FIA WEC

4h Shanghai: Analyse des dritten Saisonlaufs der WEC

Von - 11.11.2019 06:43

SPEEDWEEK.com schaut zurück auf die 4 Stunden von Shanghai. Dabei konnte Rebellion den ersten Saisonsieg feiern. Toyota war einfach zu stark von den Regeln eingebremst. Das ist am Rennwochenende noch alles aufgefallen.

Die 4 Stunden von Shanghai gehen als das Rennen in die Geschichte der FIA WEC ein, in dem die Privatwagen die Toyota schlagen konnten, weil die japanischen Werkswagen (aufgrund der Einstufung) einfach nicht mithalten konnten. Somit siegte Rebellion mit dem R13 von Bruno Senna, Gustavo Menezes und Norman Nato. Die Eingriffe der Regelhüter über die EoT (Equivalence of Technology) und das Erfolgshandicap sind natürlich komplett künstlich und für Puristen haben sie absolut gar nichts mehr mit Sport zu tun, sondern dienen nur noch der Show.

Es muss aber auch gesagt sein, dass die vierstündige Renndistanz absolut kurzweilig vonstatten ging. Es gab insgesamt acht Führungswechsel in der LMP1-Klasse und mit Ginetta, Toyota und Rebellion lagen zudem auch alle drei Marken während des Rennens einmal vorne. In der Geschichte der FIA WEC hat erstmals überhaupt auch ein Privatwagen den Gesamtsieg gefeiert. (Wenn man Silverstone 2018 mal außer Acht lässt, als Toyota nachträglich disqualifiziert wurde und Rebellion aufrückte.)

Zu Rennbeginn brannten die beiden Ginetta ein wahres Feuerwerk ab, welches an die Startphasen der 24 Stunden von Le Mans früherer Jahre erinnerte. Die beiden britischen Wagen hatten zwischenzeitlich sogar über 20 Sekunden an Vorsprung herausgefahren. Mit 1:48,428 Minuten sicherte sich Ginetta-Pilot Charlie Robertson beispielsweise auch die schnellste Rennrunde. Die Ginetta waren mit 314,9 bzw. 314 km/h auch beim Topspeed ganz vorne.

Die Toyota kamen in Shanghai am Wochenende nicht über 289,5 km/h hinaus und lagen dabei hinter allen LMP2. Das brachte für die Piloten der japanischen Werkswagen natürlich sehr ungewöhnliche Herausforderungen im Rennen. Teilweise wurden sie am Ende der langen Gerade auch von den GTE-Fahrzeugen jeweils wieder zurückgerundet. Ob das im Sinne des Erfinders ist, sollte zumindest mal überdacht werden - vom Sicherheitsaspekt mal ganz abgesehen.

Insgesamt bekommen die Ginetta ihre Probleme mit der Zuverlässigkeit auch immer mehr in den Griff. Die Renndistanz spulten die beiden G60-LT-P1 solide ab. Schwierigkeiten bringt immer noch der Reifenabbau. Dadurch brachen die Zeiten der Ginetta im zweiten Teil der Doppelstints jeweils etwas ein. Auch die Boxenstopps müssen noch besser einstudiert werden. Hier ging immer wieder wichtige Zeit verloren.

Für Rebellion-Pilot Bruno Senna war der Sieg ein ganz besonderer. Der Brasilianer ist nun der einzige Pilot, der in allen vier Klassen ein WEC-Rennen gewonnen hat. Neben dem nun erzielten Triumph in der LMP1 siegte er für Vaillante Rebellion (2017) und RGR Sport by Morand (2016) in der LMP2-Klasse und mit Aston Martin Racing in der GTE Pro (2013) und GTE Am (2013).

Historischen Wert hatte auch der LMP2-Triumph von Roberto Gonzalez, Antonio Felix da Costa und Anthony Davidson im Oreca 07 vom Team Jota. Und das hat mit den Reifen zu tun. Denn es war tatsächlich der erste Erfolg für Goodyear in einem WM-Lauf seit über 20 Jahren. Letztmals gewann die amerikanische Marke beim italienischen Grand Prix der Formel 1 im Jahre 1998. Am Steuer des siegreichen Ferrari saß damals übrigens Michael Schumacher.

Erneut nichts zu holen gab es für Ferrari in der GTE-Pro-Klasse. Seitdem die FIA WEC in Shanghai unterwegs ist, wartet die Mythos-Marke weiterhin auf einen Pro-Triumph. 2012 und 2013 siegte Aston Martin, 2014 und 2015 Porsche, 2016 und 2017 Ford, 2018 wieder Aston Martin und diesmal eben Porsche. Zwar überquerten Alessandro Pier Guidi und James Calado im 488 GTE Evo als erstes die Ziellinie, doch wegen eines Verstoßes bei der Fahrzeughöhe wurde der Ferrari nachträglich disqualifiziert. Theoretisch könnte sich das Ergebnis aber nochmals ändern, denn das Einsatzteam AF Corse ging gegen die Entscheidung in Berufung. Somit steht eine finale Aussage hier noch aus.

Nicht sonderlich viel los war auf den vielen Tribünen rund um die 5,451 Kilometer lange Strecke von Shanghai. Lediglich die Haupttribüne war (zumindest zum Rennstart) einigermaßen gefüllt. Bislang war der Shanghai-Auftritt seit Seriengründung der FIA WEC 2012 immer gesetzt, da die Hersteller den großen chinesischen Markt natürlich abfedern wollten. Das Rennen ist im Paddock jedoch extrem unbeliebt, beispielsweise wegen der regelmäßigen Probleme mit den Visas. Das haben auch die WEC-Macher inzwischen begriffen. Sollte Shanghai im Kalender 2020/21 nicht mehr auftauchen, wäre das mittlerweile keine Überraschung mehr.

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