6h Spa: Audi gewinnt zweiten Lauf der FIA WEC

Von Oliver Müller
FIA WEC
Sieger im Spa-Francorchamps: Der Audi R18 von Lucas di Grassi/Loïc Duval/Oliver Jarvis

Sieger im Spa-Francorchamps: Der Audi R18 von Lucas di Grassi/Loïc Duval/Oliver Jarvis

Mit einem Sieg des Audi R18 von Lucas di Grassi/Loïc Duval/Oliver Jarvis ging das 6-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps zu Ende. Toyota fällt im Führung liegend mit Motorschaden aus. GTE-Pro geht an Ferrari.

Was für ein packendes Rennen voller Emotionen und Dramen im Kampf um den Gesamtsieg: Die 6 Stunden von Spa-Francorchamps waren auch 2016 wieder ein würdiger Sportwagen-Klassiker. Und am Ende ging der Sieg an Audi. Grund dafür war eine lupenreine und fast problemlose Leistung der Mannschaft um den Wagen von Lucas di Grassi, Loïc Duval und Oliver Jarvis. (lediglich ein Teil des Hinterwagens wurde während einer Safety-Car-Phase ausserplanmässig gewechselt.)

«Meinen ersten Sieg im LMP1 werde ich nie vergessen. Das war ein verrücktes Rennen. Wir waren das einzige Spitzenauto, das ohne Probleme durch das Rennen kam. Das war der Hauptgrund für den Sieg», freute sich Lucas di Grassi nach dem Rennen. Am Ende hatte das Fahrer-Trio der Ingolstädter satte zwei Runden Vorsprung auf den zweitplatzierten Porsche 919 Hybrid von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb.

Bis ca. anderthalb Stunden vor Rennende sah jedoch Toyota wie der sichere Triumphator aus. Der TS050 Hybrid von Anthony Davidson/Sébastien Buemi/Kazuki Nakajima führte lange Zeit das Rennen souverän an, musste dann jedoch mit einem Motorschaden vorzeitig die Segel streichen. (In der letzten Runde ging man lediglich mit Elektro-Power nochmals auf die Strecke, um so die schwarz-weiss-karierte Flagge zu sehen und WM-Punkte zu sammeln.)
Toyota nutzte am Wochenende im Gegensatz Audi und Porsche das Hi-Downforce-Paket, wodurch die Reifen länger durchhielten als bei der deutschen Konkurrenz. Dies wäre eigentlich der Schlüssel zum Sieg in den belgischen Ardennen gewesen - denn auch von der reinen Performance her hat Toyota 2016 wieder zu Audi und Porsche aufgeschlossen. Pech für die Japaner: Denn auch der zweite TS050 Hybrid musste vorzeitig aufgeben - mit Problemen an der Elektronik. Dieser Wagen hatte über das Rennen verteilt jedoch schon mit einigen weiteren Nicklichkeiten zu kämpfen und kam zum Zeitpunkt des Rückzuges schon nicht mehr für den Sieg in Frage.

Platz zwei ging somit an den Porsche von Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb – und das eigentlich total unerwartet. Denn am 919 Hybrid des Trios hatte schon in den ersten Rennminuten das Hybrid-System teilweise den Dienst quittiert. Mit weniger Elektro-Extra-Power (und somit einigen Sekunden an Zeitverlust pro Runde) kämpfte sich das Team durch das Rennen – profitierte aber letztendlich von den Problemen der anderen. «Ich bin zu Rennbeginn gerade in meinen Rhythmus gekommen. Da trat das Problem auf – und mein Renningenieur sagte mir, dass wir damit bis zum Rennende leben müssen. Somit war es nicht das einfachste Rennen für uns», strahlte ein am Ende erleichterter Marc Lieb.

Gross war der Jubel im Lager des privaten LMP1-Teams von Rebellion Racing. Mit dem dritten Platz von Mathéo Tuscher, Dominik Kraihamer und Alexandre Imperatori konnte man erstmals seit Einführung des neuen technischen Regelwerks im Jahre 2014 wieder bei der Champagner-Dusche auf dem Podium teilnehmen. (Bein Rennen Mitte April in Silverstone bekam man erst nach dem Wertungsausschluss des Audis nachträglich P3 zugesprochen) «Das ist natürlich ein guter Start in die Saison. Das war sicherlich nicht geplant. Somit sind wir sehr glücklich über das Resultat», so Tuscher.

Mit dem vierten Platz des Schwesterwagens von Nicolas Prost, Nelson Piquet Jr und Nick Heidfeld war das 'Traumergebnis' für die Schweizer Truppe perfekt. Überhaupt zeigten die beiden R-One in Spa-Francorchamps eine saubere Leistung. Und auch das Zeiten-Niveau war sehr bemerkenswert. Über den Stint verteilt war man näher an den Werkswagen dran als je zuvor. Der CLM vom Bykolles Racing Team blieb in Spa-Francorchamps blass; konnte das Rennen aber auf Platz sechs beenden.

Pech hatte auch der zweite R18 von Audi (Marcel Fässler/André Lotterer/Benoît Tréluyer). Der Wechsel des vorderen Unterbodens, Überhitzungsprobleme durch zugesetzte Lufteinlässe und eine Drive-Through-Strafe als Folge einer Kollision nahmen dem Wagen die Chance auf den Rennsieg -somit war am Ende nicht mehr als Platz fünf drin.

Auch der zweite Porsche von Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley musste wegen zweier Reifenschäden und dem Wechsel der vorderen Motor-Getriebe-Einheit (über anderthalb Stunden Zeitverlust) früh die Hoffnungen auf den Sieg begraben.

In der GTE-Pro-Klasse ging kein Weg vorbei an Ferrari: Die beiden 488 GTE führten zu jeder Zeit das Rennen in der Kategorie an. Am Ende war es der Wagen von Davide Rigon/Sam Bird, der den Sieg für sich verbuchen konnte. «Wir hatten keine Probleme. Alles lief super. In Bezug auf die Konkurrenz denke ich jedoch, dass wir in Le Mans alle enger zusammen sein werden», meinte Rigon am Ende.

Eigentlich hatte alles schon nach einem Doppelsieg für Ferrari ausgesehen. Doch wenige Minuten vor Rennende musste der Schwesterwagen von Gianmaria Bruni/James Calado in Führung liegend in die Box. Grund: Urplötzlich ging die Motor-Temperatur nach oben. Eigentlich wären 105 Grad Celsius normal, doch das Aggregat kam bis auf 130 Grad. Um den Motor für den Rest der Saison nicht zu riskieren, entschied man sich für die Aufgabe. Somit erbte der Ford GT von Marino Franchitti, Andy Priaulx und Harry Tincknell den zweiten Platz vor dem Aston Martin von Richie Stanaway, Fernando Rees und Jonathan Adam.

Überschatten wurde das Rennen in der Klasse von zwei schweren Unfällen: Zunächst kollidierte Nicki Thiim im Young-Driver-Aston-Martin mit einem LMP2, was einen Überschlag seines Wagens zur Folge hatte. Ca. eine Stunde vor Rennende flog dann Stefan Mücke im anderen Ford GT in der Eau Rouge ab und schlug heftig in die Reifenstapel ein. Beide Fahrer blieben zum Glück weitgehend unverletzt. Mücke erlitt einige Prellungen.

Der nächste Lauf der Sportwagen-WM (FIA WEC) ist gleichzeitig das Highlight der Saison: Die 24 Stunden von Le Mans (18./19. Juni).

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