Wind-Jammer beim Baku-GP: Alles faule Ausreden?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel 2017 in Baku

Sebastian Vettel 2017 in Baku

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Am Baku-GP-Wochenende wird Wind ein Thema sein, wie bei Rennen in Silverstone, Austin oder Bahrain. Alles nur faule Ausreden?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Werner-Paul Frey aus Birmensdorf wissen: «Ihr habt schon ein paar Mal berichtet, dass es in Baku immer tüchtig windet. Ich habe das auch bei Grands Prix in Silvestone, Austin und Bahrain gelesen und möchte einmal wissen: Wird da nur gejammert oder ist Wind wirklich ein so erheblicher Faktor?»

Generell sind einige Strecken berüchtigt für Wind, der teilweise in Böen kommt und schnell die Richtung wechseln kann. Bahrain ist so eine Strecke, Silverstone ebenfalls, dazu Barcelona, Austin und eben auch Baku. Baku ist dabei ein Sonderfall, weil ein Teil der Bahn nicht in offenem Gelände liegt und damit windgeschützt ist. Aus eigener Erfahrung darf ich sagen: Ja, es kann ziemlich unangenehm windig sein in der aserbaidschanischen Hauptstadt, die an der kaspischen See liegt.

Ein Formel-1-Renner bewegt sich um verschiedene Achsen: In der Querachse sprechen wir vom Nickwinkel (pitch angle), wenn der Wagen beispielsweise beim Bremsen vorne einnickt. Dazu haben wir den Rollwinkel (roll angle), die Drehbewegung um die Längsachse, der spielt bei der Kurvenfahrt eine Rolle (Stichwort Seitenneigung). Und schliesslich den Gierwinkel (yaw angle), der für Bewegungen um die Hochachse steht.

Der frühere Jordan-Technikchef Gary Anderson sagt: «Bei den extrem empfindlichen Frontflügeln der Formel 1 gilt – je näher am Boden, desto mehr Abtrieb kann aufgebaut werden. Allerdings wird der Abtrieb dann auch anfälliger auf Nickbewegungen des Fahrzeugs, also wenn sich beim Verzögern und Beschleunigen der Abstand zwischen Flügel und Boden verändert.»

Der Frontflügel ist das beste Beispiel für die Einsicht der Aerodynamiker: Konstanter Abtrieb ist nur dann möglich, wenn sich der Wagen so wenig als möglich bewegt. Wind ist dabei ein natürlicher Feind.

Nick Chester, Chassis-Chef von Renault: «Wind macht einen sehr grossen Unterschied, weil die Autos auch auf Veränderungen des Gierwinkels sehr sensibel reagieren. Wind kann die Strömung um den Wagen so beeinflussen, dass der übliche Fluss unterbrochen wird und Abtrieb nachlässt oder gar abreisst. Auf windigen Strecken korrigieren wir die Abstimmung ständig nach.»

Nico Rosberg hat einmal nach einem Training in Silverstone gesagt: «Du verlierst in den Kurven teilweise komplett den Grip, weil die Aerodynamik durcheinandergebracht wird. Es ist auch jede Kurve anders. In einigen Kurven kann ich bei Gegenwind auf einmal um 20 Meter später bremsen und habe Mega-Abtrieb, am Ausgang kommt der Wind von hinten, da geht nix mehr, weil der Wagen nur noch herumrutscht. Das ist alles wirklich knifflig.»

Ausgerechnet im WM-Duell 2015 mit Lewis Hamilton wurde Nico in Austin von einer Bö ausgehebelt und musste den Briten durchschlüpfen lassen.

Die Fahrer haben mit unterschiedlicher Intensität von Wind zu kämpfen, gegen die keiner gefeit ist. Aber Veränderungen der Windrichtung sind so wichtig, dass die Piloten vor einem Training oder Rennen oft von ihren Renningenieuren darauf hingewiesen werden, in welchen Passagen der Wind aus welcher Richtung bläst.

Red Bull Racing-Pilot Daniel Ricciardo: «Klar lässt sich einwenden, die Verhältnisse seien für alle gleich. Aber Fakt ist, dass eben nicht alle Autos auf Wind gleich sensibel reagieren. Wir haben in der Regel Autos, die aerodynamisch sehr hochgestochen sind, also sind sie eher anfällig für Wind.»

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