Sebastian Vettel: Strafe für Frankreich-Foul zu milde

Von Rob La Salle
Formel 1

​Der langjährige Formel-1-Fahrer Martin Brundle gibt zu bedenken: «Sebastian Vettel hat in Frankreich ein Foul begangen. Die Frage für mich ist – war die Strafe für den Ferrari-Star wirklich angemessen?»

Es hat schon eine gewisse Ironie, wenn der 158fache Grand-Prix-Teilnehmer Martin Brundle festhält: «Ich sage in meinen Kommentaren für die britische Sky oft, wie unfassbar talentiert die Formel-1-Fahrer sind, um in der ersten Runde allem Ungemach zu entgehen. Leider kann ich das über die Sekunden nach dem Start zum Grossen Preis von Frankreich in Le Castellet nicht behaupten, denn die Hälfte des Feldes schien in Geplänkel verwickelt zu sein.»

Brundle, mit Jaguar Sportwagen-Weltmeister 1988 und 1990 Le-Mans-Sieger, in seiner Kolumne für die Sky weiter: «Um genau zu sein, herrschte das nackte Chaos. Jene Fahrer, die nicht direkten Kontakt hatten, mussten Wege finden, um ihren Gegnern zu entgehen. Sie fanden sich in diesem Farbenlabyrinth aus blauen und roten Streifen wieder und suchten den schnellsten Weg zurück auf die Rennstrecke.»

«Die Rennkommissare hatten so viel zu tun, dass sie erst knapp eine Stunde nach dem Start verkündeten, welche Sünden Romain Grosjean in Kurve 1 begangen hatte. Ein Grund für die vielen Zwischenfälle ist das Pistenlayout von Le Castellet: In den ersten fünf Kurven finden wir eine Haarnadel und zwei Schikanen.»

«Die Fahrt zur ersten Kurve ist nicht besonders lang, 590 Meter, um genau zu sein. Die erste Schikane schaut im Fernsehen schwieriger aus als sie in Wahrheit ist. Im Qualifying zischten die Renner hier im unfassbaren fünften Gang durch! Aber die modernen GP-Boliden sind zwei Meter breit, also wir Ihr und mein SUV, und an jeder Ecke sitzt ein fetter Pirelli-Reifen. Mehr noch – davor hängt ein Frontflügel, den der Fahrer gar nicht sehen kann. Umso eindrucksvoller ist die Präzision der Fahrer.»

«Sebastian Vettel war der Junge mit der Hand in der Keksdose, er war der Auslöser. Er hatte dank ultraweicher Pirelli beim Start bessere Haftung als die Silberpfeile vor ihm auf den superweichen Reifen. Dazu startete er hervorragend, und so war er in der Position gleich hinter Hamilton und an der Seite von Bottas. Aber Valtteri bremste sehr spät, gleichzeitig liess er Vettel sehr fair viel Raum. Allerdings nahm er dem Ferrari auch den Abtrieb an der Vorderachse, und so rutschte Seb in seinen Gegner hinein. 100 Prozent der Fehler von Vettel. Das Manöver von Vettel war weder in böser Absicht, noch rücksichtslos, auch nicht richtig gefährlich, aber gewiss zu wenig umsichtig.»

«Innerhalb der Sportregeln der Formel 1 hatten die Kommissare neun verschiedene Möglichkeiten, Vettel auf die Finger zu klopfen. Darunter eine 5- oder 10-Sekunden-Strafe, abzusitzen beim folgenden Boxenstopp oder, falls kein Boxenstopp mehr käme, addiert auf die Gesamtrennzeit. Eine Durchfahrtsstrafe kostet 22 Sekunden, mit zehn Sekunden Standzeit sind wir schon bei einer halben Minute. Die Kommissare könnten auch eine Verwarnung aussprechen, eine Rückversetzung fürs folgende Rennen, eine Disqualifikation (schwarze Flagge) oder sogar eine Sperre für den nächsten WM-Lauf.»

«Vettel erhielt die mildeste Strafe. Das erzeugte Unmut im Fahrerlager. Es wurde nicht zu Unrecht argumentiert: Ist diese Strafe angemessen, wenn am Ende Vettel vor dem leidtragenden Bottas ins Ziel kommt? Ich muss die Regelhüter ein wenig in Schutz nehmen: Zum Zeitpunkt der Strafe konnte keiner von ihnen wissen, dass der Wagen von Bottas beschädigt ist und auf welchem Platz der Finne ins Ziel kommen würde.»

«Ich persönlich hätte Vettel mindestens zehn Sekunden aufgebrummt. Oder sogar eine Durchfahrtstrafe, bei welcher nicht am Auto gearbeitet werden darf. Die Kommissare versuchen so gut es geht, die Strafen gleichmässig zu halten. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Piloten eine längere Leine erhalten sollen. Sie kämpfen nicht mit harten Bandagen, wenn sie wissen, dass sie ständig Strafen erhalten.»

«Vettel hat später gesagt, er hätte den Speed gehabt, um ein Wörtchen um den Sieg mitzureden. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Kimi Räikkönen fuhr ein solides Rennen und kam 25 Sekunden hinter Lewis Hamilton ins Ziel, der im Schongang unterwegs war. Hamilton hatte längst Leistung herunter gedreht. Er wird sie auf dem Red Bull Ring brauchen.»

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