Erster Miami-GP 2021: Wichtige Hürde genommen

Von Adam Cooper
Formel 1

​Carlos A. Giménez, Bürgermeister von Miami-Dade County, hat per Veto vielleicht den Miami-GP gerettet: Ein Antrag hatte zum Ziel, öffentliche Strassen für den geplanten WM-Lauf nicht zu erlauben.

Eine wichtige Hürde zum möglichen Grand Prix von Miami 2021 ist genommen: Carlos A. Giménez, Bürgermeister von Miami-Dade County, hat per Veto einen Antrag blockiert – dieser Antrag sah vor, dass für ein Strassenrennen rund ums Hard Rock Stadium öffentliche Strassen nicht verwendet werden dürfen. Damit wäre die geplante Streckenführung unmöglich geworden, denn das Layout sieht vor, dass die Piste über 800 Meter auf der 199. Strasse entlangführt.

Bürgermeister Giménez hat sich schon mehrfach für ein Formel-1-Rennen in Miami-Dade ausgesprochen. Sein Veto bedeutete nichts Anderes als dass die GP-Befürworter mehr Zeit erhalten, die GP-Kritiker davon zu überzeugen, dass ein Formel-1-Lauf für die Region eine gute Sache ist.

Der gelernte Feuerwehrmann Carlos A. Giménez hat über seine sozialen Kanäle bestätigt: «Ich habe diesen Antrag Kraft meines Veto-Rechts blockiert. Ich habe mich mit Anwohnern von Miami Gardens getroffen und mit Vertretern des Stadions. Wir nehmen die Bedenken in Sachen Lärm, Luftverschmutzung und Behinderung nicht auf die leichte Schulter. Wir wollen zum Wohle unserer Wirtschaft einen Kompromiss finden, mit dem alle leben können.»

«Ich halte es für verfrüht, einen Anlass wie ein Formel-1-Rennen schon im Ansatz abzuwürgen. Mein Veto gibt uns allen Zeit, in Ruhe über eine gemeinsame Lösung zu verhandeln.»

Aber der Weg zu einem zweiten Grossen Preis in den USA in Miami bleibt steinig. Schon vor Monaten musste der Plan begraben werden, in Downtown, genauer: im Bayfront-Gebiet zu fahren – zu viele Einsprachen der Anwohner, zu viele Klagen von Händlern, die Angst davor hatten, dass ihre Geschäfte über Wochen zugebaut würden. Plan B ist eine Streckenführung beim Hard Rock Stadium, dem Zuhause des Football-Teams Miami Dolphins, das liegt im Norden von Miami, gut 20 Autominuten von jener American Airlines Arena entfernt, um welche der Miami-GP-Kurs eigentlich hätte führen sollen. Um genau zu sein, liegt die Strecke in einer anderen Stadt, Miami Gardens.

Tom Garfinkel, CEO der Miami Dolphins und des Hard Rock Stadions: «Wir haben hier reichlich Land, also könnten wir beim Hard Rock Stadion einen Weltklassekurs bauen, der keine bestehende Infrastruktur beeinträchtigt.» Formel-1-Geschäftsleiter Sean Bratches und Tom Garfinkel sagten in einer gemeinsamen Erklärung Mitte Oktober: «Wir haben ein grundsätzliches Abkommen zur Austragung eines Miami Grand Prix beim Hard Rock-Stadion. Wir glauben, ein solches Rennen wird pro Jahr 400 Millionen Dollar in die Wirtschaft von Südflorida pumpen, einschliesslich 35.000 zusätzlicher Hotelnächte. Wir sind den Fans, den Offiziellen und der Tourismusbehörde dankbar für ihre Geduld und ihre Unterstützung.»

Aber der Weg zu einem neuen Formel-1-Rennen in Florida ist noch sehr lang. Zunächst braucht das Projekt die Zustimmung der Kommissionsmitglieder des Landkreises Miami-Dade. Die bislang zuständige Barbara Jordan und auch ihr Nachfolger Oliver Gilbert haben sich beide gegen ein Autorennen beim Stadion ausgesprochen. Zweite Hürde: Widerstand gibt es auch von Aktivistin Betty T. Ferguson, welche sich um Anliegen der Anwohner rund ums Stadion kümmert. Die Bedenken der Menschen sind die gleichen wie zuvor an der Bayfront: Verkehr, Lärm, Verschmutzung.

Die Gegner des Autorennens haben eine öffentliche Anhörung gefordert, um die vollen Auswirkungen eines Formel-1-WM-Laufs zu erörtern. Ferguson kennt die Abläufe als frühere Bevollmächtigte im Landkreisrat genau. Sie sagt bei einer Sitzung im Rathaus von Miami am Dienstag: «Die meisten Anwohner von Miami Gardens wollen nichts von einem Formel-1-Rennen wissen beim Hard Rock Stadion. Der Stadtrat von Miami Garden hat bereits gegen eine solche Veranstaltung gestimmt. Wir haben es zu oft erlebt, wie den Menschen ein rosarotes Bild vorgegaukelt wird. Wir werden es nicht erlauben, dass die Formel 1 uns einfach überfährt.»

Oliver Gilbert, Bürgermeister von Miami Gardens, sagt: «Wir verstehen, wie Tourismus funktioniert. Aber das hier soll eine lebenswerte Stadt sein, nicht nur ein Ort, den Menschen für eine Veranstaltung geniessen und dann wieder gehen. Natürlich bringt die Formel 1 Besucher und Geld, aber es geht um jene Menschen, die hier leben. Wir sind nicht gegen alle Veranstaltungen im Stadion. Aber wir sind gegen die Formel 1 hier.»

Der Stadtrat will zur Zukunft des Miami-GP im Dezember eine weitere Anhörung ansetzen.

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