Neues Rätsel Racing-Raritäten: Weiss statt schwarz

Von Mathias Brunner
​Das neue Rätsel «Racing-Raritäten» zeigt in dieser Woche einen Rennwagen, der eine glorreiche Vergangenheit hinter sich hatte. Und einen Fahrer, dessen Story an einem Kriminalroman erinnert.

Aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Wir sehen den Kanadier Bill Brack, im Einsatz beim kanadischen Heim-GP in Mont-Tremblant, mit einem Lotus 49B. Während die heutigen Formel-1-Fahrer fast allesamt Angehörige der Kart-Generation sind, strebten damals die Racer aus allen möglichen Kategorien Richtung Grand-Prix-Sport. William «Bill» Brack begann, naheliegend angesichts der grimmigen kanadischen Winter, mit Rennen auf Schnee und Eis.

Die ersten Rennen bestritt der in Toronto geborene Brack 1961, mit einem zwei Jahre alten Morris Mini und bescheidenen 850 ccm Hubraum. Brack zeigte so viel Talent, dass er sich bald flottere Untersätze zulegte, bis zum flinken Mini Cooper S. Mitte der 60er Jahre begann Brack, sich als Importeur von Lotus für Kanada einen Namen zu machen. Klar sass er bei seinen Rennen in der so genannten Formel B in Einsitzern von Lotus, er gewann 1967 die Meisterschaft für Ost-Kanada. Brack begann auch, in den USA anzutreten.

Selbst für Insider ein wenig überraschend tauchte Bill Brack dann 1968 beim Grossen Preis von Kanada auf, er sass als 33jähriger GP-Neuling im dritten Lotus-Renner neben Graham Hill und Jackie Oliver. Der Hobby-Rennfahrer qualifizierte sich auf Rang 20 und fiel wegen gebrochener Halbwelle aus.

In Nordamerika trat Brack danach in der Formel A/Formel 5000 an, mit einem Lotus und V8-Motor von Ford. Zum Heimrennen in Kanada erhielt er auch 1969 und 1972 einen Rennwagen, beide Male von BRM. In Mosport 1969 sah er als Zehnter die Zielflagge, doch aufgrund des grossen Rückstands von zehn Runden wurde er nicht gewertet. Noch schlimmer erging es damals dem in England geborenen, nach Kanada ausgewanderten Al Pease: Er wurde aufgrund mangelnden Speeds von der Veranstaltung ausgeschlossen. Brack sass 1972 in einem Marlboro-BRM, kreiselte aber von der Strecke. Es war der dritte und letzte Auftritt als Formel-1-Fahrer.xs

1973 bis 1975 wurde Bill Brack drei Mal in Folge kanadischer Formel-Atlantic-Champion. 1978, inzwischen 43 Jahre alt, fand er, es wäre Zeit, sich mehr um sein Händlernetzwerk zu kümmern – Jenson, Maserati, Jeep, Kia. In seiner letzten Saison gewann er mit einem March in Trois-Rivières. Brack ist aber im Rennsport aktiv geblieben. Selbst als 82-Jähriger ist er regelmässig bei Veranstaltungen mit historischen Rennern zu treffen. Und er war massgeblich daran beteiligt, einen Verein aufzubauen für Rennen mit alten Formel-Atlantic-Boliden.

Dieses Mal ist die Aufgabe nicht weniger knifflig: Der abgebildete Wagen tauchte in der Regel in edlem Schwarz auf, hier ist er aber blütenweiss. Weiss wie die Unschuld, darüber lässt sich streiten, denn der gesuchte Fahrer war zu seiner Zeit höchst umstritten, sein Ende ungewöhnlich und brutal, nach einem Leben wie aus einem Kriminalroman.

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Viel Spass beim Rätseln und viel Glück!

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