Toto Wolff (Mercedes): Gegen Ferrari zu wenig Neues

Von Adam Cooper
Formel 1
Toto Wolff

Toto Wolff

​Charles Leclerc stand bei den vergangenen vier Grands Prix auf Pole-Positions, und Ferrari hätte auch in Russland gewinnen müssen, zum vierten Mal in Folge. Da kommt Mercedes-Teamchef Toto Wolff ins Grübeln.

Charles Leclerc hat nun vier Pole-Positions in Folge erzielt, so oft hintereinander stand kein Ferrari mehr auf dem besten Startplatz seit Michael Schumacher vor 19 Jahren. Der Monegasse gewann in Spa-Francorchamps und Monza, Sebastian Vettel dann in Singapur, und eigentlich hätte Russland auch in Sotschi gewinnen müssen, doch am Wagen von Sebsatian Vettel streikte die Energie-Rückgewinnung, und ausgerechnet die von ihm ausgelöste Safety-Car-Phase führte dazu, dass die beiden Mercedes von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas vorrücken konnten. Leclerc wurde nur Dritter.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff weiss aber genau: Ferrari hatte auch in Russland das schnellste Auto. Der Wiener vermutet: «So wie es aussieht, haben die Anderen Fortschritte gemacht, wir aber haben uns nicht so richtig verbessert. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Entwicklung nicht extrem vorangetrieben haben. Die Konkurrenz hat gemessen an uns überproportional Boden gutgemacht.»

«Ferrari scheint das eigene Auto inzwischen besser zu verstehen. Und was uns angeht – wenn ich wüsste, wo wir falsch abgebogen sind, dann würden wir das schleunigst in Ordnung bringen. Im Moment müssen wir einfach aus unseren Daten die richtigen Schlüsse ziehen.»

Angesichts eines üppigen Vorsprungs im Konstrukteurs-Pokal war es für Dauer-Weltmeister Mercedes-Benz völlig normal, auf dem Weg zum sechsten Markentitel ein wenig den Fuss vom Gas zu nehmen und die Entwicklung mehr auf 2020 zu verlagern. Jeder Rennstall hätte das getan.

Toto Wolff: «Ferrari macht weiter gute Fortschritte, sie hatten in Singapur ein gutes Rennauto und in Sotschi ein sehr gutes. Sie legen derzeit die Messlatte. Wir hingegen haben seit längerem keine Verbesserungen am Wagen, vielleicht war unser Management nicht optimal. Ab und an agierten wir ein wenig glücklos, wir hätten einige Rennen gewinnen können, haben wir aber nicht. In Sotschi hingegen hatten wir Glück.»

«Wir loten jeweils sehr sorgfältig aus, wie wir unsere Ressourcen einsetzen. Wir werden eine kleine Verbesserung nach Japan bringen, ein Lösungsweg, den wir erkunden wollen. Wir haben ein Reglement, das weitgehend stabil bleibt, daher fliessen die Erkenntnisse mit solchen Teilen ins nächstjährige Auto mit ein. Aber grosse Evo-Schritte wie bis zum Sommer wird es bei uns keine mehr geben.»

Ferrari und Mercedes haben die Saison ganz unterschiedlich begonnen: Ferrari mit einem sehr windschlüpfigen Auto, ganz auf Top-Speed ausgelegt, Mercedes mit mehr Abtrieb, etwas weniger schnell auf den Geraden daher, dafür flotter in den Kurven.

Toto Wolff glaubt nicht an eine richtige oder falsche Fahrzeug-Philosophie: «Zwischen einem sehr windschlüpfigen Auto und einem Renner mit mehr Luftwiderstand liegen vielleicht zwei Zehntel. Das ist nicht so viel. Das hat einen Effekt, aber keinen enormen. Natürlich schauen wir uns genau an, was die Anderen machen. Aber man muss das auch in die richtige Perspektive rücken.»

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