FIA WEC

6h Spa: Analyse der großen Generalprobe für Le Mans

Von - 07.05.2017 15:49

SPEEDWEEK.com macht sich Gedanken zum zweiten Lauf der FIA WEC in Spa-Francorchamps. Trotz sicherem Doppelsieg sollte Toyota jedoch nicht zu euphorisch nach Le Mans reisen. Denn Porsche war besser als es aussah.

Nun sind also auch die sechs Stunden im belgischen Spa-Francorchamps in der Version 2017 in den Geschichtsbüchern verewigt. Es war ein Rennen, das zu begeistern wusste: Action mit tollen Überholmanövern auf der Strecke, heldenhafte Leistungen im Cockpit und interessante strategische Kniffe am Kommandostand sorgten für einen sportlichen Leckerbissen. Somit werden sich die Meisten, der über 61.000 Zuschauer nicht nur aufgrund des ungewohnt schönen Wetters mit einem Strahlen im Gesicht auf ihren individuellen Heimweg gemacht haben. Gemischt waren dagegen die Gefühle im Toyota-Lager. Natürlich haben die Japaner einen souveränen Doppelsieg nach Hause gefahren. Doch gerade Pilot Mike Conway machte am Abend im Gespräch mit SPEEDWEEK.com doch einen sehr zerknirschten Eindruck. Der Brite und sein Wagenpartner Kamui Kobayashi waren das absolut schnellste Duo im Feld und wurden nur durch Pech bei zwei Full-Course-Yellow-Phasen um den verdienten Sieg gebracht. «Klar werde ich heute Abend noch enttäuscht sein, doch ab morgen geht der Fokus ganz klar auf Le Mans», so Conway.

Letztendlich stellte sich dieses Jahr eindrucksvoll unter Beweis, dass tatsächlich die Hi-Downforce-Kits diejenigen sind, welche auf der 7,004 Kilometer langen Strecke in den belgischen Ardennen besser funktionieren. In der Vergangenheit versuchten die Hersteller oft die Meinung zu prägen, dass beide Aerodynamik-Konfigurationen gleich passend für Spa-Francorchamps wären. Doch dem war (zumindest 2017) nicht so. Und da die beiden Vollzeit in die WEC eingeschriebenen TS050 Hybrid eben diese Karosserie mit hohem Abrieb verwendeten, war deren Doppelsieg nur Folgerichtig. «Insgesamt kamen wir mit unserer Low-Downforce-Aerodynamik nicht an das Tempo des Toyota in High-Downforce-Konfiguration heran, weil unser Reifenverschleiß einfach höher war», bestätigt auch Porsche-Teamchef Andreas Seidl.

Vergleicht man jedoch die Performance der Porsche mit dem bereits in Le-Mans-Konfiguration fahrenden dritten Toyota von Stéphane Sarrazin, Yuji Kunimoto und Nicolas Lapierre fällt schnell auf, dass die Weissacher diesen Wagen absolut im Griff hatten. Dies dürfte auch den Männern in der Toyota-Box aufgefallen sein und wird sicher Thema bei den anstehenden Meetings in der Team-Zentrale in Köln-Marsdorf sein.

Doch zu tiefe Sorgenfalten dürfte ihnen dieser Fakt dann auch wieder nicht bereiten. Und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen ist das Toyota-Low-Downforce-Kit tatsächlich eine Le-Mans-Variante. «Damit haben wir nicht wirklich viele Möglichkeiten, es auf mehr Downforce einzustellen. Die Porsche konnten ihr LM-Kit dagegen besser auf die Strecke in Spa anpassen», erklärte Nicolas Lapierre gegenüber SPEEDWEEK.com.

Aber auch auf Fahrerseite zeigte sich der dritte Toyota nicht auf Augenhöhe mit Porsche. Yuji Kunimoto ist ein wahrhaft netter und sympathischer Erdenmensch und auch vom Herzen her ein echter Racer, doch im 6-Stunden-Rennen tat er sich sichtlich schwer. Vor allem im Verkehr hatte der junge Japaner noch nicht den kompletten Überblick und büßte dadurch regelmäßig Sekunden ein. Seine schnellste Runde in Spa lag am Wochenende bei 1:59,224 Minuten – und damit über 5,5 Sekunden hinter der Bestzeit von Wagenpartner Stéphane Sarrazin (1:53,658 Minuten).

Eine starke Leistung bot dagegen endlich einmal der CLM vom ByKolles Racing Team. Der Wagen kam (fast) ohne technische Probleme über die 6-Stunden- Distanz. Damit konnten sich Oliver Webb, Dominik Kraihamer und James Rossiter sogar vor allen LMP2 platzieren. Eine Leistung (oder besser gesagt eine Zuverlässigkeit), mit der kaum jemand im Fahrerlager gerechnet hatte. Der einzige private LMP1 bekam in Belgien auch eine neue Nase montiert, die mit Hinblick auf Le Mans konstruiert wurde. Trotz Konkurrenzlosigkeit in der Klasse, arbeiten die Ingenieure im Hintergrund des Projekts weiterhin an der Performance des P1/01 genannten Boliden. Inwieweit diese Anstrengungen von Erfolg gekrönt sind, wird jedoch erst der Klassiker an der französischen Sarthe zeigen. Denn mit 2:03,024 Minuten lag die Bestzeit des Boliden nicht einmal drei Zehntelsekunden über dem Wert von 2016.

Ordentlich voran ging es dagegen in LMP2-Klasse. Mit 2:00,945 Minuten schaffte hier Ex-Formel-1-Pilot Jean-Éric Vergne im Oreca 07 von CEFC Manor TRS Racing den flottesten Umlauf. 2012 (also im Debütjahr der FIA WEC) hätte dies sogar für die Poleposition gereicht. Damals kam Allan McNish im Hybrid-Audi R18 auf 2:01,579 Minuten.

In der GTE-Klasse hatte Ferrari in Spa-Francorchamps alles im Griff: Das war schon 2016 so gewesen, als ebenfalls Davide Rigon und Sam Bird gewannen. Der italienische Doppelsieg ging im Vorjahr nur deswegen flöten, weil Gianmaria Bruni und James Calado kurz vor Rennende mit Problemen am Motor (hohe Temperatur) aufgaben. Einen Rückschluss auf den anstehenden Klassiker in Le Mans wird das Rennen aber nicht geben können. Ganz einfach deswegen, weil in der Klasse die BoP (Balance of Performance) gesetzlich verordnet ist und für das 24-Stunden-Rennen eine komplett unabhängige Einstufung erstellt wird. Und diesbezüglich hat sich ein in Belgien eher im Hinterfeld fahrender Hersteller zuversichtlich gezeigt.

Letztendlich bot die Klasse auf jeden Fall zu Rennbeginn ordentlich Action. Teilweise fuhren die Ford und Ferrari zu Dritt durch die Mut-Kurve 'Eau Rouge' und hatten es sich auch hoch in Richtung 'Les Combes' des öfteren mächtig gegeben. Selbst Sympathisanten anderer Marken hatten dabei ihre helle Freude.

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