Neues Rätsel Racing-Raritäten: Kern der Sache

Von Mathias Brunner
Formel 1

​​​​Beim neuen Rätsel «Racing-Raritäten» passt der Hauptsponsor des Autos hervorragend zur Thematik. Denn der Kern dieses Autos ist vielleicht nicht, was die Schale verspricht. Rätseln Sie mit!

Aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Wir sehen den Mexikaner Héctor Rebaque mit seinem privat eingesetzten Lotus 78 auf der brasilianischen Rennstrecke von Jacarepaguá. Der 1956 in Mexiko-Stadt geborene Rebaque bezahlte Lehrgeld: In der Hitze von Rio de Janeiro musste er nach 40 Runden erschöpft aufgeben.

Héctor Rebaque erkaufte sich zunächst bei Hesketh 1977 einen Sitz, trat 1978 und 1979 in privat eingesetzten Lotus-Rennern an, ab 1980 war er Stallgefährte von Nelson Piquet bei Brabham. 1981 wurde er WM-Zehnter (Bestes Ergebnis: Vierter in San Marino, Deutschland und den Niederlanden), aber Ende der Saison wollte Sponsor Parmalat einen Italiener im Rennwagen sehen. Mit knapp 27 trat Rebaque zurück, nachdem die IndyCar-Karriere nicht wie erhofft verlaufen war. Als Héctor in Las Vegas 1981 seinen letzten Formel-1-WM-Lauf bestritt, hätte in Mexiko niemand gedacht, dass es 30 Jahre dauern würde, um wieder einen einheimischen GP-Piloten bewundern zu können – Sergio Pérez 2011.

Wir könnten es uns hier einfach machen und Rebaque als stinkreichen Bezahlfahrer bezeichnen, aber damit würden wir ihm Unrecht tun. Rebaque verdiente sich seine Sporen in der Formel Atlantik, die Ergebnisse waren nicht berauschend, aber auch nicht peinlich. Dann kaufte er sich beim dahinserbelnden Hesketh-Rennstall ein, und aus heiterem Himmel hatte Mexiko den ersten GP-Piloten seit Pedro Rodríguez.

Héctor erkannte bald: Mit Hesketh wird das nichts. Er überredete Lotus-Chef Colin Chapman, ihm einen Lotus 78 zu überlassen, eingesetzt von einem eigenen Privat-Team, das aus heutiger Sicht auf Amateur-Niveau operierte. Dennoch errang er in Hockenheim als Sechster seinen ersten WM-Punkt (damals erhielten nur die ersten Sechs eines Rennens Punkte). Das ergab WM-Schlussrang 21.

Für die folgende Saison blieb Rebaque seinem Vorgehen treu – dieses Mal kaufte er von Chapman den Weltmeisterwagen von Mario Andretti, den Lotus 79. Aber Héctor dachte weiter – bei der englischen Penske-Abteilung gab er den Bau eines eigenen Renners in Auftrag, der nichts Anderes war als eine Kopie des Lotus 79, genannt Rebaque HR100. Die Leitung bei Penske hatte ein gewisser John Barnard, der später bei McLaren und Ferrari einer der besten Formel-1-Techniker werden sollte. Der HR100 kam bei den letzten drei WM-Läufen zum Einsatz, war jedoch zu unerprobt, um damit einen Blumentopf zu gewinnen. Rebaque blieb ohne Punkte, mit Platz 7 in Zandvoort (Niederlanden) als bestes Ergebnis. Am Ende des Jahres zog er dem eigenen Team den Stecker.

An sich wollte Rebaque nach Hause zurückkehren, aber Brabham-Chef Bernie Ecclestone brauchte einen Piloten, um den schwachen Argentinier Ricardo Zunino zu ersetzen. Da die Sponsoren zwei Fahrer aus Südamerika sehen wollten (Star-Pilot war Nelson Piquet), rief Ecclestone Rebaque an. Erneut konnte Héctor nur einen Punkt erzielen (Sechster in Kanada), erneut wurde er WM-21. Piquet wurde währenddessen WM-Zweiter hinter Alan Jones.

1981 lief es besser: 14 Punkte, WM-Zehnter. In Argentinien fuhr Héctor lange auf Rang 2, dann liess ihn sein Motor im Stich. Am Ende der Saison erhielt er keinen Vertrag mehr, für ihn kam Patrese.

Rebaque orientierte sich neu und unterzeichnete beim CART-Team von Forsythe. Als Al Unser in Elkhart Lake ohne Sprit ausrollte, war Héctor auf einmal IndyCar-Sieger, als einziger Nicht-US-Amerikaner. Es war verblüffenderweise die einzige Punktefahrt des Mexikaners. Im Training zum zweitletzten Rennen in Michigan hatte er einen fürchterlichen Crash, er sah das als Zeichen und hängte den Helm an den Nagel, um in der Firma seines Vaters zu arbeiten.

Beim Grossen Preis seiner Heimat in Mexiko-Stadt ist Héctor Rebaque jeweils im Fahrerlager zu sehen, mit etwas weniger Haaren auf dem Kopf und etwas mehr Speck auf den Rippen, aber zugänglich und stolz, einen Teil zur mexikanischen Geschichte in der Formel 1 geschrieben zu haben.

Dieses Mal passt der Hauptsponsor diese GP-Renners hervorragend zur Thematik. Denn der Kern dieses Autos ist nicht, was es zu sein scheint.

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Viel Spass beim Rätseln und viel Glück!

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