DTM-Strafe für «Arschloch»: Berechtigt oder Blödsinn?

Von Andreas Reiners
Mattias Ekström

Mattias Ekström

3000 Euro Geldstrafe für gelebte Emotionen: Die «Arschloch»-Aussage von Christian Vietoris war eines der großen Themen des DTM-Wochenendes auf dem Norisring. Ist die Strafe gerechtfertigt? Oder völlig gaga?

Als Mattias Ekström im ersten DTM-Rennen auf dem Norisring am Samstag in der Grundig-Kehre über das Ziel hinausschoss, nahm das Event Fahrt auf. Mercedes wetterte, Ekström verteidigte sich und Christian Vietoris, der als Führender abgeschossen und am Ende nur Zehnter wurde, schimpfte wie ein Rohrspatz.

Nicht nur der Crash war das große Thema im Fahrerlager, sondern auch die Kettenreaktion. Genauer gesagt das anschließende Interview von Vietoris, in dem er seinen Emotionen freien Lauf ließ und den Schweden als «allergrößtes Arschloch» bezeichnete. 3000 Euro Geldstrafe muss er dafür bezahlen, der Mercedes-Pilot legte anschließend sogar die gleiche Summe für einen guten Zweck oben drauf. Doch wie sieht das die DTM, die ja immer fordert, dass die Fahrer sollen Emotionen zeigen und sich nicht verstellen sollen, die Strafe? SPEEDWEEK.com hat nachgefragt.

«Ich kann die Reaktion von Christian Vietoris absolut nachvollziehen», sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. «Wir sind alle Menschen, wir sind emotional. Es ist aber auch immer eine Frage der Vorbildfunktion», sagte Marquardt, der seiner achtjährigen Tochter schließlich auch beibringt, gewisse Worte zu umgehen. Vermeiden kann er das aber natürlich auch nicht immer, vor allem wenn er ironischerweise selbst im Auto sitzt. Und die Tochter hinten im Kindersitz alles mitbekommt.

«Typen definieren sich auch darüber, dass sie Kanten haben. Und es ist auch nicht so, dass wir nur in dieser Sprache kommunizieren. Ob man das so bestrafen muss und denjenigen, der zwei Fahrer rausgekegelt hat, drei Plätzchen nach hinten versetzt, ist schwierig», sagte Marquardt. Ekström war laut des Strafenkatalogs um drei Startplätze zurückversetzt worden.

Ähnlich sah es sein Mercedes-Kollege Ulrich Fritz, der seinem Fahrer für die Wortwahl zwar auch nicht den Nobelpreis verleihen wollte. Fritz sprach aber auch die Situation an, in der sich Vietoris befand: Als Führender rausgekegelt, nach Platz zehn in die Box und sofort zum Interview: «Die Jungs sind emotional, da ist ein Haufen Adrenalin dabei. Da kann es zu solchen Äußerungen kommen. Wir wollen immer Fahrer, die sagen, was sie denken. Dann macht das mal einer, und dann gibt es 3000 Euro Strafe. Da kann man geteilter Meinung sein.»

Und wie sieht der Adressat der Äußerung das? «Ich glaube, im Fußball fällt das Wort öfter als im Motorsport und dafür kriegt man keine Strafe. Auf der anderen Seite sollten wir versuchen, ein gewisses Niveau bei den Diskussionen zu haben», sagte Ekström. Er selbst versuche, solche Worte herauszulassen und gegen andere Worte zu tauschen, wenn er sauer sei. Wir erinnern uns dabei an die «Clowns» und «Pappnasen» aus Spielberg. «Wenn man Arschloch gegen Clown tauscht, dann können die Leute trotzdem verstehen, dass ich sauer bin», so Ekström.

Zudem habe man als Rennfahrer auch eine gewisse Vorbildfunktion, vor allem für die Kinder. «Und da ich finde schon, dass wir eine Grenze ziehen müssen. Ein gewisses Niveau sollte da sein» Eine Strafe hält er also für richtig. «Mein Sohn schaut sich das auch an und der ist fünf Jahre alt. Er muss das ja auch nicht lernen. Aber benimmt sich Vietoris jetzt besser, weil er 3000 Euro zahlen muss? Da bin ich mir nicht sicher.»

Timo Glock, auch einer, der gerne mal klare Kante zeigt, räumt ein, dass er wohl das Gleiche gesagt hätte. «Klar darf man das im Fernsehen wahrscheinlich nicht sagen. Aber das ist vollkommen widersprüchlich. Wir sollen Emotionen zeigen, die Fahrer sollen in den Vordergrund gestellt werden», sagte er. Und nach solch einem Vorfall sei es klar, dass man Dinge sage, die nicht immer in Ordnung seien. «Und dass dann eine 3000-Euro-Geldstrafe ausgesprochen wird und Mattias Ekström nur drei Plätze zurückversetzt wird, passt null zusammen.»

Scheider kritisierte die Entscheidung ebenfalls. Man sei nicht in der Schule und mache keine Benimmregeln. «Es kam in dem Moment vielleicht nicht das erwartete Sprachjargon eines DTM-Fahrers rüber. Das gab es aber auch bei mir schon mal. Aber das sind Emotionen, das ist Leidenschaft, das ist Anspannung und Adrenalin», sagte er. Genau das also, was man eigentlich will in der DTM.

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