Paffett (Mercedes): Mortara ist ein kompletter Idiot

Von Andreas Reiners
DTM
Kurz vor der Kollision: Paffett und Mortara

Kurz vor der Kollision: Paffett und Mortara

Nach den beiden Kollisionen zwischen Paffett und Mortara gab es auch zwei Meinungen. Beide Piloten fahren nun für zwei Rennen auf Bewährung.

Gary Paffett nimmt nur selten ein Blatt vor den Mund. «Edoardo Mortara ist ein kompletter Idiot», wetterte der Brite nach dem fünften DTM-Rennen auf dem Norisring. Wenige Stunden später hatte sich der Mercedes-Pilot zumindest wieder ein wenig beruhigt. Ganz im Gegensatz zu Edoardo Mortara. Dem Audi-Piloten stand die tiefe Enttäuschung noch immer ins Gesicht geschrieben. Die Enttäuschung über zwei Unfälle in den letzten Runden eines turbulenten Rennens, die beide Piloten wichtige Punkte kosteten.

Was war passiert? Zwei Runden vor dem Ende rauschte Mortara Paffett in der Grundigkehre ins Heck. Paffett verlor einige Plätze, Mortara beschädigte sich seinen Audi. Deshalb tauchte Paffett wenig später wieder im Rückspiegel des Italieners auf. Paffetts Überholmanöver zog die nächste Kollision nach sich, durch die für beide Fahrer das Rennen beendet war. Mit ein wenig Abstand gab es das, was es nach solchen Zwischenfällen immer gibt: Zwei Fahrer, zwei Meinungen. SPEEDWEEK.com hat sich beide angehört.

Mortara beschrieb die erste Szene so: «Ich komme mit DRS, habe frischere Reifen und er geht erst nach rechts, dann nach links und bremst sehr früh. Ich war sehr überrascht und konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren. Wenn du einen Unfall hast, ist es immer ein bisschen deine Schuld. Wie viel, ist dann die Frage.» Im Straßenverkehr wäre die Sache klar: Wer hinten drauf fährt, hat meist den Großteil der Schuld. Man treffe aber in solch einer Situation Entscheidungen in Millisekunden. Er habe die Lücke gesehen, und als Rennfahrer wolle er in die Lücke. Diese sei aber nach einer Zehntelsekunde wieder weg gewesen, erklärte Mortara.

Paffetts Version hörte sich etwas anders an. «Ich war vor ihm auf der linken Seite die ganze Gerade lang, habe die Seiten nicht gewechselt und er hat einfach nicht gebremst.» Mit Mortaras Aussage konfrontiert, er habe auf der Geraden die Seiten gewechselt, musste Paffett lachen. «Was für ein Kerl. Wenn er das denkt, ist er verrückt. Ich bin immer noch der Meinung, dass er ein Idiot ist. Dafür gibt es kein anderes Wort. Es war nicht akzeptabel.»

 
«Nicht zufrieden mit mir»

Laut Mortara hatte Paffett bereits auf der Strecke einige Schimpftiraden zum Besten gegeben. «Er war nicht sehr zufrieden mit mir», sagte der Audi-Pilot diplomatisch und zeigte Verständnis. «Aber nach einem solchen Unfall hat man sehr viele schlechte Gefühle. Nach einem solchen langen Rennen mit hohen Temperaturen muss man das auch verstehen.»

Kurios: Paffett kann sich daran gar nicht erinnern. «Ich habe nicht mit ihm gesprochen. Wir hatten beide unsere Helme auf und ich stand auf einer Rennstrecke, auf der noch ein Rennen lief. Offenbar hat er ein außergewöhnlich gutes Gehör», so der 32-Jährige. Ein ausführliches Gespräch der beiden Kontrahenten soll aber auf jeden Fall noch folgen.

Die zweite Kollision sah auf den ersten Blick wie eine Retourkutsche des Briten aus. Doch Paffett findet, dass er auch hier alles richtig gemacht hat. «Meiner Meinung nach habe ich ihm genug Platz gelassen. Ich spürte, dass er am Ausgang der Kurve in mich reingelenkt und mich so in die Wand gedrückt hat», sagte er.

Also keine Revanche? «Nein, ich habe ja noch versucht, das Rennen zu gewinnen oder auf das Podium zu fahren. Er hatte ein beschädigtes Auto und wäre sowieso bestraft worden, ich hatte das also gar nicht nötig. Ich wollte nur an ihm vorbei.» Sind also beide Kollisionen Mortaras Fehler? «Absolut, zu 100 Prozen», betonte Paffett. Die TV-Bilder stützen Paffetts Sicht der Dinge, denn während der Brite auf seiner Linie bleibt, ist bei Mortara ein kleiner Schlenker zu erkennen.

Beide Piloten auf Bewährung

Die Sportkommissare hatten auch eine Meinung zu den Zwischenfällen: Bestraft wurde Mortara im Nachhinein tatsächlich, Paffett aber auch. Allerdings auf Bewährung. Sollten sich beide Piloten in den nächsten beiden Rennen noch etwas zu Schulden kommen lassen, werden sie im darauf folgenden Lauf in der Startaufstellung um fünf Plätze zurückversetzt.

Schuld hin oder her: Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war nach dem Aus von Titelkandidat Paffett angesäuert. «Für die Meisterschaft ist es traurig, dass Gary punktelos abreist. In Zukunft muss man mit Titelkandidaten vielleicht weniger hitzig umgehen. Rocky (Mike Rockenfeller), Bruno (Spengler), Christian (Vietoris) und Gary sind alle mit dabei im Titelkampf. Aber Edo nicht. Das muss er im Kopf haben, wer um den Titel fährt.»

Beide Unfälle im Video:


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