Ross Brawn über Max Verstappen: «Warnung für 2020»

Von Rob La Salle
Formel 1

​Formel-1-Sportchef Ross Brawn analysiert die Leistungen von Brasilien-Sieger Max Verstappen (Red Bull Racing-Honda) und des Sensations-Zweiten Pierre Gasly (Toro Rosso-Honda).

Was für ein Rennen! Wer hätte noch vor wenigen Tagen vorhergesagt, dass die ersten Drei des Brasilien-GP Max Verstappen, Pierre Gasly und Carlos Sainz heissen würden? Formel-1-Sportchef Ross Brawn lobt: «Während Max Verstappen in Interlagos mit Sicherheit der stärkste Mann war, so gab es doch die eine oder andere Schrecksekunde – ich erinnere daran, wie Williams in der Boxengasse Robert Kubica freie Fahrt gab und der Pole arg knapp vor Verstappen hinausfuhr; ich erinnere daran, dass Max im Rennen zwei Mal an Lewis Hamilton vorbeigehen musste, nicht eben die einfachste Aufgabe.»

«Der Rennwagen von Red Bull Racing-Honda war das schnellste Auto in Brasilien, aber ich sah auch einen Verstappen in Höchstform. Er hat keinen einzigen Moment gezögert, er hat sich auf das Einschätzungsvermögen seiner Ingenieure und Strategen blind verlassen, er hat eine makellose Siegesfahrt gezeigt aus Tempo, Wucht und Präzision.»

«Vor allem beim zweiten Re-Start hat er mir Eindruck gemacht, als er das Feld erheblich verlangsamte. Auf diese Weise schützte sich der Niederländer davor, in der ersten Kurve aus dem Windschatten heraus überholt zu werden, wenn es wieder losgeht, sehr clever!»

«Max hat nun drei Saisonrennen gewonnen, in Österreich, in Deutschland und in Brasilien, und von all diesen Darbietungen finde ich Interlagos deshalb die eindrucksvollste, weil sein Auto mindestens so gut war wie jedes andere im Feld. Das ist für die Gegner eine Warnung hinsichtlich 2020 – mit Red Bull Racing und Honda wird zu rechnen sein.»

«Vermutlich hat es kaum jemand bemerkt, aber für mich ist das schon ein Zeichen: Brasilien 2019, das ist ein neuer Rekord, nie war das Durchschnittsalter der ersten Drei niedriger! Verstappen, Gasly und Sainz kommen auf einen Schnitt von lediglich 23 Jahren, 8 Monaten und 13 Tagen. Der alte Rekord liegt elf Jahre zurück, in Monza 2008 waren Sebastian Vettel, Heikki Kovalainen und Robert Kubica 23 Jahre, 11 Monate und 16 Tage jung.»

«Pierre Gasly hat mit Toro Rosso genau das getan, was ein Pilot aus einem Mittelfeldrennstall machen sollte, wenn einige Top-Fahrer patzen – eine Chance eiskalt nutzen. Und das war nicht einfach Glück. Gasly war schon das ganze Training über sehr stark und sein Tempo war auch im Rennen beachtlich.»

«Ich habe mich sehr gefreut für Pierre. Nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte neben Max Verstappen bei Red Bull Racing und der Versetzung zu Toro Rosso hat er sich gefangen und seit August einige bärenstarke Rennen gezeigt. Toro Rosso hat sogar die Möglichkeit, in der WM sensationeller Fünfter zu werden. Die Italiener liegen nur acht Punkte hinter Renault, und wenn sie Rang 5 erringen könnten – im letzten Jahr von Toro Rosso, denn 2020 heisst das Team Alpha Tauri – dann wäre das zum Abschluss wirklich ein passendes Ausrufezeichen.»

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