Lewis Hamilton: Verblüffendes Erlebnis im Silberpfeil

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton im Mercedes-Benz

Lewis Hamilton im Mercedes-Benz

​Weltmeister Lewis Hamilton sagt, was im Erfahrungsschatz vor Abschluss der Wintertests noch fehlt, wieso die Ergebnisse in Barcelona mit Vorsicht zu geniessen sind und was ihn am neuen Silberpfeil verblüfft.

Die Konkurrenz sollte gewarnt sein: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton sitzt in seiner Medienrunde wie ein Mann, der im Grand-Prix-Sport noch nichts gewonnen hat. Er wirkt hellwach, körperlich stark, ausgeruht, für die Saison bereit, hungrig. «Ich fühle mich stärker denn je», bestätigt der Mercedes-Star. «Ich weiss, dass ich körperlich in bester Verfassung bin, selbst wenn das Trainieren mit den Jahren nicht einfacher wird. Und ich bin wirklich heiss auf die Saison. Vielleicht liegt das auch daran, dass bei uns immer alles auf null zurückgestellt wird. Wenn wir in Australien antreten, dann sind meine Siege und Titel nichts wert, alles fängt wieder von vorne an. Ich finde das erfrischend.»

«Ich bin mit unserer Arbeit hier wirklich zufrieden. Wir haben uns ein enormes Aufgabenpaket vorgenommen, aber wir sind auf gutem Weg. Die Standfestigkeit ist eindrucksvoll, das Auto fühlt sich grossartig an. Der Eindruck ist – wir haben einige Schwachstellen von 2017 kurieren können.»

Teamchef Toto Wolff hat in diesem Zusammenhang immer wieder von einer Diva gesprochen. Hamilton grinst: «Wie kann er das sagen, er hat sie doch gar nie so gut kennengelernt wie ich! Nein, ich könnte wirklich nicht sagen, dass ich beim neuen Wagen etwas von einer Diva erkenne, und ich würde mich auch nicht trauen, das zu sagen, schliesslich kennen wir uns noch nicht so lange.»

«In die Ergebnisse von Barcelona sollten wir nicht zu viel hineinlesen. Wir haben hier einen neuen Belag erhalten, wir werden in Australien komplett andere Verhältnisse haben. Was ich aber sagen kann: Wir arbeiten hervorragend, ich behaupte, wir sind das beste Team in der Boxengasse, und die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung.»

«Was die Konkurrenz angeht, so fällt mir immer jenes Jahr ein, als wir in den ersten sechs Rennen sechs verschiedene Sieger hatten. Das fand ich genial! Ich liebe Wettbewerb, je mehr, desto besser. Red Bull Racing könnte ein fabelhafter Herausforderer werden, und jeder weiss, wie stark Ferrari ist, das finde ich alles prima.»

Ein Kollege will wissen, ob Hamilton seinen Rivalen Sebastian Vettel, möglicherweise erneut Hauptgegner um den Titel, nun komplett durchschaue, um vielleicht mit ihm mental zu spielen. «Ich spiele mit niemandem», erwidert der 62fache GP-Sieger. «Wenn ich auf die Bahn gehe, dann habe ich nicht den Gedanken, mit jemandem spielen zu wollen. Ich denke nicht an die Stärken und Schwächen meiner Widersacher. Ich vertraue darauf, dass ich – wenn ich in Bestform bin – jeden da draussen bezwingen kann. Ich kann das erste Rennen nicht erwarten, um herauszufinden, was in diesem Jahr wirklich Sache ist.»

Klar wird Lewis auf die neue Testbestzeit von Sebastian Vettel angesprochen. Hamilton bleibt völlig ungerührt. «Ich habe nicht mal geschaut, wer Schnellster ist. Wie schnell ist er gefahren? 17.1? Das ist doch irrelevant. Es gab heute einen Zeitpunkt, da war ich Elfter. Das sind Testfahrten, es spielt wirklich keine Rolle. Was für mich wichtig ist – wo wir nach dem Abschlusstraining von Melbourne stehen.»

Auf die Frage, ob er an seinem Silberpfeil etwas ändern wolle, lacht Hamilton: «Du meinst abgesehen vom Halo? Nein, ich habe eigentlich keine besonderen Wünsche. Wir hauen hier Runden um Runden raus, ich arbeite nicht mal richtig an der Abstimmung. Heute hatte ich viel mit verschiedenen Reifen zu tun. Ich fahre, komme an die Box zurück, dann checke ich meine E-Mails. Wenn das Team sagt, ich solle wieder auf die Bahn gehen, gebe ich das Handy zurück und mache wieder meinen Job. Aufregend ist das nicht. Morgen ist das anders: Da will ich eine Rennsimulation fahren, das ist Wettbewerb, das nehme ich ernst.»

«Während es kein Geheimnis ist, dass ich die Testarbeit jetzt nicht so spannend finde, habe ich am Abend ein tiefes Gefühl der Befriedigung. Es fühlt sich einfach gut an, das ganze Programm durchgearbeitet und zusammen mit dem Team wieder einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Und auch nach all den Jahren ist das reine Fahren noch immer ein berauschendes Gefühl. Wenn du aus der Boxengasse fährst und dem Wagen die Sporen gibst, wenn du durch Kurve 3 bretterst, Mann! Ich wünschte, ihr könntet dieses Gefühl empfinden! Das ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Es gibt immer wieder Momente tiefer Dankbarkeit. Mir ist stets bewusst, in welch privilegierter Position ich bin. Ich bin einer von nur 20 Menschen auf der Welt, die Formel-1-Grands Prix fahren können. Auf der ganzen Welt! Ich spüre auch Demut, wenn ich sehe, dass Fans anreisen, um mich hier testen zu sehen. Ich empfinde das als überaus inspirierend. Alleine schon für sich fühle ich die Verpflichtung, als Rennfahrer alles zu geben.»

Wie schnell ist die Formel 1 anno 2018? Lewis meint: «Meine Leute haben mir gesagt, allein der neue Asphalt mache zwei Sekunden aus. Vom Auto her würde ich sagen: mindestens eine zusätzliche Sekunde. Hier in Spanien also müssen wir drei Sekunden pro Runde gewinnen. Ich kann die lange Rechtskurve 3 voll fahren, und ich kann auch Kurve 9 voll fahren, was ich in zehn Jahren Formel 1 hier nie getan habe. Du spürst, dass dieses Autos noch mehr Abtrieb aufbauen als die Fahrzeuge von 2017. Auf den anderen Rennstrecken würde ich schätzen, dass wir um eine bis zwei Sekunden pro Runde schneller werden.»

Auch der frühere Formel-1-Fahrer Alexander Wurz ist überzeugt, dass Mercedes bislang nicht gezeigt hat, wie scharf der Silberpfeil wirklich ist. Lewis Hamilton meint: «Wo wir gemessen an der Konkurrenz stehen, weiss ich selber nicht. Ich kann nur sagen – dieses Auto ist ein Fortschritt gemessen am Vorjahresmodell. Der Wagen fühlt sich hervorragend an, und obschon wir in Sachen Abstimmung noch gar nicht viel gemacht haben, erkenne ich gewisse Schwächen des alten Fahrzeugs im neuen nicht. Ich fühle mich stark.»

Wir kommen auf die perfekte Runde zu sprechen. Lewis Hamilton verblüfft mit der Aussage: «Ich habe noch nie eine perfekte Runde gefahren. Und ich habe seeeeeehr viele Runden gefahren in der Formel 1. An einem Testtag fährst du sowieso nicht volle Kanne. Du fährst so schnell, wie du für dein Programm musst. Und was die Qualifyings angeht, so würde ich nie sagen, ich hatte eine perfekte Runde. Für mich gibt es immer Raum für Verbesserungen. Du schaust dir die Daten an und denkst – hier hätte ich ein wenig früher von der Bremse gehen können, dann hätte ich mehr Schwung in die Kurve genommen und wäre schneller rausgekommen. Es gibt immer Details, die du verbessern könntest. Vielleicht reizt mich der Sport auch deshalb so, vom Wettkampf mit anderen Fahrern mal abgesehen. Weil du nie stillstehst. Weil du immer noch zulegen kannst. Ich glaube nicht, dass es die perfekte Runde gibt. Aber ich kann immer versuchen, der Perfektion so nahe als möglich zu kommen.»

Barcelona-Test, Tag 7 (Donnerstag)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:17,182 (187) Hyperweich
2. Kevin Magnussen (DK) Haas VF-18-Ferrari, 1:18,360 (152) Superweich
3. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda, 1:18,363 (169) Hyperweich
4. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:18,675 (79) Hyperweich
5. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:18,725 (69) Hyperweich
6. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault, 1:18,855 (150) Hyperweich
7. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:19,244 (148) Hyperweich
8. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,296 (84) Mittelhart
9. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,532 (97) Mittelhart
8. Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes, 1:19,629 (73) Superweich
9. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM11-Mercedes, 1:19,634 (158) Hyperweich
10. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:19,842 (187) Weich
13. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:20,262 (66), Ultraweich

Barcelona-Test, Tag 6 (Mittwoch)

1. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:18,047 (165) Hyperweich
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:18,400 (90) ultraweich
3. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:18,560 (85) ultraweich
4. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:19,541 (66) Weich
5. Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda, 1:19,823 (119) Hyperweich
6. Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault, 1:19,856 (57) Hyperweich
7. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:20,042 (88) Mittelhart
8. Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari, 1:20,237 (78) Weich
9. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H, 1:20,242 (49) Superweich
10. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:20,349 (63) Weich
11. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:20,758 (102) Superweich
12. Esteban Ocon (F), Force India VJM11-Mercedes, 1:20,805 (130) Weich
13. Charles Leclerc (MC), Sauber C37-Ferrari, 1:20,918 (160) Superweich
14. Sergey Sirotkin (RUS), Williams FW41-Mercedes, 1:22,350 (80) Weich

Barcelona-Test, Tag 5 (Dienstag)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:20,396 (170) Mittelhart
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:20,596 (86) Weich
3. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,649 (129) Mittelhart
4. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:20,808 (90) Weich
5. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda, 1:20,973 (54) Weich
6. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-18-Ferrari, 1:21,298 (95) Weich
7. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:21,432 (48) Mittelhart
8. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:21,455 (91) Weich
9. Sergey Sirotkin (RUS), Williams FW41-Mercedes, 1:21,588 (42) Weich
10. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM11-Mercedes, 1:21,643 (93) Weich
11. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:21,706 (120) Superweich
12. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault, 1:21,946 (38) Superweich
13. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:22,937 (85) Hyperweich

Barcelona-Test, kombinierte Zeitenliste (1. Woche)

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,333 (Do) Mittelhart
2. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:19,673 (Di) Weich
3. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault, 1:19,854 (Do) Hyperweich
4. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,976 (Di) Mittelhart
5. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,179 (Mo) Mittelhart
6. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-18-Ferrari, 1:20,317 (Do) Superweich
7. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,326 (Di) Mittelhart
8. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H, 1:20,506 (Mo) Weich
9. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:20,547 (Mo) Weich
10. Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault, 1:20,929 (Do) Superweich
11. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:20,940 (Do) Mittelhart
12. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:21,142 (Do) Weich
13. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda, 1:21,318 (Di) Weich
14. Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes, 1:21,495 (Di) Weich
15. Sergey Sirotkin (RUS), Williams FW41-Mercedes, 1:21,822 (Di) Weich
16. Esteban Ocon (F), Force India VJM11-Mercedes, 1:21,841 (Di) Weich
17. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM11-Mercedes, 1:21,973 (Do) Weich
18, Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda, 1:22,371 (Mo) Weich
19. Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,578 (Mo) Weich
20. Charles Leclerc (MC), Sauber C37-Ferrari, 1:22,721 (Di) Weich
21. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:23,408 (Mo) Weich
22. Nikita Mazepin (RU), Force India VJM11-Mercedes, 1:25,628 (Mo) Mittelhart

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