Aus für Sauber: Auto heisst 2019 nur noch Alfa Romeo!

Von Mathias Brunner
Formel 1
In Abu Dhabi 2018 hiess Sauber noch Sauber

In Abu Dhabi 2018 hiess Sauber noch Sauber

​Schon als Alfa Romeo Titelsponsor des Sauber-Rennstalls wurde, war davon die Rede: Eines Tages werden die Autos nur noch Alfa Romeo heissen, der Name Sauber verschwindet. So weit sind nur nun.

Die Bezeichnung Sauber verschwindet aus der Formel 1. Der Schweizer Rennstall bestätigt: Die Partnerschaft mit dem Mailänder Autohersteller Alfa Romeo wird ausgebaut, das Team heisst nicht mehr wie bis anhin «Alfa Romeo Sauber F1 Team», sondern nur noch «Alfa Romeo Racing». Die Autos werden von Kimi Räikkönen und von Antonio Giovinazzi pilotiert.

Sauber, Pardon: Alfa Romeo Racing wird 2019 prominent das berühmte vierblättrige Kleeblatt der italienischen Automarke auf dem Wagen tragen. Teamchef Fred Vasseur: «Seit wir mit Alfa Romeo kooperieren, haben wir tolle Fortschritte erreicht, technisch, geschäftlich, sportlich. Langsam zahlt sich unsere harte Arbeit aus. Auf diesem Weg wollen wir weiterschreiten.»

Michael Manley, CEO der Fiat/Chrysler-Gruppe (FCA): «Alfa Romeo Racing ist eine neue Bezeichnung, aber die Marke hat eine lange Tradition vorzuweisen in der Formel 1. Wir wollen technische Expertise und italienisches Flair beweisen.»

Sauber hiess in der Formel 1 Sauber, seit Peter Sauber 1993 mit Steigbügelhalter Mercedes den «vernünftigen Schritt in die Unvernunft» wagte, wie der Teamgründer das Grand-Prix-Abenteuer immer genannt hat. Von 2006 bis 2009 trat der Rennstall aus Hinwil (Zürcher Oberland) als BMW an, als die Münchner dem GP-Programm dem Stecker zogen, rettete Peter Sauber das Team.

Natürlich sind die Grand-Prix-Fans nicht blöd. Sie wissen beim Sauber-Renner genau: Was draufsteht, ist nicht drin. Und vielleicht ist gar nicht so schlecht, dass Alfa Romeo Technik von Sauber ziert, denn das Mailänder Unternehmen hat sich im GP-Sport nicht immer mit Ruhm bekleckert.

Alfa Romeo war eine Marke der ersten Stunde in der Formel 1: Die ersten beiden Weltmeister – Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio – sassen 1950 und 1951 in den zeitlos eleganten Alfa Romeo 158 und 159, die zärtlich «Alfetta», also kleine Alfa, genannt wurden. Die Alfetta wurde zu einem der erfolgreichsten Grand-Prix-Renner – 47 von 54 Grands Prix wurden gewonnen, angefangen schon 1938, unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg.

Als sich die italienische Regierung vor der Saison 1952 weigerte, Alfa Romeo zu helfen, um das inzwischen dreizehn Jahre alte Modell Alfetta zu ersetzen, beschloss der Alfa-Vorstand, den Stecker zu ziehen. Aus heutiger Sicht unfassbar: Die beiden WM-Titel 1950 und 1951 wurden mit insgesamt nur neun Motoren errungen!

1977 gab der Alfa-Vorstand dem feisten Carlo Chiti (Markenzeichen: Regenmantel, auch bei 40 Grad im Schatten wie bei den Testfahrten in Rio de Janeiro) den Auftrag, ein neues Formel-1-Auto zu bauen, ermutigt von guten Ergebnissen von Brabham mit einem Alfa-Motor 1977 und 1978. Das Ergebnis war der Alfa Romeo 177, der (entgegen seines Namens) erst in Belgien 1979 debütierte.

Die Italiener schafften es, einen Wagen zu bauen, der schon beim ersten Einsatz technisch veraltet war. Der Zwölfzylinder-Flachmotor passte schlecht zu einem Flügelauto (daher wechselte auch Brabham zurück um besser geeigneten Cosworth-V8), das Monocoque war zu voluminös und um fast vierzig Kilogramm zu schwer. Der Rennwagen konnte trotz aller Bemühungen von Brambilla und Bruno Giacomelli keinen WM-Punkt einfahren.

Im Jahr darauf, mit einem etwas zeitgemässeren Renner, sah es besser aus. Bruno Giacomelli stellte den Alfa in Watkins Glen auf die Pole. Ein wichtiges Erfolgserlebnis für das ganze Team, das bei Testfahrten in Hockenheim 1980 Team-Leader Patrick Depailler verloren hatte.

1981 litten die Alfa, nun mit Mario Andretti als Nummer 1, an mangelnder Standfestigkeit. Für 1982 wurde das Team von EuroRacing eingesetzt, die Motoren stammten aber noch immer aus dem Werk. 1983 ein Highlight: zwei zweite Plätze für Andrea de Cesaris. Doch längst bauten Firmen wie BMW, Renault, TAG-Porsche, Honda und Ferrari bessere Turbo-Motoren. Der Alfa-V8-Motor war zu durstig und zu wenig kraftvoll.

Alfa Romeo hat im Rahmen der Formel-1-WM 112 Grands Prix bestritten und 10 davon gewonnen, keinen davon als Hersteller in der Neuzeit. Das letzte Engagement – 1985 als «Benetton Alfa Romeo» mit Eddie Cheever und Riccardo Patrese, war eine Katastrophe: null Punkte. Mit dem WM-Finale in Adelaide (Australien) verschwand Alfa in der Formel-1-Versenkung. Für dreissig Jahre!

Fast schüchtern kehrte die Marke dann zurück: Auf der Motorverkleidung des 2015er Formel-1-Ferrari wurde das Alfa-Emblem spazierengefahren, nicht mehr das Fiat-Logo. Damit hat sich ein Kreis geschlossen: Gemäss Angaben von Ferrari tauchte das berühmte Pferdchen des früheren Alfa-Werksfahrers Enzo Ferrari erstmals 1932 auf einem Alfa Romeo auf – auf einem von der Scuderia Ferrari eingesetzten Alfa 8C 2300 MM, beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps. Wenige Jahre darauf übernahm Ferrari die Renneinsätze von Alfa Romeo. 2015 war es umgekehrt: Auf dem GP-Auto von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen war auf der Motorabdeckung das Emblem von Alfa Romeo zu sehen. Heute steht auf den Ferrari das Quadrifoglio, das Kleeblatt von Alfa. Und bald auch auf dem Sauber.

Alfa steht seit 1910 als Abkürzung für «Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili» (also Aktiengesellschaft Lombardische Automobilfabrik), Romeo kam im Dezember 1915 hinzu, als die Rüstungsgesellschaft von Nicola Romeo das Sagen in der jungen Firma übernahm.

Als Markenzeichen ist seit gut hundert Jahren unverändert: In der linken Seite ein rotes Kreuz auf weissem Grund (die Farben der Stadt Mailand), rechts eine grüne Schlange mit Drachenkopf und Krone, auf blauem Grund, auch dies Teil des Mailänder Stadtwappens. Die Schlange mit einem Kind im Mund geht auf eine Legende aus den Kreuzzügen zurück, als ein Mitglied der Mailänder Familie Visconti bei Rom einen Sarazenenfürsten tötete und dessen Wappenschild an sich nahm. Auf das Schild war angeblich eine Schlange mit Kind im Mund gemalt.

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