Grand Prix 2020: 25 Rennen, Europa-Anteil kleiner

Von Mathias Brunner
Formel 1
Zum Glück bleibt Monaco unangetastet

Zum Glück bleibt Monaco unangetastet

​Liberty Media, die künftigen Grossaktionäre der Formel 1, wollen das GP-Programm auf 25 Rennen ausbauen, mit mehr WM-Läufen in den USA und Asien. Der Verlierer wird dabei Europa sein.

Greg Maffei, Geschäftsleiter der Liberty Media Corporation, versteht sich als neuer Chef-Stratege der Formel 1. Der 56-Jährige plant zusätzliche WM-Läufe: «Wir sitzen auf 21 Austragungsorten. Wir sehen den Weg im Ausbau des Programms mit Orten, die für Fernsehanstalten und Sponsoren reizvoller sind. Ich erkenne da vor allem Asien und Lateinamerika, längerfristig Nordamerika, besonders die USA, wo wir zu wenige Zuschauer haben, als ausbaufähig. Das alles geht aber nicht über Nacht.»

In der Tat. Denn Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat gesagt: «Wir können derzeit nicht mehr Rennen machen, weil die Verträge mit den Rennställen das untersagen. Ab 2020 ist das nicht mehr der Fall. Ob wir dann mehr Grands Prix erhalten werden, hängt von den Verhandlungen mit den Teams ab.»

Die Fans träumen auch von einer Rückkehr nach Südafrika, auf dass die Formel-1-WM eine richtige Weltmeisterschaft ist. Seit Jahren wird zudem von einem südamerikanischen Paket aus Argentinien und Brasilien geredet.

Der frühere BMW-Motorsportchef Dr. Mario Theissen hat einmal auf den Punkt gebracht: «Die Formel 1 muss eine Mischung bleiben aus traditionellen Rennstrecken und aufregenden neuen Kursen in Wachstumsmärkten. Wir müssen Rennen haben wie in Singapur oder wie in Abu Dhabi. Aber die grossen Strecken müssen unbedingt bleiben, Monza und Spa-Francorchamps, Silverstone und Monaco.»

Aber mittelfristig wird der Anteil Rennen in Europa sinken: Zwar kehrt Frankreich 2018 zurück, und glücklicherweise tritt die Formel 1 auch wieder in der Steiermark an. Aber nicht jedes Land hat einen Dietrich Mateschitz. Deutschland muss 2017 ohne WM-Lauf auskommen. Und wenn neue Rennen geplant sind, dann ist selten von Europa die Rede. Als Expansionsgebiet wird die alte Welt offenbar nicht angeschaut.

2017: Die richtige Mischung?
Ein Blick ins WM-Programm 2017 zeigt, wie der nächstjährige Verteilschlüssen aussieht: Von 20 Rennen finden sieben in Europa statt (Spanien, Monaco, Österreich, Grossbritannien, Ungarn, Belgien, Italien), sieben in Asien/Ozeanien (Australien, China, Russland, Aserbaidschan, Singapur, Malaysia, Japan), zwei in Nordamerika (Kanada und USA), zwei in Mittel- und Südamerika (Mexiko und Brasilien) sowie zwei im Mittleren Osten (Bahrain und Abu Dhabi).

Aber wie sieht es aus, wenn wir zurückblicken? Wie gross war der Anteil des europäischen Kernmarkts früher?

2005: Einige Sorgenkinder
Vor zehn Jahren gab es 19 WM-Läufe. Damals waren es jedoch zehn in Europa, fünf in Asien/Ozeanien, zwei in Nordamerika, einer in Südamerika und einer im Mittleren Osten. Gemessen an heute sind seit 2005 der San-Marino-GP in Imola verschwunden (damals eine gute Ausrede, um zwei Rennen auf italienischem Boden zu haben), der Europa-GP auf dem Nürburgring (eine gute Ausrede damals, um zwei Rennen auf deutschem Boden zu haben), der Indy-GP (heute fahren wir in Austin/Texas), der Türkei-GP ausserhalb von Istanbul. Bahrain gab es zwar schon, nicht aber Abu Dhabi. Damals ebenfalls noch im WM-Angebot: der Grosse Preis von Frankreich. Den haben wir 2008 verloren, erhalten ihn zum Glück aber 2018 zurück.

1995: Ganz anderes Bild
17 Rennen, die sich wie folgt aufteilten: Gleich elf Rennen in Europa (also 64 Prozent der WM, Anteil 2017 35 Prozent), drei in Asien und Ozeanien, nur einen in Nordamerika, zwei in Südamerika und basta. Im Mittleren Osten wurde damals von einem Grand Prix nur geträumt, die Südamerika-Tournee bestand aus Brasilien und Argentinien, in Japan gab es gleich zwei Grands Prix (neben dem fabelhaften Suzuka der eher peinliche TI-Circuit in Aida), und in Australien wurde damals in Adelaide gefahren, nicht in Melbourne. Die Europäer freuten sich über einen WM-Lauf in Portugal, zusätzlich zu den genannten Rennen auf europäischem Boden oder jenen WM-Läufen, die auch im aktuellen Programm enthalten sind.

1985: Schon damals kein New-York-GP
Vor dreissig Jahren gab es 16 WM-Läufe. Mit elf von sechzehn Rennen lag der Anteil von Europa bei stattlichen 68,75 Prozent, ergänzt wurde die WM durch ein Rennen in Brasilien (damals in Rio), eines in Australien (erster Grand Prix des Landes im Rahmen der Formel-1-WM!), zwei in Nordamerika (Strassen-GP in Detroit sowie Montreal) und eines in Südafrika. Gemessen an 2015 hat sich der Anteil der Rennen in Nordamerika also gehalten, Asien/Ozeanien jedoch ist von 6,25% der Rennen auf 30 geschnellt! 1985 gab es noch einen Holland-GP, der Kurs in der Steiermark hiess noch Österreichring, und der Europa-GP fand in Brands Hatch statt – weil sich die Pläne für Strassen-GP in Rom und New York zerschlagen hatten.

1975: Asien, wo bist du?
14 Rennen der WM, zehn davon in Europa (= 71,43 Prozent Anteil). Dazu zwei Rennen in Südamerika, eines in Südafrika und eines in den USA. Von einem Rennen in Asien ist noch nichts zu sehen: der erste Japan-GP kam erst ein Jahr später (mit dem dramatischen Finale von Fuji zwischen Niki Lauda und James Hunt).

1965: Nur zehn Rennen
Die Fans erhielten vor 50 Jahren eben mal die Hälfte der Rennen von 2015 serviert, also ganze zehn Grands Prix. Europa dominierte mit 70 Prozent, dazu gab es je einen Lauf in Südafrika, den USA und Mexiko.

1955: Alibiübung Indy-GP
Das Indy 500 gehörte damals zum WM-Programm, aber kaum ein europäisches Team reiste nach Amerika. Das Rennen hiess auch nicht USA-GP. Im Grunde könnten wir die Veranstaltung aus Sicht der Formel 1 glatt ignorieren. Abgesehen vom Argentinien-GP fanden die restlichen fünf Grands Prix alle in Europa statt. Genau: eine Saison, nur sieben Läufe (wenn wir Indy nicht rechnen, sogar nur sechs). Noch wilder: Die WM begann zwar schon am 16. Januar in Buenos Aires, dann aber mussten sich die Rennfans bis zum 22. Mai gedulden, um in Monaco einen weiteren Lauf zu erleben. Mit dem Monza-GP anfangs September war die Herrlichkeit schon vorbei, und die Herren Piloten konnten sich in die Ferien verabschieden.

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