FIA WEC

Wegen Hypercars: LMP2 verlieren 40 PS an Leistung

Von Oliver Müller - 06.12.2019 08:16

Um die Reihenfolge auf der Strecke beizubehalten, müssen die LMP2 eine Reduzierung der Motorleistung in Kauf nehmen. Außerdem wird ein Einheitsreifen eingeführt. Somit bleiben die LMP2 dann weiter hinter den LMH.

Die Ablösung der aktuellen LMP1-Kategorie kann als eine Art Zangengeburt bezeichnet werden. Ab der Saison 2020/21 werden schließlich Hypercars die Spitze der Sportwagen-WM (FIA WEC) bilden. Diese können reinrassige Renn-Prototypen sein, die optisch an ein Hypercar erinnern (aber auch nicht müssen) oder auch Ableitungen von echten Straßen-Hypercars. In dieser Woche erhielt die Klasse nach langem Hin und Her auch endlich ihren Namen. Sie firmiert als 'Le Mans Hypercar' und wird LMH abgekürzt.

Um die Entwicklungskosten für einen LMH etwas im Zaum zu halten, sollen die neuen Boliden um einiges langsamer werden als die aktuellen LMP1. Für die 13,626 Kilometer lange Runde auf dem 'Circuit de la Sarthe' in Le Mans ist eine Zeit von 3:30 Minuten (ggf. auch 3:25 Min.) anvisiert. Dies bezieht sich auf die Pace in der Qualifikation. Die LMP1 schaffen aber Zeiten von um die 3:15 Minuten. Der Rekord von Kamui Kobayashi aus dem Jahre 2017 liegt sogar bei 3:14,791 Minuten. Bedeutet im Umkehrschluss: Die LMH werden in Le Mans mindestens zehn Sekunden langsamer als die LMP1.

Nun der Blick auf die LMP2-Klasse: Hier lag die Pole-Zeit in diesem Juni in Le Mans bei 3:25,345 Minuten. 2018 wurden sogar 3:24,842 Minuten erreicht. Somit befinden sich die LMP2 genau in dem für die LMH angedachten Zeit-Korridor. Für die Boliden der neuen großen LMH-Kategorie würde es natürlich nicht sonderlich attraktiv aussehen, wenn sie auf der Strecke von einem LMP2 überholt werden würden. Doch hier haben die Regelhüter nicht lange gezuckt, sodass die LMP2 einfach einer Kastration unterzogen werden.

Dies geschieht über die Reduzierung der Motorleistung. Die LMP2 werden von einem Einheitsmotor angetrieben, den die britische Firma Gibson liefert. Es ist ein V8-Sauger mit 4.2 Litern Hubraum, der aktuell noch auf 600 PS kommt. Parallel zur Einführung der LMH-Klasse im Herbst 2020 bekommt der LMP2-Motor dann 30 Kilowatt (also etwas mehr als 40 PS) weggenommen. Wie nachhaltig die Regelhüter hier agieren, zeigt der Fakt, dass die Motorleistung der LMP2 ab 2017 gerade erst von circa 510 PS auf 600 PS erhöht wurde, um die Fahrzeuge schneller zu machen.

Auch Holz-Reifen kommen

Da die Reduzierung der Motorleistung natürlich nicht ausreicht, um die LMP2 hinter die LMH zu drücken, werden zusätzlich noch Einheitsreifen verordnet. Bislang haben Michelin und Dunlop/Goodyear einen attraktiven Reifen-Wettbewerb in der LMP2 geboten. Ab der nächsten Saison darf dann nur noch ein Lieferant die LMP2-Pneus verteilen. Hierzu wird es eine Ausschreibung geben. Klar ist aber schon jetzt, dass die Reifen eine schlechtere Performance an den Tag legen werden, als die aktuelle Generation. Denn nur so können die Rundenzeiten verlangsamt werden. Der Paddock-Begriff dafür lautet: Holz-Reifen.

Es wird spannend zu verfolgen sein, wie langsam die LMP2 dann um die Strecke fahren werden. Insgesamt wirft das aber das nächste Problem auf. Denn es gibt ja auch noch die LMP3-Klasse. Die kleinen Prototypen fahren derzeit in Le Mans Zeiten von 3:49 Minuten. Für 2020 werden die LMP3 jedoch (unter anderem durch eine Erhöhung der Motorleistung auf 455 PS und die Einführung einer Traktionskontrolle) schneller gemacht und dürften in Le Mans dann vielleicht auf 3:45 Min. kommen. Auf der Strecke in Le Mans sind LMP2 und LMP3 nicht gemeinsam unterwegs. Doch auf allen anderen Kursen der ELMS oder der Asian Le Mans Series rücken beide LMP-Klassen dann doch sehr eng zusammen.

Beim Saisonfinale in Portimão lag die LMP2-Pole bei 1:31,244 Minuten und die der LMP3 bei 1:39,179 Minuten. Addiert man zwei bis drei Sekunden zur LMP2-Zeit hinzu und nimmt ein bis zwei Sekunden bei der LMP3-Zeit weg, dann werden sich LMP2 und LMP3 sicherlich zukünftig gegenseitig im Verkehr beeinflussen – insbesondere wenn gerade ein etwas langsamerer Gentleman-Pilot in einem LMP2 sitzt. Und damit wären wir wieder beim Anfang der Geschichte und bei dem Plan, dass sich die LMH und LMP2 nicht in die Quere kommen sollen. Kurz gesagt: Das Problem wurde weg von der LMH einfach auf die kleineren Klassen ausgelagert.

Ab der nächsten Saison werden die LMP2 (hier diverse Oreca 07) ordentlich langsamer © LAT Ab der nächsten Saison werden die LMP2 (hier diverse Oreca 07) ordentlich langsamer
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