2. Training Austin (USA): Hamilton 1., Grosjean-Crash

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Zweites freies Training zum Grand Prix der USA auf dem Circuit of the Americas bei Austin (Texas): Lewis Hamilton erzielte dank eines schönen Windschattens Bestzeit, Romain Grosjean zerknüllte seinen Haas.

Die Herren Formel-1-Fahrer werden auf dem Waschbrett namens Circuit of the Americas tüchtig durchgerüttelt. Lewis Hamilton meldete sich am Funk und schimpfte: «Das ist die welligste Rennstrecke, die es gibt!» Darüber musste der frühere GP-Pilot und Sportwagen-Weltmeister Anthony Davidson lachen: «Dann ist Lewis ganz offenbar noch nie in Sebring gefahren!»

Zugegeben, die Wellen sind übel. Der Untergrund der Rennstrecke ist weich, die Piste senkt sich. Ein Teil der Bahn musste vor dem GP-Wochenende frisch asphaltiert werden, der Rest wird vor der Ausgabe 2020 einen neuen Belag erhalten. Anthony Davidson weiter: «Darüber hinaus müssen die Fahrer und ihre Ingenieure mit den Buckeln und Wellen leben, dafür gibt es so etwas wie die Abstimmung. Da muss man halt auch mal die Bodenfreiheit erhöhen, selbst wenn dies der Aerodynamik abträglich ist.»

Ich fand es interessant, dass sich ausgerechnet Lewis hier über die Wellen beklagt. Denn der gleiche Hamilton hat auf seiner Heimstrecke Silverstone zum Thema Waschbrett im Juli 2010 gesagt: «Viele beschweren sich über die Bodenwellen, aber sie verleihen einer Strecke auch Charakter. Natürlich wirken sie sich auf die Balance aus, aber es ist durchaus eine Herausforderung. Du musst halt immer wieder neue Linien suchen, um die Bodenwelle so gut es geht zu befahren. Ich finde nicht, dass man etwas ändern sollte, aber mir ist klar, dass einige Fahrer lieber eine ebene Strecke haben.»

Die Bestzeit von Max Verstappen im ersten Training war kein Zufall gewesen, sondern das Ergebnis eines Red Bull Racing-Chassis, welches Buckel besser verdaut als die Renner von Ferrari und Mercedes-Benz.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: «Wir hatten im Wagen von Charles Leclerc ein Problem mit der Gasbetätigung. Ich würde nicht wagen zu behaupten, dass die Wellen in Sachen Standfestigkeit keine Rolle spielen werden.»

Aber McLaren-CEO Zak Brown meint: «Ja, die Wellen sind markant, aber niemand muss sich Sorgen machen, dass die Chassis das nicht verkraften. Aber der eine oder andere Fahrer wird patzen, da bin ich mir ganz sicher.»

Ferrari warnte Charles Leclerc, vor einer bestimmten Welle zu schalten und nicht in jenem Moment, wenn sein Wagen  darauf trifft.

Erneut rückten zahlreiche Fahrer mit den 2020er Prototypen-Reifen von Pirelli aus, leicht erkennbar daran, dass sie keine Farbmarkierung aufweisen.

Rote Flagge nach 10 Minuten: Romain Grosjean verlor seinen Haas-Renner in den S-Kurven der Passage zwischen den Kurven 3 und 7 aus der Kontrolle, er streifte den Frontflügel ab und zerknitterte die linke Vorderradaufhängung. «Ich bin in Ordnung, aber das Auto ist es nicht», sagte der Genfer am Funk.

Blöd für Haas: Am Wagen steckte einer von zwei neuen Frontflügeln, die an die Lösung von Ferrari erinnern und welche die Reifenprobleme von Haas verringern sollen. Noch ist unklar, ob der Flügel repariert werden kann.

An jener Stelle hatte schon McLaren-Fahrer Carlos Sainz einen Dreher, im ersten Training, ohne jedoch anzuschlagen. Der Madrilene fährt übrigens hier in Texas mit einem besonderen Helm – zu seinem 100. GP-Wochenende.

Reihenfolge nach einer halben Stunde: Ferrari-Fahrer Leclerc vor Verstappen, gefolgt von den beiden Silberpfeilen von Hamilton und Bottas sowie Sebastian Vettel.

Nächster Mann neben der Bahn: Alfa Romeo-Sauber-Fahrer Antonio Giovinazzi, Dreher in Kurve 6, beim Italiener wurde aber nur der Stolz verletzt.

In der Box von Mercedes ist Pete Bonnington zurück, nach seinem Eingriff in England hatte der Hamilton-Renningenieur Mexiko auslassen müssen. Er informierte den Weltmeister darüber, wie er sich in Sektor 1 verbessert hatte. Lewis maulte zurück: «Ich bin noch voll dabei.» Der Champion mag es nicht, wenn seine Konzentration auf ultraschnellen Runden gestört wird.

Nach 45 Minuten fuhr Vettel eine Quali-Simulation: neue Bestzeit, zwei Zehntel schneller als Bottas, der zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls auf den rot markierten Pirelli unterwegs war. Dann antwortete Charles Leclerc: 1:33,533, dreieinhalb Zehntel schneller als Vettel.

Was hatte Weltmeister Hamilton entgegenzusetzen? Der Brite fuhr weitere drei Zehntel schneller als Leclerc! Er jagt seine erste Pole-Position seit Hockenheim Ende Juli. Auffällig: Auf der Gegengeraden profitierte der Champion von einem schönen Windschatten eines Williams, darüber werden sich nun die Strategen der Teams zu Köpfe zerbrechen.

FIA-Rennleiter Michael Masi und seine Kommissare Garry Connelly (Australien), José Abed (Mexiko), Derek Warwick (England) und Dennis Dean (USA) setzen weiter um, was in der Qualifikation vom Samstag ein grosses Thema werden konnte: Reihenweise fuhren die Piloten in der schnellen Linkskurve 19 von der Bahn (das ist die zweitletzte Kurve vor Start und Ziel); wenn das passiert, wird die entsprechende Rundenzeit gestrichen.

Schreckmoment für Sebastian Vettel zwölf Minuten vor Schluss: Dreher in Kurve 15 auf den harten Pirelli. Der vierfache Weltmeister konnte seinen Wagen zur Box zurückbringen. Kurz darauf kreiselte auch Daniil Kvyat (Toro Rosso-Honda), in Kurve 19.

Wie sehen die Dauerläufe aus? Als Ferrari-Pilot Charles Leclerc der Rhythmus von Hamilton auf weichen Reifen ins Auto gefunkt wurde, antwortete der Monegasse: «Keine Chance, dass ich das schaffe.»

Im Dauerlauf erreichte Max Verstappen in sieben Runden einen Schnitt von 1:39,7 min, Hamilton kam auf 1:39,8 (über 8 Runden), Leclerc auf 1:40.2 (8).

Zum Schluss änderte sich nichts mehr. Die Top-Ten nach dem zweiten freien Training: Hamilton vor Leclerc, Verstappen, Vettel, Bottas, Albon, Gasly, Sainz, Stroll und Giovinazzi.


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