Drohung von Alonso, Hamilton: Das sagt Liberty Media

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sean Bratches, Chase Carey und Ross Brawn

Sean Bratches, Chase Carey und Ross Brawn

​Die Superstars Fernando Alonso und Lewis Hamilton sagen: Wenn das WM-Programm 25 GP umfasst, dann sind sie weg. So reagiert die Führung von Formel-1-Grossaktionär Liberty Media auf die Drohung.

Medienrunde mit der neuen Formel-1-Führung: Der 62jährige US-Amerikaner Chase Carey (CEO der «Formula One Group»), der gleichaltrige Engländer Ross Brawn (für die Entwicklung des Sports seitens Technik und Format zuständig) sowie der vor 56 Jahren in Berlin geborene Amerikaner Sean Bratches (Geschäftsleiter der kommerziellen Seite) stellen sich im Rahmen des Kanada-GP am Circuit Gilles Villeneuve von Montreal den Fragen der Berichterstatter.

Liberty Media hat begonnen, dem Sport ein neues Gesicht zu geben, einen Vorgeschmack darauf haben wir in Spanien erhalten. Besonders die jungen Menschen sollen für den Sport wieder begeistert werden, die Formel 1 als familientaugliches Spektakel, erschwinglich und faszinierend.

Chase Carey zieht eine Zwischenbilanz: «Nach vier Monaten glauben wir, wir sind von allen herzlich und offen empfangen worden. Das gibt uns Zuversicht für die kommenden Jahre. Wir haben grosse Pläne, immer mit der Tradition im Hinterkopf, von daher passt es, dass wir hier 50 Jahre Kanada-GP feiern. Wir wollen die Formel 1 zu einem tollen Live-Erlebnis machen, auch in Städten, in welchen du spüren sollst, dass der Grand-Prix-Zirkus da ist.»

«Wir stehen noch immer ganz am Anfang, aber das Echo ist positiv bei allen Beteiligten. Wir wollen diesen Sport zusammen mit allen Partnern, Teams, Rennveranstalter und so weiter auf das nächste Niveau heben. Wir sehen die Formel 1 als Grossveranstaltung. Da können wir aus Amerika viel mitbringen, um einen attraktiveren Rahmen zu schaffen. Wir wollen die Formel 1 nicht amerikanisieren, wir wollen den GP-Sport damit bereichern, was in den USA funktioniert. Wir bringen Musik und Essen und Energie und Feststimmung, aber wir werden die Formel 1 im Kern nicht umkrempeln. Das wäre der völlig falsche Ansatz. Wir sprechen auch darüber, wie wir das Rahmenprogramm mit anderen Rennformeln aufpeppen können. Wenn wir glauben, dass die Fans gewisse Serien sehen wollen, dann werden wir das ins Auge fassen.»

Sean Bratches meint: «Wir messen ein grösseres Interesse am Sport. Die Fans werden eher eingebunden. Wir probieren hier zum Beispiel zusammen mit Tata und Panasonic eine Breitband-Wolke über eine Tribüne, damit die Fans vor Ort mehr Zugang zu allen Informationen haben.»

Ross Brawn ergänzt: «Ich spüre einen grossen Willen, den Sport in die Zukunft zu führen. Der Motor ist dabei der Schlüssel, wir sind am Diskutieren, wie dieses Triebwerk nach 2020 aussehen soll. Wir stehen an einer Weggabel. Elektrik und selbstfahrende Autos, das sind im Automobilbau grosse Themen, aber das ist nicht Formel 1. Wir brauchen ein gesunde Balance zwischen technischer Herausforderung und Show, die Technik darf nicht so hochgestochen sein, dass der Sport darunter leidet.»

Leiden ist ein gutes Thema. Viele Rennveranstalter wie in Silverstone ächzen unter den hohen Antrittsgebühren. Sean Bratches bleibt vage: «Wir sind am Diskutieren. Wir wollen so viel Enthusiasmus für den Sport wecken, dass mehr Fans zu den Rennen kommen. Wir schaffen Mehrwert für die Veranstalter. Aber wir haben mehrfach betont, dass wir die ganzen Traditionsrennen behalten wollen, und das trifft ganz besonders auf Silverstone zu. Wir sind zuversichtlich, dass wir einen Rahmen schaffen, der es den Veranstaltern erlaubt, wirtschaftlich vernünftig arbeiten zu können.»

Wann sehen wir ein Rennprogramm 2018? Chase Carey: «Wir müssen die Abläufe mit der FIA respektieren. Aber wir wollen einen Plan früher veröffentlichen, um den Veranstaltern mehr Zeit zu geben, um ihren Grand Prix zu bewerben. Was die Anzahl der Rennen angeht, so wollen wir als erste Priorität die Qualität der Grands Prix verbessern. Wir haben 20 Läufe in diesem Jahr, wir werden 2018 21 Rennen haben. Aber es gibt keinen exakten Plan, wie viele Rennen in den kommenden Rennen hinzukommen sollen.»

Die Formel-1-Superstars Fernando Alonso und Lewis Hamilton haben festgehalten: Wenn das WM-Programm 25 Rennen umfasst (wie es Liberty-Media-Geschäftsleiter Greg Maffei angekündigt hat), dann sind sie weg. Weil sie das einfach zu viel finden.

Chase Carey: «Es ist wenig konstruktiv, auf Mutmassungen einzugehen. Wie gesagt, wollen wir die bestehenden Rennen aufwerten. Ja, wir wollen den Sport in weitere US-Städte bringen – New York, Miami, Las Vegas. Aber wir streben Qualität an, keine Quantität.»

Wie soll die Balance zwischen freiem Fernsehen und Pay-TV aussehen? Sean Bratches: «Das ist bei uns ein grosses Thema. Wir wollen einerseits so viele Menschen als möglich erreichen. Wir wollen aber auch Geld einnehmen. Aber alle Märkte sind verschieden. Pay-TV wird nicht in allen Ländern gleich gut akzeptiert. Wir können das nicht alles über einen Kamm scheren. Es gilt hier, eine gesunde Balance zu finden.»

Chase Carey nimmt den Faden auf: «Die Menschen haben immer mehr Möglichkeiten, sich zu unterhalten. Es ist wichtig, den Fans die Chance zu geben, sich auf allen denkbaren Plattformen Formel 1 angucken zu können – auf mobilen Geräten wie auch zuhause vor der Flimmerkiste. Wir wollen an einen Punkt kommen, dass der Fan, auf welche Art und immer, so viele Informationen abrufen kann, als stünde er bei einem Team in der Box. Wir glauben, das Interesse dafür besteht. Wir schauen uns derzeit an, wie und auf welchen Plattformen wir das alles aufbereiten sollen.»

Wie wird künftig das Geld in der Formel 1 verteilt? Chase Carey: «Es geht nicht nur um die Verteilung des Geldes, es geht auch darum, wie viel die Formel 1 kostet. Wir wollen die Kosten senken und die Einnahmen intelligenter verteilen. Einen Zeitplan dafür haben wir nicht. Aber wir streben danach, die Formel 1 als Geschäft zu führen, in dem alle gut leben können, die Formel-1-Gruppe, Rennveranstalter, Sponsoren, Rennställe. Und dazu gehört auch sicherzustellen, dass die Teams überleben können. Wie das genau aussehen soll, werden wir mit den Beteiligten in vertraulichen Gesprächen klären.»

Ross Brawn sagt dazu: «Alle Teams sind dafür, die Kosten zu verringern. Aber in welcher Art und Weise, das ist nun die Frage. Wir wollen, dass unsere Vorschläge wohldurchdacht sind, wenn wir sie den Rennställen unterbreiten. Wir bauen unser Team bei Liberty weiter mit Fachkräften aus, auch mit Finanzexperten. Unsere Vorschläge werden jedoch in enger Kooperation mit dem Autoverband FIA erfolgen, denn die FIA bleibt Regulator des Sports.»

«Wir wollen aber auch nicht, dass alle Teams in der Formel 1 gleich sind. Was wir verhindern möchten – Dominanz. Wir wollen, dass auch ein Mittelfeld-Team gut aussehen kann. Wir wollen, dass möglichst viele Rennställe um einen Sieg kämpfen können. Denn letztlich ist das, was die Fans sehen wollen.»

Chase Carey: «Wir werden mit Bedacht vorgehen. Uns ist wichtiger, wo wir in drei Jahren stehen als wo wir in drei Monaten sind. Viele unserer Ideen lassen sich nicht in wenigen Monaten umsetzen. Aber wir stecken mitten in Gesprächen und Verhandlungen. Wir haben in Barcelona einen kleinen Vorgeschmack gegeben, was wir alles tun könnten, und das Echo war sehr positiv. Aber das alles braucht Zeit. Bis im Sommer haben wir unsere Organisation voll am Laufen. Ich bin zufrieden damit, wo wir stehen.»

 

 

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