteller, Teamchefs und einige weitere hochrangige Vertreter des Sports - eine Rangliste der besten Fahrer 2019 zusammengestellt, bei der Aberdein immerhin auf Platz sieben landete und einige etablierte Stars hinter sich ließ.

Klar ist: Der Junge ist ein Rohdiamant, ein Juwel. Für Audi ist es eine Investition, denn Motorsportchef Dieter Gass hatte einen großen Vorteil des eigenen Kundenteams immer betont: Junge Fahrer könnten so an das Werksteam herangeführt werden.

Wenn denn ein Platz frei gewesen wäre, denn die laufenden Verträge der Stammfahrer des Vorjahres blockierten 2020 für Aberdein den Platz bei Audi und machten so den Wechsel erst möglich. Wie auch seine Performance den Aufstieg ebnete. Auch dank WRT.

Denn das Team ist dafür bekannt, auf junge Fahrer zu setzen und sie zu fördern. WRT-Teamchef Vincent Vosse ließ es sich nicht nehmen, via Instagram zu gratulieren. «Nach einem starken Rookie-Jahr hat er es voll und ganz verdient. Ich freue mich darauf, auf der Strecke jetzt gegen ihn anzutreten, und ich bin froh, dass es uns gelungen ist, auch in dieser Mission Erfolg zu haben: Jungen Fahrern die Chance zu geben, ihr Talent zu zeigen. Wir wünschen Jonathan alles Gute für sein neues Abenteuer.»

Vosse und Co. waren auch ein Grund für die rasante Entwicklung: Beim Kundenteam war es mit zwei Rookies – neben Aberdein fuhr auch Pietro Fittipaldi für die Belgier – ein perfektes Szenario.

Die Erwartungen und der Druck waren relativ gering, und das betrifft beide Seiten. So konnte Aberdein wachsen, sich an die Serie, ihre Eigenarten und Herausforderungen besser und schneller gewöhnen. Dass er mit dem Audi RS 5 DTM das Meisterauto unter dem Hintern hatte, half zusätzlich.

«Ich freue mich sehr, dass wir unser letztes freies DTM-Werkscockpit an einen vielversprechenden und hoch talentierten jungen Rennfahrer wie Jonathan Aberdein vergeben können», freute sich BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt über den Coup, Aberdein bei der Konkurrenz losgeeist zu haben. «Er hat in der vergangenen DTM-Saison sein Potenzial eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als es ihm immer wieder gelungen ist, seine Werksfahrer-Kollegen herauszufordern und oft sogar zu schlagen. Ich bin sicher, dass er unser starkes Fahreraufgebot bereichern wird.»

Eine Besonderheit ist er schon jetzt.


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