Formel 1

Jackie Stewart über Vettel: Hamilton ist mitschuldig

Von - 28.06.2017 09:41

​Die schottische Rennlegende Sir Jackie Stewart findet nicht, dass Sebastian Vettel in Baku der böse Bube ist, jedenfalls nicht der Einzige: «Lewis Hamilton sollte zugeben, dass er eine Mitschuld trägt.»

Sir Jackie Stewart (78) ist als Repräsentant zahlreicher Firmen (Rolex oder Heineken) regelmässiger Gast in den Formel-1-Fahrerlagern. Ausgerechnet den turbulenten Aserbaidschan-GP verpasste die schottische Rennlegende, er sah sich das Strassenrennen von Baku im Fernsehen an. Und er staunte über die Kabbelei zwischen WM-Leader Sebastian Vettel und Mercedes-Star Lewis Hamilton, wie der 27fache GP-Sieger dem Irish Examiner erklärte. Sir Jackie Stewart (Weltmeister 1969, 1971 und 1973) ist nicht der Überzeugung, dass hier Vettel das Teufelchen und Hamilton das Engelchen ist.

Jackie Stewart sagt: «Zunächst einmal finde ich, der gute Ruf von Sebastian Vettel ist durch seine Aktion befleckt worden. Aber gleichzeitig muss ich sagen – Auslöser von Vettels Aktion war, was Hamilton zuvor getan hat, als er an einer ungewöhnlichen Stelle verlangsamt hat. Das gehört eben auch zu dieser Geschichte. Das Manöver war für Vettel ein Schock. Aus diesem Grund hat er seinen Ferrari nachher auf gleiche Höhe gezogen um zu fragen – was zur Hölle machst du da? Dann kam es zur Kollision. Dafür gibt es keine Entschuldigung, das war einfach nur falsch. Das ist unangemessenes Verhalten auf einer Rennstrecke.»

«Aber wir würden es uns eben zu einfach machen, zeigen wir jetzt mit dem Finger auf nur einen Mann. Der Anfang des ganzen Schlamassels war, was vorher passiert ist. Ich habe nie jemanden gesehen, der so überraschend vom Gas ging.»

Hier ein kleiner Hinweis: Gemäss der FIA tat Lewis Hamilton in jener Kurve nichts Anderes als in den zwei Runden zuvor. Er trat auch nicht, wie sich hartnäckig hält, auf die Bremse. Er hat einfach aus der besagten Kurve nicht so beschleunigt, wie das Vettel erwartet hatte.

Für Sir Jackie Stewart muss die FIA reagieren. Der Schotte bestätigt: «Ja, die FIA hat die Möglichkeit für zusätzliche Disziplinarmassnahmen gegen Sebastian. Aber ich finde generell, die Arbeit der Rennkommissare steht auf dem Prüfstand. Wir haben bei jedem Grand Prix andere vier Kommissare. Ich finde, die FIA sollte einen früheren Formel-1-Fahrer verpflichten, ihm ein richtiges Salär zahlen und es dann ihm überlassen, solche Fälle zu beurteilen. Es sollte ein Fahrer sein, der noch nicht vor allzu langer Zeit aufgehört hat. Und er sollte für zwei oder drei Jahre unter Vertrag genommen werden, aus Gründen der Stabilität.»

«Stattdessen haben wir eine gewisse Anzahl extrem reifer Repräsentanten aus verschiedenen Ländern. Sie dürfen abwechslungsweise zu den Rennen reisen. Das dient wohl dazu, die guten Beziehungen der FIA mit diesen Ländern zu pflegen. Wenn aber die Aufstellung der Rennkommissare ständig ändert, dann werden wir nie Konstanz bei den Entscheidungen erhalten. Und wir haben auch nicht die gleichen Grundkenntnisse, auf deren Basis diese Entscheidungen gefällt werden. FIA-Präsident Jean Todt wird das nicht gerne hören, aber das alles wird derzeit nicht so professionell gehandhabt, wie es sein sollte.»

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