«Du darfst nie vergessen, wo du herkommst»

Von André Zengler
Formel 1
Sebastian Vettel: «Racing ist mein Job»

Sebastian Vettel: «Racing ist mein Job»

Sebastian Vettel im persönlichen, ungekürzten Interview über seinen Beruf, aber auch viele Dinge des täglichen Lebens.

Sebastian Vettel hat Angst vor Mäusen. Das und ähnlich Überraschendes über den Formel-1-Superstar in einem Interview mit zwei Schwierigkeitsgraden und Müsli-Begleitung.

Es fühlt sich an wie ein Frühstück daheim: Sebastian Vettel, kurze Hosen, knallrote Pumas, kecke Engelsfrisur, sitzt vor einer sehr ordentlichen Portion Müsli. Daneben nippt sein Trainer Tommi Pärmäkoski an frisch gepresstem Orangensaft. Sebastian umgibt eine Aura entspannten Selbstbewusstseins wie ein unsichtbarer Energieschild, in der Sekunde spürbar für den Besucher. Allerdings sind wir nicht daheim. Wir befinden uns im Frühstücksraum des 7-Sterne-Pan-Pacific-Hotels neben dem Flughafen von Kuala Lumpur. Sebastian Vettel ist zum Arbeiten hier.

Das Bild der Gladiatoren in ihren Helmen und feuerfesten Overalls will nicht so recht zu den zwanzigjährigen Jungen passen, die sie im zivilen Leben darstellen. Besonders auffällig ist dieser Gegensatz bei Sebastian Vettel. Noch immer kann man ihn sich leichter als kleinen Bruder vorstellen, den man vom Bahnhof abholt, denn als Megastar, der auf den Flughäfen der Welt wie ein Rockstar empfangen wird. Seine bisherige Karriere in der Formel 1 ist ebenso kurz wie eindrucksvoll: erstes Rennen mit neunzehn Jahren, gleich die ersten WM-Punkte, jüngster Fahrer, Weltrekord. Dann der Wechsel zu Toro Rosso, wo er prompt mit den großen Jungs die Klingen kreuzte und in China hinter zwei Ferrari und einem McLaren einen großartigen vierten Platz holte. In seiner ersten kompletten Saison der erste Sieg (auch das Altersrekord), sensationellerweise mit dem italienischen Team Toro Rosso in Monza. Dann Wechsel zu Red Bull Racing, um dort im nächsten Jahr den ersten Sieg in der Teamgeschichte zu sichern und bis zum vorletzten Rennen um die WM-Krone zu kämpfen. Bei Redaktionsschluss hatte er zwei Pole-Positions und einen Sieg zu Buche stehen; leicht hätte es noch mehr sein können.

Sebastian Vettel ist ein ganz spezielles Talent, wer würde das bezweifeln. Neben seiner Killer-Performance auf der Strecke – besonders im Regen oder bei veränderlichen, allgemeiner ausgedrückt: schwierigen Bedingungen – ist es diese pfiffige Welterfahrenheit, die den Zweiundzwanzigjährigen auszeichnet. Im fahlen Neonlicht der Formel 1 ist Vettel eine Discokugel, die von innen leuchtet. Er ist lustig. Unterhaltsam. Gibt seinen Autos Namen. Flucht. Lacht (wie unerhört!). Kokettiert bei der Pressekonferenz nach seinem Malaysia-Sieg damit, vom Siegeschampagner beduselt zu sein. Vettel ist auf der Strecke ebenso hart, wie er abseits locker ist. Mit diesem scheinbaren Widerspruch geht er ganz souverän um, zwei Seiten einer vielschichtigen Persönlichkeit. Für dieses Interview haben wir zwei Arten von Fragen vorbereitet: einen Stapel mit leichten, einen mit schwierigen. Sebastian hat freie Auswahl. «Gehen wir’s an», sagt er zwischen zwei Löffeln vom eindrucksvollen Müsliberg und greift sich die erste Karte.

 
Was würdest du heute tun, hättest du es nicht in die Formel 1 geschafft? (Leicht.)
 
Das ist keine leichte Frage! Ich weiß es wirklich nicht. Mein Abitur ist ja erst dreieinhalb Jahre her. Damals habe ich mich noch nach der richtigen Universität für mich umgesehen. Natürlich war mein Traum immer, Rennfahrer zu werden, aber ich hätte nie gesagt, okay, ich werde sowieso Rennfahrer, ich kann auf Schulbildung verzichten. Was ich studiert hätte? Wahrscheinlich Maschinenbau, irgendwas Handfestes, das man erklären kann.

Also weniger das Emotionale, Geisteswissenschaftliche …?
Ja, genau.

Wenn du also heute ein Amateur-Rennfahrer wärst, könntest du an deinen Autos selbst schrauben?
Natürlich, das habe ich auch im Kart gemacht, und ich habe es geliebt. Mein Vater und ich haben immer selbst geschraubt. Ein Mechaniker hätte während des Rennwochenendes nämlich 1500 Euro gekostet. Das Geld haben wir lieber in neue Reifen investiert und selbst repariert. Vater war sehr gut, aber halt auch keine fünfundzwanzig mehr, und ich musste meinen Teil beitragen, was auch voll okay war. Ein Fahrer muss immer wissen, was los ist und was kaputtgegangen ist, nicht bloss «Reifen» oder «Motor» oder «Auto». Mich hat immer interessiert, wie Dinge funktionieren. Ein komplettes Formel-1-Auto ist so kompliziert, das kann vermutlich kein einzelner Mensch im Fahrerlager in all seinen Details verstehen. Bei Red Bull Racing arbeiten viele Menschen, und jeder einzelne ist ein Spezialist in seinem Gebiet. Genau das macht es so interessant: Das Auto ist ein Unikat, einzigartig, unverkäuflich, alle Teile spielen zusammen und greifen ineinander, es ist ein Kunstwerk. Manchmal tut es weh, wenn man es auf der Rennstrecke hart rannehmen muss, weil man weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Aber andererseits ist genau das unser Job und das Auto genau dafür gebaut.

Vettel kämpft sich weiter tapfer durch seinen Müsliberg und schnappt sich die nächste Karte.

Bist du der schnellste Fahrer der F1? (Leicht.)
Schon wieder eine schwierige Frage. Natürlich will ich es sein, aber ich mag diese Art von Frage nicht. Es gibt so viele Experten da draussen, die sicher sehr traurig wären, wenn sie solche Fragen nicht mehr beantworten dürften. Also frag sie selber. Aber klar, natürlich will ich der Beste sein. Dafür bin ich in der Formel 1. Bloss dabei zu sein war noch nie mein Ansatz.

Der meiste Spaß, den man mit angezogener Hose haben kann? (Leicht.)
Man könnte ja auch nackt Fahrrad fahren, oder? Das ginge. Jeder hat so seine Vorlieben. Ich bin sehr gern aktiv. Natürlich brauche auch ich meine Ruhephasen, selbst wenn ich mich dazu manchmal förmlich zwingen muss. Generell bin ich nicht der Typ, den du eine Woche lang auf einer einsamen Insel in die Sonne legst. Das ist eher ein Schreckensszenario für mich. Ich probiere gern neue Dinge aus, neue Sportarten, am liebsten mit Freunden, dann ein schönes Abendessen und den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Stimmt es, dass du die Tour de France im Fernsehen verfolgst, während du am Ergometer trainierst? (Leicht.)
Woher wisst ihr das schon wieder? Stimmt. Manchmal ist es besser, indoor zu trainieren, weil man die Belastung präziser steuern kann. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit dreizehn einen kleinen Fernseher in meinem Zimmer hatte, den Ergometer davor, und wenn ich nach der Schule nach Hause gekommen bin, habe ich die letzten zwei Stunden der Tour de France so verfolgt.

Was ist Angst? (Schwierig.)
Lange Pause. Jetzt muss er erstmals nachdenken.
Ganz schwierige Frage. Auf der einen Seite gibt es die Angst vor bestimmten Tieren, in meinem Fall vor Mäusen …

… das ist jetzt ein Witz, oder?!

Nein, echt. Ich fürchte mich wirklich vor den Viechern. Aber echte Angst … ich habe keine Angst vor dem Auto und davor, damit wirklich schnell zu fahren. Selbst wenn du abfliegst, kannst du das in der Regel erklären: Etwas am Auto ist gebrochen, du hast einen Fehler gemacht, aber das ist nicht Angst, das ist eher «Shit!», weil du weißt, was jetzt kommt. Davor fürchtest du dich mehr. Angst ist … sagen wir so: Du hast bestimmte Erwartungen, und dann versagst du. Oder es stößt dir etwas Schreckliches zu, du verlierst einen Menschen, das beschreibt mein Angstgefühl eher. Es ist mehr so ein emotionales Ding. Kannst du ungefähr verstehen, wie ich das meine?

Schon. – Warum taufst du deine Autos? (Leicht.)
Hat sich vor ein paar Jahren einfach so ergeben. Dieses Jahr heißt sie «Luscious Liz», letztes Jahr hatte ich «Kate» und «Kate’s Dirty Sister», im Jahr davor bei Toro Rosso war es «Julia».


Beziehen sich die Namen auf Damen, die du … hmm … persönlich kennst?
Er lacht, weil er ahnt, wohin die Reise gehen soll.
Nein, nein. Du meinst den Spaß mit ohne Hose? Nun, ich kann den Prozess der Namensfindung schon erklären. Zuallererst: Es muss ein schöner Name sein. Einer, hinter dem sich eine schöne Lady verbergen kann, die aber auch ihre, hmm … wilden Seiten hat. Was zum Beispiel nicht funktionieren würde, wäre ein Name wie … ahm, jetzt muss ich vorsichtig sein … ein Name wie …

… Daisy?
Und dann gibt es da draußen womöglich eine ganz tolle Daisy, die das liest und sich von mir auf den Schlips getreten fühlt. Das will ich nicht. Ist ja alles nicht so wichtig. Die Namen sind hauptsächlich Ausdruck dessen, dass ich die Arbeit all der Menschen am Auto, das, was sie für mich schaffen, zu schätzen weiß.

Verlierst du deinen Humor? (Schwierig.)
Wie kommst du darauf?

Der Druck ist gestiegen. Du bist nicht mehr der jüngste Fahrer in der F1, sondern ein ganz ernsthafter Titelaspirant.
Schon, aber das zeigt doch nur, dass die Erwartungen gestiegen sind, weil wir in den letzten Jahren einen guten Job abgeliefert haben. Das ist doch ein Kompliment. Das Wichtigste ist, dass man nie vergisst, warum man hier ist. Ich bin sehr glücklich und stolz, es bis in die Formel 1 geschafft zu haben. Letzten Dezember habe ich ein Kartrennen besucht. Die Jungs und auch Mädels haben mich nicht als einen der Ihren angesehen, einfach als einen Menschen, gegen den man Rennen fährt. Für die war ich etwas anderes, ein Formel-1-Fahrer. Das hat sich für mich ziemlich seltsam angefühlt. Ich war nicht so viel älter als die Kids. Es zeigt aber, wie sie deine Position sehen. Für sie habe ich es geschafft, ich bin an der Spitze ihrer Pyramide angelangt. Natürlich schleicht sich mit den Jahren Routine ein, du fährst an die Rennstrecke wie andere ins Büro. Racing ist mein Job, da denkst du nicht «Boah, geil, Formel 1!», wenn du in deine Quali-Runde gehst. Trotzdem: Du darfst nie die Freude verlieren und vor allem nie vergessen, woher du kommst, ganz egal, was du machst. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich habe meinen Humor nicht verloren und habe auch nicht vor, das jemals zu tun.

Was hat dich im letzten Jahr den WM-Titel gekostet? Hast du es verbockt? (Schwierig.)
Diese Frage produziert ein tiefes Stirnrunzeln im bislang so offen-freundlichen Gesicht.
Wenn man sich das letzte Jahr ansieht, hatten wir eine sehr, sehr gute Saison, die ganz anders begonnen hat als die diesjährige. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, Rennen zu gewinnen und Weltmeister zu werden, aber das hängt natürlich immer vom eigenen Auto und der Konkurrenz ab. Wir waren sehr stark im Vorjahr. Hat uns ein einziges Ding den Titel gekostet? Am ehesten wohl die Sache mit dem Doppel-Diffusor, die einem anderen Team (Brawn, Anm.) einen großen Startvorteil gebracht hat, bevor die anderen darauf reagieren konnten. Auf der Strecke selber haben wir immer einen vernünftigen Job abgeliefert. Ja, wir haben Fehler gemacht, ja, wir hatten Defekte. Realistisch betrachtet: Menschliche Fehler sind normal, du wirst die niemals völlig ausschließen können. Darum haben wir es auch nicht verbockt. Die Fehler waren wichtig, weil wir aus ihnen gelernt haben. Und das Wichtigste für dieses Jahr war, dass wir im Vorjahr fünfmal nicht ins Ziel gekommen sind, weil wir heute die Gründe dafür verstehen.

Wer ist Gerhard Noack? (Leicht.)
Er ist ein Mann, der sich als junger Mensch ein Kart gekauft hat und damit fahren wollte. Ohne jetzt respektlos sein zu wollen: Er war kein Kapazunder hinter dem Lenkrad. Das hat er erkannt. Und er hat gemerkt, dass dieser Junge namens Michael Schumacher viel schneller war, allerdings nicht genug Geld für eine erfolgreiche Karriere hatte. So beschloss er, ihm zu helfen. Von den ganz frühen Jahren bis zum etwa 15. oder 16. Lebensjahr half ihm Gerhard sehr: Er reiste mit Michael, arbeitete als sein Mechaniker, suchte Sponsoren, er war eine echte Vaterfigur, weil er immer für ihn da war. Als Michael vom Kart in den Formelsport aufstieg, wurde seine Rolle kleiner, aber er war immer noch da. Außerdem hatte er eine eigene Kartbahn in Kerpen, die es übrigens noch immer gibt. Zufällig sind wir in einem frühen Stadium meiner Karriere ein Rennen in Kerpen gefahren. Er hat uns gesehen, beschloss zu helfen, und ab da sind wir für sein Team gefahren.

Unser Budget damals belief sich auf schlappe 5000 Euro, seine Hilfe war also höchst willkommen. Er begleitete uns durch die Jahre, bis schließlich unser Weg den von Red Bull kreuzte. Gerhard hat uns wirklich enorm geholfen. Viele Menschen versprechen Hilfe, aber wenn es um tatsächliches Geld geht, werden sie plötzlich ganz still. Als ich sieben, acht Jahre alt war, konnten wir uns mein Rennfahren leisten, mehr nicht. Für Kindereien wie Teamwear gab es kein Budget. Dann kam Gerhard, und als eins seiner ersten Geschenke – ich kann mich erinnern, als ob es gestern gewesen wäre – bekam ich ein originales Tony-Kart-Team-Shirt. Das war so cool! Er war nicht geizig, im Gegenteil. Nimm dies, nimm das, ein sehr großzügiger Mensch und eine bestimmende Figur in meinem Leben. Er hat einerseits den kleinen Jungen mit kleinen Geschenken motiviert, andererseits hat er sich ganz seriös um die Finanzierung meiner Karriere gekümmert, und vor allem hat er uns geholfen, Red Bull zu finden, was, im Nachhinein betrachtet, der entscheidende Faktor für alles Weitere war.

Was haben die langen Haare zu bedeuten? (Leicht.)
Dass mein Friseur gestorben ist. Nein! Früher habe ich mir jeweils vor Saisonstart die Haare schneiden lassen, aber diesmal habe ich den Winterpelz einfach nicht abnehmen lassen, nur ein wenig getrimmt.

Du hasst es, zu verlieren. Stimmt’s? (Schwierig.)
Leicht. Natürlich! Nächste Frage.

Streitest du jemals mit Christian Horner oder Helmut Marko (den zwei bestimmenden Figuren bei Red Bull Racing, Anm.)? (Schwierig.)
Kommt darauf an. Wenn ich einen völlig anderen Standpunkt habe, werde ich den schon mit Nachdruck vertreten, wie das selbstverständlich auch Christian oder Helmut tun. Der Ton bleibt dabei aber stets amikal und höflich. Um ehrlich zu sein: Ich komme mit beiden prima aus. Darum würde ich auch nicht sagen, dass wir streiten. Ich würde es eher Diskussionen nennen. Ich kann mich jedoch an kein einziges lautes Wort erinnern.

Hast du zu früh zu viel Sex bekommen? (Schwierig.)

Vettel hat die Frage laut vorgelesen und das Wort „Sex“ absichtlich reingeschummelt.
Ist es das, was du meinst? Ah, okay. «Hast du zu früh zu viel bekommen?» Nein. Für jeden, der gewinnen will, ist Erfolg eine Droge. Du willst mehr und mehr, je schneller, desto besser. Ich kann jetzt nur für mich und meinen Weg an die Spitze – oder wie auch immer du das nennen willst – sprechen, aber es ist doch ständig bergauf und bergab gegangen, auf Höhen sind Tiefen gefolgt und umgekehrt. Phasenweise ist es gelaufen wie geschmiert, dann hat es sich gespießt: Keine Resultate, Fehler von mir, kein Budget, das hat es alles gegeben. Vielleicht hat meine Karriere von außen rosig und geschmeidig ausgesehen, immer fröhlich, immer erfolgreich, keine Probleme, aber hinter den Kulissen hat es manchmal ganz, ganz anders ausgesehen. Ich erinnere mich an den Tag, als mein Vater zu Saisonbeginn einen Anruf bekam: «Wir haben kein Budget.» Wir dachten: Das war’s, wir können zusammenpacken.

Dann hat sich doch eine Lücke aufgetan, wir konnten die ersten Rennen fahren, die Resultate waren gut, eins fügte sich ins andere, und wir konnten die komplette Saison bestreiten. Es war wirklich nicht leicht. Andererseits: Es ist wichtig, solche Phasen zu durchlaufen, weil sie dich stark machen. Zu früh zu viel? Das glaube ich nicht. Ja, ich habe große Schritte gemacht. Ja, ich war immer bei den Jüngsten. Ich habe mich dabei aber immer alt genug gefühlt und war stets bereit, noch dazuzulernen. Ich bin nie davon ausgegangen, ganz oben zu starten. Ich habe aber sehr wohl erwartet, dass wir, ich, das ganze Team, nach einer gewissen Zeit ganz oben stehen. Wenn wir das nicht geschafft haben, musste irgendwo ein Fehler sein. Unser Ziel konnte also nur sein, diesen Fehler zu finden, ihn zu korrigieren und die Situation zu unseren Gunsten zu drehen.

Solltest du dieses Jahr Weltmeister werden, wärst du jüngster Champion der Formel-1-Geschichte.
Unbeeindruckt.
Ja, um ein paar Tage oder so (der Rekordhalter ist momentan Lewis Hamilton, der 2008 den Titel mit 22 Jahren und 301 Tagen errang, Anm.). Ob ich damit der jüngste oder älteste Weltmeister der Geschichte wäre, ist mir völlig wurscht. Was zählt, ist der Weltmeistertitel. Der bedeutet mir was. Falsch: Der würde mir richtig viel bedeuten. Wenn ich dabei auch noch der Jüngste wäre – fein, aber eigentlich ist es das Letzte, was mich kümmert.

Ist das die hartnäckigste Schale Müsli, die du je bekämpfen musstest?
Ja, mit ziemlicher Sicherheit. Schmeckt eigentlich auch nicht mehr sonderlich gut. – Wie weiter?

Du bist eigentlich gar kein Piefke, stimmt’s? (Leicht.)
In meinem Pass steht, dass ich Deutscher bin, also bin ich wohl einer. Ich habe kein Problem damit, und schon gar kein Problem habe ich damit, wenn Leute Witze über meine Herkunft machen. Meistens haben sie ja recht. Bloss das Vorurteil, wir Deutschen hätten keinen Humor, ist unfair. Ich bin sicher, dass es in jedem Land der Welt mehr oder weniger witzige Menschen gibt und sich die Verteilung nicht großartig unterscheidet. Über manche Vorurteile gegenüber Deutschen kann ich sogar herzlich lachen. Ich bin zum Beispiel sicher, dass viele Engländer glauben, in Deutschland würden alle Menschen noch mit Vokuhila-Frisuren rumrennen. Im Vertrauen gesagt: Die Haarmode in Deutschland unterscheidet sich von jener in Großbritannien nicht großartig. Okay, es gibt ein paar ausgefallene Exemplare bei uns, aber die wird man anderswo wohl auch finden. Würde jedes Land völlig gleich ticken, wäre das auch wieder fad. Wie sollte man einander denn dann verarschen?

Das Interview ist fast vorbei; Sebastian sollte sich eigentlich langsam auf die Socken für seinen Track Walk machen. Er scheint aber Spaß an unserem Gespräch zu haben. Außerdem ist der Müsliberg in seiner Schale noch immer nicht besiegt. Also schießen wir nach.

Do you ever pig out …? (Leicht.)
Was heisst das genau?

Sich mit Junkfood anfüllen, Burger, Chips, Bier.
Ah, okay! Ja, manchmal.
Trainer Tommi schaut Sebastian demonstrativ streng in die Augen.
Also … ich meine … nicht oft. Und nichts Schlimmes, Fastfood ist ja nicht gut für dich. Ein oder zwei Mal im Jahr bringen dich nicht um, aber wenn du einmal wöchentlich so Zeug in dich reinstopfst, hast du ein Problem. Nach einer lustigen Nacht mit Freunden kann es schon vorkommen, dass es später wird und wir in ein Fastfood-Restaurant einfallen, das noch offen hat. Das ist ja auch der Sinn dieser Lokalitäten: dass Menschen dort spät in der Nacht einfallen und sich zu viel zu fettiges, zu salziges Essen kaufen. Ich sehe das entspannt. Solang du es nicht zur Gewohnheit werden lässt, wird es dich nicht umbringen.

Vettel erblickt erstmals den Boden seiner Müslischale und stochert mit seinem Löffel zusehends lustlos in den Überbleibseln.

Soll ich dir was sagen? Das ist definitiv das schlechteste Müsli, das ich je gegessen habe. Es schmeckt fürchterlich. Außerdem ist das weder Müsli noch Milch, das ist beides. Müslimatsch. – Was haben wir noch?

Hast du Schwächen? (Schwierig.)
Ich rede nicht so gern über mich, über Stärken oder Schwächen. Natürlich habe ich Schwächen. Ich bin da nicht besonders stolz drauf. Ich kann ein unglaublich sturer Bock sein. Und ungeduldig: im Straßenverkehr etwa, wenn die vor mir einen Schmarrn zusammenfahren. Da kann ich richtiggehend ausrasten! Auf der Strecke neige ich auch zur Ungeduld, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht so viel Erfahrung habe wie andere Fahrer. Es gibt auch andere Schwächen, aber da ist es wohl zielführender, andere Menschen zu fragen, die das besser beurteilen können. Okay, letzte Frage.

Erzähl uns einen Witz. (Leicht.)

Da würde nichts dabei rauskommen. Oder es wäre etwas ohne Hose. Die Frage nach dem Witz kommt in vielen Interviews: «Du bist doch ein lustiger Kerl, komm, erzähl einen Witz.» Ich finde Witze schon super, aber ich bin keiner, der auf Befehl Possen reißt. Guter Humor entsteht mehr aus der Situation heraus, jemand macht oder sagt etwas Lustiges oder landet einfach eine gute Meldung. Man lebt nur einmal, drum ist es wichtig, zu lachen, wann immer man kann.
 
 
Quelle: Red Bulletin

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