Sebastian Vettel (Ferrari) zu Barcelona: Alles anders

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel beim Wintertest in Barcelona auf neuem Asphalt

Sebastian Vettel beim Wintertest in Barcelona auf neuem Asphalt

​​Der Spanien-GP auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya ist die erste Standortbestimmung auf europäischem Boden. Die Piste bleibt für die Fahrer ein echter Gradmesser. Aber 2018 ist alles ein wenig anders.

Die Formel 1 erfindet sich ständig neu, doch einige Faustregeln behalten ihre Gültigkeit. Etwa jene, wonach die Pistencharakteristik des Circuit de Barcelona-Catalunya ausserhalb der spanischen Weltstadt gnadenlos Schwächen eines GP-Renners aufdeckt. Für zahlreiche Teams wird der kommende Grosse Preis von Spanien zum Rennen der Wahrheit. Denn hier wird sich weisen, was die ganzen Verbesserungen auf der Stoppuhr wert sind.

Ferrari-Star Sebastian Vettel hat mehrfach festgehalten: «Barcelona ist ein sehr guter Gradmesser, um zu zeigen, wo wir wirklich stehen. Es ist ganz wichtig, dass du alle Details auf die Reihe bekommst, denn durch die ganzen Testfahrten kennen wir auf dieser Bahn fast jeden Stein, seit vielen Jahren. Nur wenn alle Puzzleteilchen am richtigen Ort liegen, hast du Chancen auf ein gutes Ergebnis.»

Der vierfache Formel-1-Weltmeister Vettel sagt weiter: «Du hast in Spanien alle erdenklichen Formen von Kurven, deshalb ist die Piste für Testfahrten so geeignet – Hochgeschwindigkeitsbögen, langsame Ecken, schnelle Richtungswechsel, eine Schikane. Du brauchst gute Traktion aus den Ecken heraus, das geht auf die Hinterreifen, aber noch mehr werden die Vorderreifen belastet, vor allem der Reifen links vorne. Es ist noch wichtiger als sonst, behutsam mit den Walzen umzugehen.»

Aber 2018 ist alles ein wenig anders: Die Rennstrecke hat im Winter einen frischen Asphalt erhalten. Wir kommen seit 1991 zum Circuit de Barcelona-Catalunya. Seit 27 Jahren findet hier der Grosse Preis von Spanien ausserhalb der Millionenstadt Barcelona statt. Ende der 80er Jahre hatte ein Zusammenschluss aus der Regierung von Katalonien, dem Königlichen Automobilclub von Katalonien (RACC) sowie der Stadtverwaltung von Montmeló den Bau des Circuit de Catalunya in die Wege geleitet, damals war das Zuhause des Spanien-GP noch im andalusischen Jerez zu finden.

2013 wurde die Strecke aufgrund einer Sponsorvereinbarung mit der Stadt Barcelona in Circuit de Barcelona-Catalunya umbenannt, die Stadt wollte vermehrt die Werbewirkung der Strecke und den dortigen Veranstaltungen nutzen.

Für 2018 haben die Katalanen ihrer Rennstrecke ein neues Asphaltband spendiert, und das mischt die Karten neu. Denn auf der einen Seite verfügen die Rennställe über die Daten tausender von Test- und Rennrunden auf dieser Strecke, doch der neue Asphalt verfälscht diesen Erfahrungsschatz.

Das Schwarz der neuen Bahn führt dazu, dass sich die Bahn nachhaltiger aufwärmt – was im warmen spanischen Frühling vermehrt zum Überhitzen der Reifen führen kann. Wir haben das schon beim neuen Asphalt der Malaysia-Rennstrecke erlebt.

Nicht alle Fahrer sind vom frischen Asphaltband begeistert. Lewis Hamilton liess im Rahmen der Wintertests wissen: «Mir will nicht in den Kopf, wieso diese Rennstrecke einen neuen Asphalt erhalten musste. Generell halte ich das für Geldverschwendung. Für mich ist es so – je älter eine Pistenoberfläche, desto mehr Charakter hat sie. Also haben wir durch den neuen Asphalt sehr viele Besonderheiten der Barcelona-Bahn verloren. Leider ist das auf vielen Rennstrecken gemacht worden.»

«Ich schätze, das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass auf gewissen Strecken auch die MotoGP fährt. Die MotoGP-Jungs hassen uns, weil wir diese buckligen Strecken haben. Und wir rümpfen die Nase, weil wir wegen ihnen ständig diese riesigen Auslaufzonen und die neuen Pistenoberflächen erhalten!»

«Ich vergleiche das immer mit einem Haus. Wenn du ein neues Haus hast, dann ist das zwar schön, aber das Gebäude hat keinen Charakter. Charakter erhält es erst im Laufe der Jahre, wenn Menschen darin gelebt haben, wenn es leicht verwittert. Das mag ich. Ein frischer Asphalt hat keine Geschichte zu erzählen. Du weisst, dass einige Buckel weg sind, wo die Grössten des Sports schon drübergefahren sind. Daher mag ich Pisten, die ein wenig älter sind. Meine Kollegen nölen in den Fahrerbesprechungen ständig über Buckel, aber ich finde, das gehört zur Aufgabe eines Racers dazu – dass du eben Wege finden musst, diese Unebenheiten so zu fahren, dass dein Wagen nicht aus der Balance geworfen wird. Das ist eine Herausforderung, auch was die Abstimmung des Autos angeht. Wenn du das alles wie mit einem Riesenbügeleisen glättest, dann finde ich das weniger interessant, weil es einfacher wird. Barcelona ist erheblich einfacher geworden.»

Von den meisten anderen Piloten jedoch gab es viel Lob. Renault-Ass Nico Hülkenberg: «Jetzt ist die Piste viel glatter und flacher, dadurch hat sich die Streckencharakteristik deutlich verändert. Es gab etwa Stellen mit einer leichten Neigung, wie zum Beispiel in Kurve 5, die nun ganz flach sind. Die Kurve ist noch dieselbe, aber die Neigung ist verschwunden, das ist schon etwas Anderes. Das ist wohl der glatteste Asphalt im ganzen Kalender.»

Fernando Alonso: «Der neue Asphalt ist eine angenehme Überraschung – da gibt es kaum noch Bodenunebenheiten, der Asphalt bietet reichlich Grip.»

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas glaubt sogar, dass der andersartige Asphalt Einfluss auf die Leistungen der Piloten haben wird: «Für mich ist das gut, weil wir festgestellt haben, dass ich immer dann besonders stark fahre, wenn eine Rennbahn besonders gleichmässig verläuft. Der Asphalt hier ist brandneu, daher dunkler, das wird später eine grosse Rolle spielen, weil er sich mehr aufheizt. Die Piste bietet mehr Haftung, das wird die Aufgabe verändern.»

Richten Sie sich darauf ein: Das Thema Reifen-Management wird auch am Spanien-GP-Wochenende die Hauptrolle spielen.

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Mathias Brunner
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