Interlagos: Hamilton siegt, Mercedes ist Weltmeister!

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Lewis Hamilton sicherte sich in Brasilien den zehnten Saisonsieg

Lewis Hamilton sicherte sich in Brasilien den zehnten Saisonsieg

Der Brasilien-GP bot trotz des ausbleibenden Regenschauers viel Spannung. Max Verstappen kollidierte in Führung liegend beim Überrunden mit Esteban Ocon, was Lewis Hamilton nutzte, um seinen 72. GP-Sieg einzufahren.

Als sich das Formel-1-Feld auf der Startaufstellung einreihte, schien die Sonne und die Strecke hatte sich auf mehr als 42 Grad Celsius aufgeheizt – sehr zur Freude von Ferrari, denn Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen konnten bei trockener Piste den Vorteil der richtigen Reifenwahl für den ersten Stint nutzen.

Beide fuhren auf der weichen Mischung los und hatten damit gute Karten, länger als die Konkurrenz auf den superweichen Reifen auf der Strecke zu bleiben. Allerdings kündigten die Wetterexperten für die Dauer des Rennens nicht nur Regen an, sie schlossen auch Gewitter nicht aus. Und beim Start waren die Gegner mit der weicheren Reifenmischung besser dran.

Das musste Vettel am eigenen Leib erfahren, der vierfache Champion fiel gleich auf den ersten Metern hinter Valtteri Bottas zurück, während Polesetter Lewis Hamilton an der Spitze wegzog. Auch Räikkönen kam sichtlich schlechter Weg als die direkten Gegner, konnte die vierte Position aber zunächst verteidigen.

Allerdings nur für drei Runden, danach zog Mexiko-Sieger Max Verstappen am Finnen vorbei. Der Niederländer liess nicht locker und quetschte sich einen Umlauf später auch an Vettel vorbei. Räikkönen tat es ihm kurz darauf gleich und liess seinen Teamkollegen hinter sich, sodass der von der ersten Reihe gestartete WM-Zweite auf die fünfte Position rutschte.

Weiter hinten im Feld sorgten die beiden Renault-Piloten Carlos Sainz und Nico Hülkenberg mit einem teaminternen Duell für Unterhaltung, wobei Sainz im Kampf um den dreizehnten Platz ausscherte und für einen unliebsamen Kontakt zwischen den Rennern aus Enstone sorgte.

Bitteres Aus von Marcus Ericsson

Eine turbulente Anfangsphase erlebte auch der von Startplatz 6 losfahrende Marcus Ericsson, dessen Alfa Romeo-Sauber bereits auf dem Weg zur Startaufstellung ein Teil verloren hatte. Der Schwede konnte den Vorteil des besten Formel-1-Startplatzes seiner Karriere nicht nutzen, weil er mit Grosjean zusammengeriet und seinen Renner dabei beschädigte. In der Folge verlor der Unglücksrabe weitere Teile und Positionen, während sich sein Teamkollege Charles Leclerc auf der siebten Position hinter Daniel Ricciardo etablierte.

An der Spitze sorgte Verstappen für Jubel auf den Rängen, weil er sich im zehnten Umlauf die zweite Position von Bottas schnappte. Der Silberpfeil-Pilot hatte in der Folge alle Hände voll zu tun, weil auch Räikkönen bald an seinem Heck klebte. In Runde 19 bog er zum Reifenwechsel an die Box ab und fiel dadurch auf den neunten Platz zurück. Im folgenden Umlauf tat es ihm sein Teamkollege gleich, womit Verstappen die Führung vor Räikkönen und Vettel übernahm.

Kurz vor dem Mercedes-Duo hatte noch Fernando Alonso seinen Reifenwechsel absolviert und dieser dauerte besonders lange, weil der McLaren des GP-Urgesteins noch einmal auf den Wagenheber musste, um wegfahren zu können. Wie die beiden Silberpfeil-Piloten holten sich auch der Spanier die mittelharten Reifen ab. Für Ericsson war das Rennen nach einem Dreher in der 21 Runde gelaufen, er stellte seinen Dienstwagen in Umlauf 22 an der Box ab und sorgte damit für den ersten Ausfall des Tages.

Später Stopp von Max Verstappen

Während die Teamverantwortlichen immer nervöser in den Himmel blickten, an dem sich dunkle Regenwolken zusammengezogen hatten, bog Vettel in Runde 28 an die Box ab, um sich mittelharte Reifen zu holen. Damit folgte der Ferrari-Star der Mercedes-Strategie und kam auf die neunte Position wieder raus. Hamilton hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt wieder auf die vierte Position nach vorne gearbeitet.

Bottas belegte mittlerweile die siebte Position und Räikkönen harrte im Red Bull Racing-Sandwich zwischen Verstappen und Ricciardo auf der zweiten Position aus. Erst in der 32. Runde kam der Finne zum Reifenwechsel rein und auch er liess sich die Medium-Reifen geben. Nach dem Stopp fädelte er sich auf dem siebten Platz hinter seinem Teamkollegen ein.

Für den zweiten Ausfall des Tages sorgte das Renault-Werksteam: Nico Hülkenberg, der auf der 15. Position unterwegs war, musste seinen Renner auf Anweisung an der Box abstellen weil sein Motor überhitzte. In Runde 35 wurde es wieder spannend, während das Ferrari-Duo auf Befehl von Teamchef Maurizio Arrivabene die Positionen tauschte, bog Verstappen von der Spitze an die Box ab.

Der 21-Jährige musste 3 Sekunden an der Box verweilen, bis seine Mannschaft die frischen weichen Reifen aufgezogen hatte, die er sich für den nächsten Stint ausgesucht hatte. Nach dem Stopp kam er auf der dritten Position wieder auf die Strecke, während sein Teamkollege Ricciardo das Feld anführte. Der Australier hatte seinen Stopp allerdings noch nicht absolviert.

Max Verstappen: Kollision beim Überrunden

In Runde 40 bog Ricciardo schliesslich an die Box ab – gleich nachdem sein Teamkollege Hamilton bezwang und damit die zweite Position übernahm. Somit fand sich Verstappen in Führung wieder – allerdings nur bis zum 44. Umlauf, da geriet er mit dem Force India von Esteban Ocon zusammen und legte einen halben Dreher hin.

Die Wiederholung der TV-Aufnahmen zeigte, dass dem Franzosen kein Platz blieb, als der Niederländer in die nächste Kurve einbog, womit die Kollision nicht mehr zu vermeiden war. Der Crash sorgte auch für einen Schaden am Unterboden des Red Bull Racing-Renners. Verstappen konnte nach dem Crash zwar weiterfahren, die Führung musste er aber Hamilton überlassen.

Die Rennkommissare kündigten umgehend eine genauere Untersuchung der Szene an und brummten Ocon schliesslich eine zehnsekündige Stop-and-Go-Strafe auf. «Dem Leader des Rennens sollte beim Überrunden Platz gemacht werden», erklärte der frühere GP-Star und heutige Sky Sports F1-Experte Martin Brundle. Force India-Teamchef Otmar Szafnauer sah das Ganze natürlich etwas anders und erklärte: «Ich bin mir dieser Strafe überhaupt nicht einverstanden. Man hat als Fahrer das Recht, sich zurückzurunden und Max liess Esteban keinen Platz.»

Auch die anderen Spitzenpiloten bescherten den Zuschauern einige unterhaltsame Szenen, so überholte Räikkönen seinen Landsmann Bottas und übernahm damit die dritte Position, während Ricciardo sich an Vettel auf die fünfte Position vorbeidrückte – dabei kam es in der ersten Kurve zu einer leichten Berührung zwischen den beiden Rennern.

Hamilton nutzte die Chance und zog bis auf fünf Sekunden weg, doch Verstappen liess ´nicht locker und versuchte, den Rückstand wieder wettzumachen. Alle Hände voll zu tun hatte auch Vettel, der auf der sechsten Position so schnell fuhr, wie er nur konnte – doch leider war das nicht schnell genug. Auf die Frage seines Renningenieurs, ob er nicht flotter sein könne, erklärte er hörbar verzweifelt: «Ich mach so schnell ich kann.» In Runde 54 bog der Heppenheimer schliesslich an die Box ab.

Dort holte sich Vettel für die letzten Runden frische superweiche Reifen, und die Boxencrew der Roten leistete ganze Arbeit und wechselte die Reifen in nur 2,2 sec. «Das ist praktisch ein Stopp für lau, denn er wird zwar hinter Leclerc fallen, aber den schnappt er auf den superweichen Reifen sicherlich schnell», kommentierte Brundle trocken. So kam es dann auch, und auch Ricciardo arbeitete sich weiter vor, er übernahm von Bottas die vierte Position.

Während sich Bottas für die letzten Runden noch einmal frische Reifen holte und die Rennleitung ankündigte, beide McLaren-Fahrer wegen des ignorierens der blauen Flaggen (Platz machen für die Überrundenden) im Visier zu haben, setzte Verstappen alles daran, die Lücke zum Spitzenreiter im Silberpfeil zu schliessen.

Vergeblich - denn am Ende durfte Hamilton den 72. GP-Sieg seiner Karriere – den zehnten in diesem Jahr – und seinen 50. F1-Triumph in der aktuellen Turbo-Ära feiern, die nun schon seit 99 Rennen andauert. Hinter dem fünffachen Weltmeister kamen Verstappen und Räikkönen auf den weiteren Podestplätzen ins Ziel. Ricciardo, Bottas, Vettel, Leclerc, Grosjean, Magnussen und Pérez komplettierten die Top-10. Dahinter kamen Hartley, Sainz, Gasly, Vandoorne, Ocon, Alonso, Sirotkin und Stroll über die Ziellinie, wobei Alonso wegen der blauen Flaggen noch eine 5-sec-Zeitstrafe kassierte.

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