Pat Symonds zu Ferrari: Rächen sich Turbo-Probleme?

Von Rob La Salle
Formel 1
​Was bedeutet die besondere Lage der Mexiko-Rennstrecke? Wieso sind die Teams so müde? Wie wichtig ist die Unterstützung der Fans für einen Fahrer? Formel-1-Urgestein Pat Symonds gibt Antworten.
Pat, Mexiko-Stadt liegt 2240 Meter über Meer. Du warst viele Jahre lang Technikchef bei verschiedenen Rennställen. Sag uns bitte, wie sich das auf die Rennwagen auswirkt.

Die Höhe bedeutet, dass du weniger Luftdruck hast, daher sinken Abtrieb und Luftwiderstand. Da wir Turbomotoren einsetzen, bedeutet die Lage hier nicht unbedingt weniger Leistung, aber der Lader muss höher gedreht werden, um den Leistungsverlust zu kompensieren. Du musst anders gesagt mehr Luft komprimieren, um auf die gleiche Leistung zu kommen. Das geht aufs Material.

Sind davon alle gleich stark betroffen?

Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir herausfinden werden, ob sich die Probleme von Ferrari mit den Turboladern im ersten Saisonteil nun rächen. Die Italiener behaupten, sie hätten das im Griff. Sie sagen, die damaligen Schwierigkeiten seien behoben. Wenn das stimmt, dann werden wir es hier in Mexiko sehen.

Für die Fahrer ist Mexiko eine interessante Strecke. Ich finde, wir haben immer dann gute Rennen, wenn viel Leistung auf wenig Haftung trifft, und Mexiko ist genau das. Du hast immer noch die gleiche Power, weil der Lader höher dreht, aber die Autos bauen weniger Saugnapfwirkung auf. Das zeigt sich auf der Piste.

Für Nicht-Mexikaner ist die Meereshöhe körperlich spürbar. Kommt das zur üblichen Müdigkeit noch dazu?

Ja, auf alle Fälle. Zu diesem Zeitpunkt einer Saison siehst du im Fahrerlager viele müde Gesichter. Die Leute haben Malaysia und Japan in den Knochen, alles innerhalb von acht Tagen, dann ein paar Tage zuhause, bevor es auf die andere Seite des Globus ging. Austin und Mexiko sind wieder innerhalb von acht Tagen, klar schlaucht das. Die Faustregel gilt noch immer, dass der Körper pro Stunde Zeitumstellung einen Tag braucht, um sich anpassen zu können. Als die Leute also in Asien halbwegs angekommen waren, ging es auch schon in die ganz andere Richtung. Das geht an keinem spurlos vorbei.

Du warst schon in den 80er und 90er Jahren hier in Mexiko. Was hat sich seither verändert?

Bemerkenswerterweise ist die Piste fast die Gleiche geblieben. Ich habe schöne Erinnerungen an Mexiko, denn hier haben wir 1986 mit Benetton und Gerhard Berger erstmals gewinnen können. Was heute am meisten auffällt – die grandiose letzte Pistenpassage durch das Stadion. Gut, Puristen würden einwenden: Schade, haben wir die frühere Peraltada nicht mehr, diese überhohte Schlusskurve. Dafür aber haben wir Feststimmung im Stadion, eine ganz eigenwillige Passage. Was sich am meisten geändert hat? Wir haben mehr Verkehrschaos als früher in der Stadt und mehr Verschmutzung.

Die mexikanischen Fans sind unfassbar begeisterungsfähig und leidenschaftlich. Ist das für einen Piloten wie Sergio Pérez quasi wie ein Fussballheimspiel?

Absolut, und ich bin wirklich davon überzeugt, dass dies einen positiven Einfluss hat. Klar reden wir hier von Vollprofis, deren Job darin besteht, jedes Mal Leistung zu zeigen. Aber im Laufe der Jahre habe ich es immer wieder erlebt, wie ein Sportler vor dem Heimpublikum noch eine Extraportion Speed findet. Eigentlich müsstest du keinen Techniker dazu befragen, sondern einen Psychologen! Auf der anderen Seite: Manchmal sind auch wir Techniker für die Fahrer Psychologen. Ja, das Heimrennen macht auf alle Fälle etwas aus.

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