Niki Lauda: Irgendwann zerstören wir den F1-Mythos

Von Rob La Salle
Formel 1
Niki Lauda

Niki Lauda

Niki Laudas Feuerunfall jährt sich heute (1. August) zum 41. Mal. Der Österreicher überlebte das Flammeninferno nur knapp. An den Unfall selbst kann sich Niki Lauda nicht mehr erinnern.

Dank eines Fan-Videos weiß er heute, was am 1. August 1976 bei Kilometer 10,6 auf der Nordschleife geschah: Laudas Ferrari 312T2 kam von der Piste ab und prallte mit mehr als 200 km/h gegen einen Fangzaun, bevor er Feuer fing. Ganze 55 Sekunden dauerte es, bis der Österreicher aus dem Wrack gezogen wurde.

Er sagt heute, dieser Tag «geht vollkommen emotionslos an mir vorbei.» Allerdings hatte der Unfall Folgen, auch positive. «Ich war danach noch gefestigter. Einmal so richtig abzusaufen und dann wieder hochzukommen, diese Erfahrung bleibt. Ich bin geistig und als Typ stärker herausgekommen, als ich es vorher war», sagte er dem Tagesanzeiger. Und: «Wenn mich etwas schmerzt und ich zum Arzt gehen muss, belastet mich das überhaupt nicht. Über eine Wurzelbehandlung am Zahn kann ich nur lachen.»

Eine Konsequenz zog er aus der Erfahrung mit dem Tod: «Dass ich kein unnötiges Risiko mehr eingehe. Ich rutsche nicht in der Dusche aus, ich knalle nicht mit dem Auto in einen Baum, weil ich unvorsichtig war.»

Damals sei die Formel 1 vor allem interessant gewesen, «weil da ein paar Typen gefahren sind, die anders waren als normale Menschen, die dieses Risiko bewusst eingingen. Heute ist das deutlich anders – Gott sei Dank», meinte Lauda, um dann seine Kritik am Cockpitschutz zu erneuern. Er sei ein absoluter Gegner «dieses depperten Halos», so der Österreicher.

Trotz seiner eigenen Vorgeschichte hält er von dem Sicherheitssystem gar nichts. «Denn das Restrisiko ist jetzt schon null. Null! Und jetzt soll auch noch dieses Ding kommen. Die Menschen, die bewusst ein Risiko eingehen, braucht es dann erst recht nicht mehr in der Formel 1. Ist es dann noch die Serie, in der die besten Typen mit den schnellsten Autos fahren? Für mich ist der Halo ein Rückschritt. Jeder Fahrer muss wissen, dass es eine Gefahr gibt. Wie zu meiner Zeit. Und dann muss er entscheiden: Zähle ich zu den Menschen, die das auf sich nehmen, oder nicht?», sagte Lauda.

Er findet, dass der Mythos Formel 1 reduziert werde. Die Entwicklung sei gut, nur gebe es eine Grenze. «Die Frage ist, ob es im allgemeinen Interesse ist, dass wir alle in einen Sicherheitswahn verfallen, weil wir Angst haben vor Klagen. Irgendwann zerstören wir den Mythos Formel 1.»

Lauda findet: «Wenn ein Rennfahrer die Superlizenz für die Formel 1 bekommt, muss da draufstehen – wie es auf jedem Ticket steht: Sie sind auf eigenes Risiko hier. Damit würde eine mögliche Klagenflut abgewendet.»

Daneben seien die charakterlichen Anforderungen, die früher an den Typ Rennfahrer gestellt wurden, nicht mehr notwendig. Die Fahrerpersönlichkeiten seien heute ganz andere, meinte Lauda. Und das meint er nicht nur positiv. «Jeder ist auf Facebook und Twitter und all den Dingen. Für mich geht das weg von den eigentlichen Menschen. Jeder kreiert etwas um seine Person herum. Heute postet ja jeder ein Bild, wenn er vom Strand zum Klo läuft. Das geht mir auf die Nerven.»

Doch natürlich gibt es auch in der heutigen Zeit die Typen, die die Fans faszinieren. Lauda: «Hamilton ist der beste Typ für die Formel 1 überhaupt, mit all seinen Followern und all dem, was er so treibt. Bei Verstappen ist das auch so, der fährt mit seinen 19 Jahren allen um die Ohren und eckt oft an. Alonso ist ein Typ. Oder Vettel – auf seine Art. Der motzt zwar andauernd, aber auch er ist ein guter Typ. Räikkönen, Bottas, die reden nicht, das sind doch auch Typen. Es begeistern mich viele.»

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