FP3 Brasilien: Bottas schneller als Lewis Hamilton!

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Im dritten Brasilien-Training hatte Valtteri Bottas die Nase vorn. Weltmeister Lewis Hamilton blieb jedoch nur drei Tausendstel langsamer als sein Mercedes-Stallgefährte. Auch Ferrari ist nicht weit weg.

Während die GP-Stars bei 19 Grad Aussen- und 27 Grad Streckentemperatur die letzte freie Trainingsstunde in Interlagos in Angriff nahmen, wurde im Fahrerlager vor allem über eines diskutiert: Die Pressemitteilung von Toro Rosso, in der das Team aus Faenza klarstellte, dass die Motorschäden der letzten Rennwochenenden nichts mit dessen Arbeit zu tun habe, wie etwa Renault-Sport-Oberhaupt Cyril Abiteboul angedeutet hatte.

So weit, so gut. Doch in der Mitteilung heisst es auch: «Wir dürfen nicht vergessen, dass sie (Renault, Anm.) gegen Toro Rosso in der Team-WM kämpfen. Wenn Herr Abiteboul meint, die Situation sei kein Zufall, dann liegt es jedenfalls nicht am Auto von STR.» Und das brachte die Renault-Verantwortlichen auf die Palme.

Und zwar so sehr, dass die Franzosen gerüchteweise sogar einen sofortigen Motor-Lieferstopp an Toro Rosso in Erwägung ziehen sollen. Dazu sei allerdings gesagt, dass Renault in diesem Falle der Verlust von Toro Rosso-Leihgabe Carlos Sainz drohen könnte. Schwer vorstellbar, dass die beteiligten Parteien die Angelegenheit derart hochkochen lassen.

Frühes Aus von Lance Stroll

Davon unbeeindruckt drehten die GP-Stars auf der Interlagos-Piste ihre Runde, die dank eines vorangegangenen leichten Regenschauers noch feuchte Stellen aufwies, als die letzte Trainingsstunde anbrach. Der erste Pilot auf der Piste war Renault-Pilot Carlos Sainz, dem Sauber-Fahrer Marcus Ericsson auf die Piste folgte.

Bald rückten eine Gruppe weiterer Piloten zu ihrer Installationsrunde aus, zu der auch Ferrari-Star Sebastian Vettel gehörte. Der Erste, der sich eine Rundenzeit notieren liess, war jedoch Fernando Alonso, der es mit 1:12,829 min aber gemütlich nahm. Sein Teamkollege Stoffel Vandoorne blieb bei seinem ersten Versuch dennoch sieben Zehntel langsamer, obwohl er wie sein Stallgefährte zunächst auf der mittelharten Reifenmischung ausrückte. Beide wechselten nach wenigen Runden auf die weichen Reifen.

Für Williams-Nachwuchspilot Lance Stroll war das Training früh gelaufen, denn der Kanadier musste seinen Renner in der sechsten Kurve am Streckenrand abstellen. «Irgendetwas mit dem Getriebe ist nicht in Ordnung, ich habe keine Power mehr», berichtete der Teenager über Boxenfunk, bevor er aus dem Cockpit kletterte. Ex-GP-Pilot und Sky Sports F1-Experte Paul di Resta rätselte angesichts der Wiederholung der TV-Aufnahmen von Strolls Ausfall: «Das könnte mit dem Motor zu tun haben, zumindest hört es sich so an.»

Bis der gestrandete Renner von der Piste geschafft worden war, wurde das Feld durch das virtuelle Safety-Car eingebremst. Nach zwei Minuten durften die Fahrer wieder Gas geben und Toro Rosso-Cockpit-Kandidat Brendon Hartley, der sich kurz vor der VSC-Phase mit 1:12,743 min die Spitzenposition gesichert hatte, musste sich bald geschlagen geben: Ferrari-Star Kimi Räikkönen setzte mit 1:09,928 min eine neue Bestmarke

Kimi Räikkönen schnell

Der Finne drückte die Spitzenzeit daraufhin auf 1:09,633 min und blieb damit auch vorne, als sein Teamkollege Vettel auf den superweichen Reifen Gas gab. Der Heppenheimer blieb 40 Tausendstel langsamer als sein Stallgefährte. Hamilton, der auf den weichen Reifen unterwegs war, fehlten nur 0,180 sec auf die Bestzeit, sein Teamkollege Valtteri Bottas war zu diesem Zeitpunkt als Viertschnellster schon vier Zehntel von Räikkönens Bestmarke entfernt.

Alonso komplettierte kurz vor Halbzeit die Top-5, Esteban Ocon, Felipe Massa, Sergio Pérez, Vandoorne, Ricciardo und Sainz gehörten auch zu den schnellsten Zehn, dahinter belegten Kevin Magnussen, Nico Hülkenberg, Pascal Wehrlein, Ericsson, Romain Grosjean, Hartley, Pierre Gasly, Max Verstappen und Stroll die weiteren Plätze. Der Mexiko-GP Sieger war aus gutem Grund auf dem zweitletzten Platz, er hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt auf das Drehen von drei Installationsrunden beschränkt, um seine Antriebseinheit zu schonen.

Kaum gab Verstappen wieder richtig Gas, schaffte er es auf Anhieb auf den sechsten Platz vor seinen Teamkollegen Ricciardo, der aus dem gleichen Grund wie der 20-Jährige darauf verzichtet hatte, in der ersten Trainingshälfte viele Runden zu drehen. Beachtlich: Verstappen war im Gegensatz zu seinem Teamkollegen auf gebrauchten weichen Reifen unterwegs, Ricciardo gab zu diesem Zeitpunkt auf den rot markierten Supersofts Gas.

Enger Spitzenkampf

In der Zwischenzeit hatte sich Bottas mit 1:09,569 min an die Spitze gesetzt. Der Finne wurde aber bald von seinem Teamkollegen Räikkönen durchgereicht, der es mit 1:09,399 min etwas schneller um die 4,309 km lange Piste schaffte. Doch auch er durfte sich nicht lange freuen, denn Vettel sorgte mit 1:09,339 min für eine neue Bestmarke, an die auch Hamilton nicht herankam.

Der Weltmeister reihte sich mit 1:09,353 min auf dem zweiten Platz vor Räikkönen ein, doch der Iceman wollte das nicht auf sich sitzen lasen und legte mit 1:09,326 min eine neue Bestzeit vor, die 13 Tausendstel schneller als die persönliche Bestzeit seines Teamkollegen war. Hamilton fehlten auch nur 27 Tausendstel auf die Spitze.

Der Mercedes-Star gab noch einmal Gas, musste sich aber mit einem Rückstand von drei Tausendsteln hinter seinem Teamkollegen einreihen, der mit 1:09,281 min erneut die Spitzenposition übernahm. Leader Bottas und Vettel, der auf den vierten Platz abgerutscht war, trennten gerade einmal 58 Tausendstel.

In den letzten Minuten sorgte Verstappen mit einem Dreher in der zwölften Kurve für Unterhaltung. Zuvor hatte sich der Red Bull Racing-Star über Boxenfunk über starkes Untersteuern beschwert. Die Wiederholung der TV-Aufnahmen zeigte, dass er am Kurvenausgang etwas zu optimistisch über die Randsteine gebrettert war, bevor er die Kontrolle über sein Heck verloren hatte. Sein Teamkollege Ricciardo verbesserte sich derweil auf den fünften Platz.

Am Ende durfte sich Bottas mit 1:09,281 min über die Bestzeit vor Hamilton, Räikkönen, Vettel (der nur 58 Tausendstel langsamer als Bottas blieb), Ricciardo, Alonso, Pérez, Ocon, Verstappen und Sainz freuen. Hinter den schnellsten Zehn komplettierten Vandoorne, Massa, Magnussen, Hülkenberg, Grosjean, Gasly, Hartley, Wehrlein, Ericsson und Stroll die Zeitenliste.

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