Renault-Teamchef Abiteboul: «Schon lange so gefahren»

Von Agnes Carlier
Formel 1
Cyril Abiteboul (rechts) am Renault-Kommandostand in Monza

Cyril Abiteboul (rechts) am Renault-Kommandostand in Monza

​Dem Pariser Cyril Abiteboul, Teamchef des Werksrennstalls von Renault, fällt es schwer, die Disqualifikation seiner Autos zu verdauen. «Wir sind mit diesem Bremssystem schon lange so gefahren.»

Die FIA-Regelhüter haben geurteilt: Die von Renault in dieser Weise verwendete Bremsbalance-Verstellung ist eine unerlaubte Fahrhilfe, weil sie dem Fahrer gewisse Funktionen abnimmt, um es einfach zu erklären. Viele Leser haben daraufhin gefragt: Gut, Renault ist die Ränge 6 und 10 von Ricciardo und Hülkenberg in Suzuka los, aber was war mit den Rennen vorher?

Bordaufnahmen von Daniel Ricciardo aus dem vergangenen Testwinter zeigen: Der Australier fuhr mit diesem System schon in Barcelona. Renault-Teamchef Cyril Abiteboul geht noch einen Schritt weiter und enthüllt: «Wir sind schon länger damit gefahren. Wir haben uns so an dieses System gewöhnt, dass uns nicht in den Sinn gekommen ist, es könnte nicht legal sein.»

Die FIA gestand, dass Renault keinen Paragraphen des technischen Reglements verletzte, wohl aber das Sportgesetz, wonach ein Pilot sein Auto ohne fremde Hilfe fahren muss.

Abiteboul stört es, wie das alles abgelaufen ist: «Der normale Weg wäre gewesen, dass ein gegnerischer Rennstall bei der FIA vorstellig wird und sich erkundigt, ob ein gewisses System okay ist. Denkbar auch, dass man mit uns hätte sprechen können. Aber nicht so, nicht an einem GP-Wochenende, nicht in Form eines Protests, nicht indem damit die Rennkommissare in die ganze Sache hineingezogen werden. Das hätte uns die Möglichkeit gegeben, das anders zu lösen. Und vor Suzuka war unser System nie Anlass zu Spekulationen.»

«Die FIA hat klipp und klar gesagt, dass wir aus technischer Sicht legal unterwegs gewesen sind. Gut, man kann das als Fahrhilfe einstufen, aber dann müsste man konsequenterweise sagen – die automatische Energierückgewinnung und die Art und Weise, wie sie Power zurückgibt, ist auch eine Fahrhilfe. Die Regeln sind in manchen Belangen eben eine subjektive Sache.»

Auf die Frage, wie lange genau Renault schon mit diesem System fahre, meint Abiteboul: «Ich will da nicht ins Detail gehen, aber jedenfalls über diese Saison hinaus.»

Abiteboul sieht sich nicht als Täter, sondern als Opfer: «Die Regeln werden immer komplizierter. Wir sagen ja nicht, die FIA habe mit ihrem Urteil Unrecht. Aber macht es den Wagen schneller? Es ging mehr darum, die Arbeitslast des Piloten zu verringern. Die Grenze zwischen Fahrhilfe und nicht Fahrhilfe, die verläuft fliessend. Die Rennkommissare haben beschlossen, dass dieses System so nicht akzeptabel sei, so sei es. Aber streng ist das schon. Das wirft einen Schatten auf unsere Arbeit. Wir werden an diesem Wochenende ja sehen, ob dieses Bremssystem ein Leistungssteigerungs-Faktor war oder nicht.»


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