Jacques Villeneuve: «Piloten verlassen sich aufs DRS»

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Jacques Villeneuve

Jacques Villeneuve

GP-Veteran Jacques Villeneuve weiss, wie sehr sich die Königsklasse von heute von der Formel 1 seiner Zeit unterscheidet. Der Kanadier erinnert sich: «Das Ganze war nicht so politisch korrekt wie heutzutage.»

Seine GP-Karriere hat Jacques Villeneuve bereits vor mehr als zehn Jahren beendet, dennoch gehört der Weltmeister von 1997 zu den Dauergästen im Fahrerlager. Der Kanadier, der mittlerweile als TV-Experte unterwegs ist, hat denn auch eine klare Vorstellung davon, wie sich die Königsklasse seit den Neunzigern verändert hat.

Im Gespräch mit den Kollegen des «Automobile Magazine» hält Villeneuve fest: «Zu meiner Zeit war die Formel 1 definitiv noch ganz anders.» Und er fügt an: «Meine Ära war die bessere, denn bei uns war das Ganze noch viel menschlicher. Und man brauchte Mut, trotzdem war es sicher genug, dass man nicht jedes Mal damit rechnen musste, umzukommen, wenn man ins Auto stieg.»

«Es war ein guter Kompromiss», erklärt der heute 47-Jährige. «Und das Ganze war nicht so politisch korrekt wie heutzutage. Mittlerweile sagt keiner mehr etwas. Heutzutage gehören die Fahrer den Teams und werden wie Schachfiguren hin und her geschoben. Ich denke, deshalb gibt es auch weniger Talent im Feld. Die etablierten Fahrer müssen zur Seite rücken, um Platz zu schaffen für die jüngeren Piloten.»

Dennoch stellt Villeneuve auch klar: «Was die Leistungsdichte im Feld angeht, war das Racing noch nie besser als heute. Ich weiss nicht, warum die Leute denken, das sei früher besser gewesen. Das Überholen hat sich sicherlich verändert. Früher gab es richtige Zweikämpfe, heute gleicht ein Überholmanöver meist einem einfachen Positionswechsel. Die Piloten verlassen sich aufs DRS, sie stellen ihren Heckflügel flach und ziehen am Gegner vorbei wie auf einer Autobahn. Es muss kaum mehr darum gekämpft werden. Die Leute denken nach einem Rennen nicht, ‚wow, dieses Manöver war fantastisch‘. Es gibt diese Augenblicke, die man im Leben nie mehr vergisst, nicht mehr.»

«Der Sport wird immer grösser, da gibt es keinen Zweifel, das ist nicht das Problem», ist sich der elffache GP-Sieger sicher. «Es mangelt der Formel 1 aber an Helden. Es ist nicht mehr eine Gruppe von Gladiatoren, die da draussen auf der Strecke ist.»

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