DTM-Fahrergewerkschaft: Nur ein zahnloser Tiger?

Von Andreas Reiners
DTM
Timo Glock und Timo Scheider

Timo Glock und Timo Scheider

Vor rund eineinhalb Jahren sorgte eine Pressemitteilung für eine kleine Überraschung: Die Fahrergewerkschaft DTMDA ging offiziell an den Start. Wie sieht die Bilanz heute aus? Wir haben nachgefragt.

Das Statement war klar: Mit dem offiziellen Start der Fahrergewerkschaft DTMDA (DTM Driver Association) Anfang August 2014 wollten sich die Piloten der Tourenwagen-Serie nicht nur zusammenschließen, sondern auch etwas bewirken. Veränderungen herbeiführen. Nicht nur mitreden, sondern etwas erreichen. Ihren Standpunkt noch vehementer einbringen und letztendlich etwas zur Verbesserung der Serie beitragen. Schließlich sind sie es, die im Cockpit sitzen und eigentlich am besten wissen müssen, was besser oder anders gemacht werden kann.

Doch es ist wie so oft: Was sich in der Theorie gut und vernünftig anhört, muss in der Praxis nicht immer nach Plan und wie gewünscht verlaufen. Die Pläne von Mit-Initiator Timo Scheider und seinen Mitstreitern waren ehrgeizig. Viele Gespräche laufen hinter den Kulissen ab, und es ist auch nicht so, als hätte die Gewerkschaft nichts erreicht.

Zahlreiche Änderungen sind angestoßen worden, es waren in erster Linie aber kleinere Verbesserungen, die von der DTMDA zudem nicht offensiv und medienwirksam verkündet werden. Die nervigen Strafen für das Überfahren der Tracklimits zum Beispiel, die immer für viel Ärger und Diskussionen gesorgt haben. Oder die großen Startnummern, die seit der vergangenen Saison auf den Autos angebracht sind, als visuelle Verbesserung für die Zuschauer.

Deshalb haben wir nachgefragt: Wie fällt vor dem Saisonstart 2016 die Bilanz der Fahrergewerkschaft aus? «Wir haben bei den kleinen Entscheidungen einiges bewegt», sagte Scheider SPEEDWEEK.com. «Wo wir gerne noch mehr bewegen würden, ist mit unserer Meinung auch bei den großen Entscheidungen gehört zu werden. Wir werden uns weiter positionieren, weiter unsere Meinung sagen, die wir aus der Cockpit-Perspektive als die Richtige empfinden», betonte Scheider.

Unter den Fahrern gibt es bei Entscheidungsfindungen jeweils eine Abstimmung, das Ergebnis wird den Verantwortlichen anschließend präsentiert. «Was dann davon am Ende umgesetzt oder angenommen wird, liegt leider nicht in unserer Hand. Wir würden uns natürlich schon wünschen, dass wir in Zukunft noch mehr dazu beitragen können, Entscheidungen zu treffen», so Scheider.

«Wir versuchen, unseren Sport in der Zukunft besser aufzustellen und wollen versuchen, uns einzubringen. Wir wollen keinem irgendetwas wegnehmen, sondern wollen einfach nur unsere Fahrersicht mit einbringen. Aber natürlich läuft man auch mal gegen die eine oder andere Tür, die zu ist», sagte BMW-Fahrersprecher Timo Glock.

Scheider erinnert sich im Gespräch, dass die DTMDA anfangs eher belächelt wurde. Die Hersteller waren mit der Gründung nicht wirklich glücklich. «Der DMSB zum Beispiel ist sehr, sehr dankbar, dass es uns gibt», so Scheider. Die angestoßenen Änderungen stärken der DTMDA zwar den Rücken, in Sachen Akzeptanz sei aber noch Luft nach oben, so Scheider: «Es gibt einige Mächte in diesem System, die das sehr, sehr gut finden. Andere, die ihre eigene Meinung haben, und das weniger gut finden.»

Womit die Fahrer aktuell zum Beispiel kein Gehör fanden, war ein neues Punktesystem. Da in der DTM 24 Fahrer unterwegs sind und nur die ersten Zehn mit Zählbarem belohnt werden, kam die Idee auf, dass mehr Fahrer Punkte bekommen sollten. Vor allem, um auch im Mittelfeld spannende Zweikämpfe zu garantieren, da man heute auf Platz 15, 16 oder 17 mehr oder weniger um die goldene Ananas fährt.

Eingeführt wird das System nicht, begründet wurde die Absage den Fahrern auch nicht. Auch beim Thema DRS hatten die Fahrer andere Vorstellungen, beispielsweise die Nutzung ohne das Zeitfenster von weniger als einer Sekunde. Dazu eine bestimmte Anzahl von Schüssen, die während des Rennens frei eingeteilt werden können. Auch hier konnten sich die Fahrer nicht durchsetzen.

«Manchmal haben wir Zeiten, wo wir wirklich eingebunden sind, wo uns zugehört wird und dann ist es großartig. Und manchmal fühlst du dich, als wenn sie noch nicht einmal zuhören. Es kann frustrierend sein», sagte Mercedes-Fahrersprecher Gary Paffett.

«Aber wir sind noch am Anfang. Wir haben eine gute Arbeitsbeziehung mit der ITR und auch mit dem DMSB. Im Moment sind wir in der Homologation und es sind einfach nur kleine Sachen, die man wirklich machen kann und am Auto ändern kann. Für die nächste Saison 2017, dann wird es interessant. Wenn wir die Chance haben, Dinge wirklich zu ändern und anders zu machen. Und darauf arbeiten wir jetzt schon hin», so der Brite, der in Sachen Kritik am Reglement ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt.

«Aber wenn du drei Hersteller hast, die vielleicht verschiedene Vorstellungen haben, dazu den DMSB, die ITR und die Fahrer, dann sind das sechs Parteien. Also wirst du nie exakt das bekommen, was du möchtest», so Paffett weiter.

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