6h Shanghai: Weitere Gedanken zum Rennen der FIA WEC

Kolumne von Oliver Müller
FIA WEC
Toyota siegte beim Auftritt der FIA WEC in Shanghai und Porsche sicherte sich beide WM-Titel. Doch es gab noch viele weitere Geschichten beim achten Saisonlauf des Jahres. SPEEDWEEK.com analysiert die Ereignisse.

Am Abend nach dem Event der FIA WEC auf dem 'Shanghai International Circuit' konnte in beiden LMP1-Lagern gefeiert werden. Mit dem Wagen um Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Kazuki Nakajima triumphierte Toyota im 6-Stunden-Rennen. Porsche stand mit zwei 919 Hybrid auf dem Podium und holte sich neben dem Fahrer-WM-Titel für Timo Bernhard, Earl Bamber und Brendon Hartley auch die Marken-Weltmeisterschaft. Bis kurz vor Rennende sah es jedoch noch danach aus, dass zumindest die Entscheidung in der Hersteller-WM bis zum Finale in Bahrain (18. November) vertagt werden würde. Doch Toyota-Pilot José María López machte den sicher geglaubten Toyota-Doppelsieg in China kaputt.

Zweimal (zu Rennstart und für das Rennende) wurde der argentinische Toyota-Werksfahrer im 6-Stunden-Rennen vom Shanghai ans Steuer des TS050 Hybrid gelassen. Zweimal lag sein Wagen #7, den er sich mit Mike Conway und Kamui Kobayashi teilt, zu diesem Zeitpunkt in Führung. Und zweimal crashte López damit in zur Überrundung anstehende Fahrzeuge. Durch seine mangelnde Übersicht hat er damit erneut für Enttäuschung gesorgt. Mag sein, dass dem 34-Jährigen diese aggressive Fahrweise bei seinen drei Titeln in der Tourenwagen-WM geholfen hat, im Langstrecken-Sport ist sie jedoch wenig zielführend.

Dass Toyota überhaupt so schnell unterwegs war, lag neben den niedrigen Temperaturen (im Bereich von 17 Grad Celsius) auch an einer Weiterentwicklung am Hi-Downforce-Aerokit. Zwar ist dieses seit Saisonbeginn von den Regelhütern homologiert, doch ein kleinerer Spielraum für Änderungen ist vorhanden. So trug der LMP1-Toyota erstmals in seiner Geschichte zwei übereinander liegende 'Dive Planes' an der Fahrzeugfront. Mit denen soll mehr Anpressdruck auf der Vorderachse generiert werden. Gerade in Shanghai, wo viel Downforce gefragt ist, machen solche kleinen Entwicklungen einen großen Unterschied aus. Neben Rennsieg, schnellster Rennrunde und Pole-Position lag Toyota auch in allen freien Trainings vorne. Nach knapp vier Stunden im Rennen waren zudem bereits beide Porsche 919 Hybrid überrundet.

Vier Laufsiege konnte Toyota in der Saison 2017 erzielen. Konkurrent Porsche kommt auf die gleiche Anzahl. Damit wird beim letzten Saison-Rennen in Bahrain noch ein spannendes Duell um die meisten Triumphe des Jahres entbrennen. Interessant: Mit den Wagen von Buemi/Davidson/Nakajima sowie Hartley/Bamber/Bernhard gab es bislang nur zwei verschiedene Sieger-Trios.

Auch ein anderer Pilot hatte in Shanghai nicht wirklich geglänzt. LMP2-Fahrer Ho-Pin Tung erwischte beim Heimspiel keinen guten Tag. Im Oreca 07 von Jackie Chan DC Racing war der Chinese unter anderem für die letzten Rennstints zuständig. Dabei zeigte er sich zunächst beim Überrunden zu ungeduldig und blieb am Oreca von Nico Müller (G-Drive Racing) hängen. Teamkollege Oliver Jarvis hatte im Stint zuvor gerade 25 Sekunden herausgefahren und den Wagen in Führung liegend an Tung übergeben. Später konnte der Chinese auch den Speed der Konkurrenz nicht mitgehen. Nach dem Rennen am Nürburgring im Juli hatte der Jackie-Chan-Oreca #38 in der LMP2-Jahreswertung noch 46 Punkte Vorsprung auf den #31 Vaillante Rebellion. Inzwischen liegen Tung, Jarvis und Wagenpartner Thomas Laurent ganze vier Punkte hinter dem Konkurrenten zurück.

In der GTE-Klasse machten diesmal Porsche und Ford die Pace. Zu Rennbeginn kamen jeweils nur die zwei Wagen dieser beiden Hersteller für den Sieg in Frage. Erst in der zweiten Rennhälfte konnte Ferrari zulegen. Dies lag hauptsächlich an der Reifenstrategie der Italiener, die zunächst nur jeweils zwei Pneus beim Boxenstopp austauschten, um zum Ende hin mit frischen Pneus Vollgas geben zu können. Mit Platz drei und sechs sicherte sich Ferrari zudem auch den GT-Marken-WM-Titel.

Insgesamt geht es in der GTE-Klasse in diesem Jahr um einiges enger zu als 2016. Je nach Streckencharakteristik haben die einzelnen Modelle gewisse Vor- bzw. Nachteile. Außerdem spielt in diesem Zusammenhang die vor der Saison eingeführte automatisierte BoP (Balance of Performance) eine elementare Rolle. Denn erstmals wird die Einstufung frei von menschlichen Entscheidungen und nur von einem Computer berechnet. Dass hier inzwischen ein passendes Verhältnis gefunden wurde, beweist der Fakt, dass die letzte BoP-Anpassung auf den 11. September terminiert. Das lag zeitlich vor dem Lauf in Austin. Im Vergleich dazu: 2016 gab es elf verschiedene BoPs bei neun Rennen.

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