Teams: «DNA der Formel1 muss erhalten bleiben!»

Von Brunner/Quirmbach
Formel 1
FOTA: Viele Köpfe, viele Ideen, eine Aussage

FOTA: Viele Köpfe, viele Ideen, eine Aussage

Teamvereinigung FOTA schlägt weitere Einsparungen vor, dazu neues Punktesystem und Verkürzung der Renndistanz

Es herrschte Einigkeit in Genf beim Treffen der Teamvereinigung der Formel1. Luca di Montezemolo stellte auch erfreut fest: «Der Zusammenhalt unter den Teams war nie so gross wie heute. » Die FOTA möchte sich als dritte Kraft in der Formel1 neben der FIA und der FOM etablieren, eine neue Formel1 ist aber nicht ihr Ziel: «Wir wollen verbessern, was bereits sehr gut ist!» lautete die klare Aussage des Ferrari-Vorsitzenden.

Den Sparkurs der FIA begrüsst Montezemolo: «Wir sind nicht weltfremd, wir wissen, was draussen los ist. Es gibt ja bereits viele Massnahmen und das muss fortgesetzt werden. Aber die DNA der Formel1 muss erhalten bleiben!»

Dr. Mario Theisen stellte weitere technische Änderungen vor, welche die FOTA der FIA für 2010 vorschlagen möchte:
- Ein homologiertes Chassis pro Team pro Jahr, bedeutet, es ist eingefroren, darf nicht mehr verändert werden, auch ein Neubau ist nicht mehr gestattet.
- Der über die Aerodynamik erzeugte Abtrieb soll nochmals um 50% reduziert werden.
- Bei Aufhängungen und Unterboden ist maximal eine Änderung im Jahr zugelassen
- Bei den Seitenkästen, Airbox und Flügeln maximal zwei Änderungen pro Jahr.
- Im Bereich der Kraftübertragung soll die Technik des Getriebes für drei Jahre eingefroren werden. Maximal vier Getriebe pro Fahrer sind gestattet.
- Ein Getriebepaket muss für einen Neueinsteiger, wie zum Beispiel USF1 für 1,5 Mio.$ käuflich zu erwerben sein.
- KERS soll ab 2010 standardisiert werden, dazu soll es noch kurzfristig eine Ausschreibung geben, wer das Einheits-KERS liefern soll.
- Die Verwendung exotischer Materialien soll weiter eingedämmt werden, Details dazu nannte Theisen aber nicht.
- Die Bremsanlage bleibt während der Saison unverändert, nur Verschleissteile dürfen erneuert werden.

McLaren-Boss Martin Whitmarsh stellte die Vorschläge der Kommission im Rahmen des sportlichen Reglements vor. Dabei lege man Wert auf die Berücksichtigung der weltweiten Umfrage bei den Fans über die Formel1, die im Herbst stattgefunden hat.

Für 2009 sollen folgende Dinge umgesetzt werden:

- Neues Punktesystem: 12, 9, 7, 5, 4, 3, 2, 1. Ein Sieg soll mehr belohnt werden.
- Die Reifendaten sowie die Benzinmengen sollen ausgetauscht und veröffentlicht werden.
- Es soll dem Zuschauer möglich sein, den Funk abzuhören. Bislang gab es zwar einzelne Splitter, aber das war meist belanglose Kommunikation wie «fahr schneller», bei den wichtigen Infos schalteten die Teams ab.

Weitere Einschnitte soll es 2010 geben:
- Die Wintertests sollen noch mehr reduziert werden.
- Nachtanken soll verboten sein.
- Der schnellste Boxenstopp soll mit einem Punkt in der Konstrukteurswertung belohnt werden. Dazu sind aber Pflichtboxenstopps nötig.
- Die Renndistanz soll von 300 auf 250km oder maximal 100 Minuten verkürzt werden.
- Das Prozedere des Qualifyings soll erneut überdacht werden.
- Weitere Offenlegung der Daten, damit der Zuschauer ein Rennen besser «lesen» kann: Beispiel, die Grafiken, wo sich die Fahrzeuge gerade auf der Strecke befinden, sollen auch im TV eingeblendet werden. So kann ein Zuschauer erkennen, wo ein Pilot nach einem Boxenstopp wieder landen wird.

Luca Montezemolo lobte zum Ende nochmals die Einigkeit der Teams. «2009 wird ein kritisches Jahr, aber wir wissen das. Dafür kann man sagen, dass die hier vertretenen Teams auch sicher bis Ende 2012 an der Formel1 teilnehmen werden. »

Eine Zusage, die der Italiener natürlich nicht wirklich geben kann, denn dem Vorstand eines Weltkonzerns sind die Überlegungen einer Teamkommission in der Formel1 eher gleich, sie entscheiden nach anderen Kriterien. Aber natürlich könnte es so aussehen: Wird zum Beispiel BMW 2011 Weltmeister und der Vorstand beschliesst auf dem Höhepunkt des Erfolges den Rückzug, spricht ja bei der eingefrorenen Technik nichts dagegen, dass die Motoren und Getriebe noch ein Jahr weiter in der Formel1 sind.

Insgesamt herrschte allgemeine Zufriedenheit über die Vorschläge, die natürlich nicht bindend sind, denn das Regelwerk bestimmt bekanntlich die FIA. Aber die dürfte dankbarer Abnehmer sein, wenn die Einschnitte von denen kommen, die sie betreffen, nämlich den Teams.

Nach deren Willen soll das zur Erneuerung anstehende Concorde-Agreement bis Ende März unterschrieben und dann bis Ende 2012 gültig sein.

Kleine Fussnote am Rande: Ross Brawn war gestern noch mit am Tisch und musste aber dringend zurück ins Honda-Werk. Dies soll aber «ein gutes Zeichen sein» wie hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde.

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