Bolliger Team Switzerland (Kawasaki) droht das Aus

Von Helmut Ohner
Kevin (li.) und Hanspeter Bolliger kämpfen um den Weiterbestand des Teams

Kevin (li.) und Hanspeter Bolliger kämpfen um den Weiterbestand des Teams

Mit dem Bolliger Team Switzerland kämpft eines der besten Privatteams in der Langstrecken-Weltmeisterschaft ums Überleben. Findet sich in absehbarer Zeit kein Sponsor, droht das Ende der Kawasaki-Mannschaft.

Neben Suzuki Endurance ist das Bolliger Team Switzerland die längstgediente Mannschaft in der Langstrecken-Weltmeisterschaft. 1982 bestritt der heutige Teamchef Hanspeter Bolliger sein erstes Langstreckenrennen und konnte sich seither nicht mehr der Faszination dieser Sportart entziehen. Mehrmals sorgten die Fahrer mit Top-3-Rängen für Aufsehen in der Szene. 2005 und 2010 wurden die Mühen mit dem Vize-Weltmeistertitel belohnt.

Jetzt kämpft das beste Privatteam ums sportliche Überleben. «Ich muss dringend Geld auftreiben und das im fünfstelligen Bereich», macht der rührige Teamchef auf seine prekäre Lage aufmerksam. «Wenn uns nicht bald jemand unterstützt, kann ich meine Fahrer nicht mehr halten. Bisher fuhren alle bei mir zum Nulltarif. Es wurde lediglich das Preisgeld geteilt und die Fahrspesen sowie bei Übersee Hotel und Anreise übernommen.»

Durch ihre beständig guten Leistungen machen seine Piloten immer wieder auf sich aufmerksam und erhalten laut Bolliger hochdotierte Angebote anderer Mitbewerber. «Ich weiß nicht, ob ich nächstes Jahr in Le Mans wieder mit Roman Stamm, David Perret und Robin Mulhauser an den Start gehen darf. Wer weiß, welche Offerte sie bis bei ihnen reinflattern. Fakt ist, es müssen Sponsoren her, damit ich die geforderten Fahrergagen zahlen kann.»

«Früher war es selbstverständlich, dass ein Fahrer von einem anderen Team nicht abgeworben wurde. Doch nun ist es ein knallhartes Business. Es werden zwischen fünf- und sechsstellige Beträge angeboten. Da kann ich nicht mehr mithalten! Mir ist klar, dass sich die Zeiten geändert haben. Ich wäre bereit meinen Fahrern etwas zu zahlen, auch den Mechanikern und Helfer, denn die haben es ebenso verdient. Doch mein aktuelles Budget lässt beides nicht zu.»

«So wie ich meinen Vater kenne, will er in jedem Rennen ganz vorne mitmischen und nichts anderes. Das können wir aber nur dadurch gewährleisten, wenn wir auch schnelle Piloten im Team haben. Wenn diese jedoch für ihre Dienste bezahlt werden wollen, dann wird das für uns in Zukunft schwierig. Und nur knapp um die Punkteränge will mein Vater nicht kämpfen. Dafür ist er zu lange dabei», erklärt Kevin Bolliger.

«Allein im letzten Jahr wurde so viel ins Motorrad investiert wie bis vor ein paar Jahren fast eine ganze Saison gekostet hat. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen einige weitere Sponsoren finden werden, um noch etwas länger in der Endurance-WM tätig zu sein. Mein Traum war es schon immer, irgendwann einmal das Team meines Vaters erfolgreich in der zweiten Generation weiterzuführen. Doch momentan stehen die Vorzeichen gar nicht gut.»

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