History: Red Bull Racing – Wurzeln bei Jackie Stewart

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Red Bull Racing geht 2019 in die 15. Formel-1-Saison. Was viele Fans nicht mehr wissen: Die Wurzeln für den Rennstall aus Milton Keynes gehen auf die schottische Rennlegende Jackie Stewart zurück.

Im Februar 2019 wird Red Bull Racing das neue Modell vom Typ RB15 präsentieren, dann geht es mit einem Hechtsprung in die Wintertests, die am Montag, 18. Februar auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya beginnen. Dank des neuen Motorpartners Honda will Max Verstappen bei der Vergabe des WM-Titels 2019 ein Wörtchen mitreden. Red Bull Racing geht damit ins fünfzehnte Formel-1-Jahr. Was viele Formel-1-Zuschauer nicht mehr wissen: Der lange Weg zum Erfolg begann mit einer schottischen Rennlegende.

Die Geschichte von Red Bull Racing gründet nämlich bei Jackie Stewart und dessen Formel-1-Rennstall «Stewart Grand Prix». Doch das Teams des einstigen Tyrrell-Stars tanzte nur drei Sommer. Der dreifache Formel-1-Champion verkaufte den Rennstall Ende 1999 an Ford, der US-Konzern machte daraus Jaguar – und fuhr prompt jahrelang hinterher. Nach fünf Jahren hatte Ford die Nase voll und suchte Käufer. Erneut wirkte Stewart im Hintergrund. Böse Zungen behaupteten, der clevere Schotte habe es gleich zwei Mal geschafft, das Team zu verkaufen.

Red-Bull-Mitbesitzer Dietrich Mateschitz witterte die Möglichkeit, aus dem Team einen Siegerrennstall zu formen. Er ernannte den früheren Rennfahrer Christian Horner zum Teamchef, ab 2005 trat das frühere Jaguar-Team als Red Bull Racing an. Gleich im ersten Jahr fuhr Red Bull Racing mehr Punkte ein als Jaguar in zwei Jahren zuvor!

Noch ein Schotte spielte für RBR eine elementare Rolle: David Coulthard. Nicht nur brachte er seine grosse Erfahrung ein, er konnte auch mithelfen, im November 2005 jenen Mann nach Milton Keynes zu lotsen, der die Grundlage für acht WM-Titel (vier mit Sebastian Vettel, vier bei den Marken) legen sollte – der anerkannt beste Formel-1-Techniker der Gegenwart, Adrian Newey.

Erster Durchbruch in Monaco 2006: David Coulthard erzielte für Red Bull Racing den ersten Podestplatz, als Dritter in Monte Carlo, hinter Fernando Alonso (Renault) und Juan Pablo Montoya (McLaren).

Es passte, dass Red Bull Racing bei diesem Rennen Werbung für den neuen Superman-Kinofilm machte. Und so wurde Coulthard der erste Formel-1-Rennerfahrer, der nach einem WM-Lauf mit Superhelden-Cape auf dem Podest stand. Und Horner zum ersten Teamchef, der mit diesem Cape in den Red-Bull-Pool hüpfte!

Hinter den Kulissen war Newey am Umkrempeln. Der Engländer erinnert in seinem hervorragenden Buch «Wie man ein Auto baut»: «Bei den ersten Sitzungen spürte ich bei RBR eine starke Midland-Mentalität, im Sinne von – wir wissen schon, wie wir das machen müssen, das muss uns keiner sagen. Am bedenklichsten fand ich, dass einer der führenden Ingenieure meinte: „Wir bei Jaguar ...” Als mir nach einiger Zeit klarwurde, dass sich nichts ändert, entliess ich drei Ingenieure, von da an war das Team wie verwandelt.»

2007 kam mit dem Modell RB3 der erste Wagen aus der Feder von Adrian Newey auf die Bahn. Red Bull Racing, 2005 mit Cosworth-Power und 2006 mit Motoren von Ferrari unterwegs, arbeitete nun mit Renault zusammen, eine Kooperation, die bis heute andauert.

Neben David Coulthard kam neu Mark Webber ins Team. Der Australier bedankte sich für das Vertrauen mit Rang 3 beim Europa-GP auf dem Nürburgring. Um ein Haar hätte Webber den Regen-GP von Japan gewonnen, aber während einer Safety-Car-Phase wurde er ausgerechnet von jenem Mann abgeräumt, der für Red Bull Racing später vier Mal Weltmeister werden sollte – Sebastian Vettel.

Adrian Newey: «Die beiden ergänzten sich perfekt. Mark Webber hatte ein exzellentes Gespür für die Aerodynamik. Und Vettel war ganz stark in Sachen Mechanik, Motor und Reifen. Besser kannst du es als Techniker nicht haben.»

Jahrelang wurde Red Bull Racing im Fahrerlager als Spass-Team verkannt – die lauteste Musik, das cleverste Marketing, die schönsten Frauen, der humorige Blick auf den Sport in Form einer Fahrerlagerzeitung.

Wie ernst es Dietrich Mateschitz mit dem Erfolgswillen war, merkte die Konkurrenz erst 2009 in vollem Umfang: RBR begann, Rennen zu gewinnen. Auftakt war ein Doppelsieg in China, mit dem von Toro Rosso ins Red-Bull-Hauptteam geholten Sebastian Vettel vor Mark Webber. Newey bedauert: «Und ich war nicht mal dabei! Da sass ich zuhause und versuchte, für das Auto einen Doppeldiffusor zu bauen.»

Adrian Newey konnte zur Saison 2009 hin seine ganze Stärke ausspielen, daher der grosse Sprung an die Spitze: Denn für 2009 wurde eine ganze Reihe von Neuheiten eingeführt – Rückkehr zu profillosen Reifen, andere Aerodynamik. Wenn nicht BrawnGP den Kniff des Doppeldiffusors eingeführt und die erste Saisonhälfte dominiert hätte, wäre Red Bull Racing schon 2009 Weltmeister geworden. So konservierten BrawnGP und Jenson Button den Vorsprung in der WM.

2010 hatten sowohl Mark Webber als auch Sebastian Vettel Chancen auf den WM-Titel. Webber verlor wichtige Punkte mit einem Ausritt in Südkorea («Das Einzige, was ich in meiner Karriere bereue», wie er mir Ende 2013 sagte), im gleichen Rennen schied Vettel wegen Motorschadens aus, Fernando Alonso sagt im Ferrari «grazie» und gewann.

Doch beim WM-Finale von Abu Dhabi konzentrierte sich der Ferrari-Kommandostand viel zu sehr auf Webber, um Alonsos Position zu schützen, Aussenseiter Vettel profitierte und führte dann in der WM, als es drauf ankam – ganz am Schluss.

Vettel wurde mit seinem Sieg im dramatischen Finale auf dem Yas Marina Circuit zum jüngsten Formel-1-Champion.

Dank überragender Aerodynamik und guten Rennstrategien, dank eines Jahrzehntetalents Vettel und eines soliden Webber reihte sich nun Titel an Titel: Vettel wurde vier Mal in Folge Weltmeister mit der gleichen Marke, das war zuvor nur Michael Schumacher mit Ferrari gelungen. Vier Titel in Folge (in unterschiedlichen Autos) hatte in den 50er Jahren auch Juan Manuel Fangio eingefahren.

Beim Schritt in die Turbo-Ära anfangs 2014 kam die Erfolgsmaschine jedoch ins Stocken: Renault verschlief gemessen an Mercedes die Entwicklung. Red Bull Racing war zwar das einzige Team, das Mercedes 2014 drei Niederlagen beibringen konnte, aber an den Titel war nicht mehr zu denken. Es ist auch bezeichnend, dass der für Mark Webber gekommene Daniel Ricciardo diese drei Siege einfuhr. Sebastian Vettel tat sich mit den neuen Turbo-Autos schwer, zudem suchte er nach einer neuen Motivation. Im Herbst 2014 unterschrieb er bei Ferrari.

2015 zeigte sich: Selbst das beste Chassis kann das Manko durch die enttäuschenden Renault-Motoren nicht wettmachen. Jahrelang hatten die Franzosen Motoren gebaut, die gut genug waren, um mit RBR Siege und Titel einzufahren, doch nun stimmten weder Leistung noch Standfestigkeit. Erstmals seit 2008 konnte kein Rennen gewonnen werden.

2016 errang Ricciardo erneut den dritten Schlussrang hinter den fast unschlagbaren Mercedes-Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Im Frühling wurde der glücklose Daniil Kvyat durch den Rohdiamanten Max Verstappen ersetzt, und der Niederländer bedankte sich für das Vertrauen mit dem Sieg im ersten Rennen für Red Bull Racing, in Spanien.

2017 kam Red Bull Racing erst im Frühsommer in Schwung, Max Verstappen und Daniel Ricciardo litten unter der mangelnden Standfestigkeit der Renault-V6-Turbomotoren. Wenn der Wagen lief, war RBR bei der Musik: Ricciardo behielt die Nerven im Chaos-GP von Aserbaidschan und triumphierte, Verstappen eroberte seine GP-Siege zwei und drei in Malaysia und Mexiko.

2018 bestätigte sich der Aufwärtstrend: Vier Sieg (Ricciardo in China und Monaco, Verstappen in Österreich und Mexiko), eigentlich hätten es fünf sein müssen, wäre Max in Brasilien nicht über Esteban Ocon gestolpert.

2019 will Red Bull Racing den nächsten Schritt gehen: Erstmals hat der Rennstall mit Honda einen Werks-Partner, damit will Max Verstappen bei der Vergabe des WM-Titels ein Wörtchen mitreden.

Red Bull Racing – die Fahrer

2005: David Coulthard (GB), Christian Klien (A), Tonio Liuzzi (I)
2006: David Coulthard, Christian Klien, Robert Doornbos (NL)
2007: David Coulthard, Mark Webber (AUS)
2008: David Coulthard, Mark Webber
2009: Sebastian Vettel (D), Mark Webber
2010: Sebastian Vettel, Mark Webber
2011: Sebastian Vettel, Mark Webber
2012: Sebastian Vettel, Mark Webber
2013: Sebastian Vettel, Mark Webber
2014: Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo (AUS)
2015: Daniel Ricciardo, Daniil Kvyat (RU)
2016: Daniel Ricciardo, Kvyat, Max Verstappen (NL)
2017: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2018: Daniel Ricciardo, Max Verstappen
2019: Max Verstappen, Pierre Gasly (F)

Red Bull Racing – die Motoren

2005: Cosworth
2006: Ferrari
2007–2018: Renault
Ab 2019: Honda

Red Bull Racing – die Erfolge

2005: 34 Punkte, WM-Rang 7

2006: 16 Punkte, WM-Rang 7 (erster Podestplatz: David Coulthard Dritter in Monaco)

2007: 24 Punkte, WM-Rang 5 (ein Podestplatz)

2008: 29 Punkte, WM-Rang 7 (ein Podestplatz)

2009: 153,5 Punkte, WM-Rang 2 (erster Sieg mit Vettel vor Webber in China, 6 Siege, 6 zweite Ränge, 4 dritte Plätze, 5 Pole-Positions, 6 beste Rennrunden)

2010: 498 Punkte, Weltmeister (9 Siege, 6 zweite Plätze, 5 dritte Ränge, Sebastian Vettel Fahrer-Weltmeister)

2011: 650 Punkte, Weltmeister (12 Siege, 7 zweite Plätze, 8 dritte Ränge, 18 Pole-Positions, 10 beste Rennrunden, Vettel Fahrer-Weltmeister)

2012: 460 Punkte, Weltmeister (7 Siege, 4 zweite Plätze, 3 dritte Ränge, 8 Pole-Positions, 7 beste Rennrunden, Vettel Fahrer-Weltmeister)

2013: 596 Punkte, Weltmeister (13 Siege, 6 zweite Ränge, 5 dritte Plätze, 11 Pole-Positions, 12 beste Rennrunden, Vettel Fahrer-Weltmeister)

2014: 405 Punkte, WM-Rang 2 (3 Siege, 2 zweiter Platz, 8 dritte Ränge, 3 beste Rennrunden)

2015: 187 Punkte, WM-Rang 4 (2 zweite Ränge, ein dritter Platz)

2016: 486 Punkte, WM-Rang 2 (2 Siege, 8 zweite Plätze, 6 dritte Ränge, 1 Pole-Position, 5 beste Rennrunden)

2017: 368 Punkte, WM-Rang 3 (3 Siege, 2 zweite Ränge, 8 dritte Plätze, 2 beste Rennrunden)

2018: 419 Punkte, WM-Rang 3 (4 Siege, 4 zweite Ränge, 5 dritte Plätze, 2 Pole-Positions, 6 beste Rennrunden)

Erfolgsbilanz

4 Fahrer-WM-Titel
4 Konstrukteurs-Pokale
265 Grands Prix
59 Siege
17 Doppelsiege
161 Podestplätze
60 Pole-Positions
60 beste Rennrunden
3632 Führungsrunden
4307,5 WM-Punkte

Weblinks

siehe auch

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