Ex-Sauber-Pilot JJ Lehto: Irre Verschwörungstheorie

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der frühere Formel-1-Fahrer JJ Lehto begibt sich auf das dünne Eis der Verschwörungstheorien: Der frühere Sauber-Pilot stellt die Frage in den Raum, ob sich Mercedes in Brasilien absichtlich schlagen liess.

Die Formel 1 ist für Verschwörungstheoretiker immer wieder ein fruchtbarer Nährboden. Es ist rundweg hanebüchen, was hin und wieder über die Königsklasse verbreitet wird. Ich kann mich noch an eine Begebenheit vor ein paar Jahren erinnern, als sich in der Box von Lewis Hamilton die Defekthexe eingenistet hatte. Bald kursierte in Fan-Foren die unfassbare Unterstellung – Mercedes wolle eben nicht, dass Lewis Hamilton Weltmeister werde, weil ihnen als deutsche Firma ein deutscher Champion lieber sei, also Nico Rosberg.

Das ging so weit, bis offen über Sabotage gegen Hamilton spekuliert wurde, und das war dann der Moment, als Teamchef Toto Wolff mal kurz der Geduldsfaden riss. Der Wiener meinte: «Wer uns so etwas unterstellt, der ist wahnsinnig, das kann man doch nicht ernst nehmen! Wieso um alles in der Welt sollten wir selber einen Fahrer zurückbinden? Wir wollen den Marken-WM-Titel einfahren, da werden wir doch nicht freiwillig Punkte herschenken! Aber mir ist natürlich auch aufgefallen, dass es in den sozialen Netzwerken sehr viel Schelte für uns gibt, und da ist der Weg nicht mehr weit zu allerlei Verschwörungstheorien. Ich reagiere in solchen Situationen immer gleich: Am liebsten würde ich solche Schwachsinnsverbreiter nicht einmal ignorieren. Der Gedanke schmerzt mich, dass wir einem Mann, der für uns WM-Titel eingefahren hat, absichtlich Schaden zufügen sollten. Er hat uns nie im Stich gelassen, also wieso sollten wir ihm das zuleide tun? Nein, die Wahrheit ist einfach – dies ist ein mechanischer Sport, in dem es zu Defekten kommen kann und fertig.»

«Wir tun uns ein wenig schwer damit, Leute ernst zu nehmen, die mit dem Laptop auf der Brust im Bett herumfläzen und beleidigende Nachrichten tippen. Manchmal frage ich mich wirklich, was in solchen Köpfen so vor sich geht. Die Leute werden jetzt vielleicht denken – warum reagiere ich so heftig auf dieses Gerede? Der Grund ist: Ich will mich schützend vor meine Jungs stellen, die sich Tag und Nacht ein Bein ausreissen, um unseren Fahrern das bestmögliche Auto hinzustellen. All die Verschwörungstheorien finde ich eine Beleidigung für ihre tägliche Arbeit. Das ist nicht zu entschuldigen und äusserst unfair. Ich will nicht, dass unsere Fachkräfte solch dummes Zeug persönlich nehmen.»

Gut möglich, dass Toto Wolff nun ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen – denn der frühere Formel-1-Fahrer JJ Lehto hat sich mal eben kurz aufs dünne Eis der Verschwörungstheorien hinausgewagt.

Der 53jährige Finne, von 1989 bis 1994 in der Formel 1 unterwegs, arbeitet heute ab und ans für den finnischen Sender MTV. Dem früheren Sauber-Fahrer (WM-Zwölfter 1991) ist beim Grossen Preis von Brasilien aufgefallen: «Wir dürfen nicht vergessen, dass Mercedes beide WM-Titel bereits im Trockenen hatte. Also mussten sie in Südamerika nicht unbedingt gewinnen.» Und jetzt kommt der Hammer, den Lehto in der Tageszeitung Iltalehti fallen lässt: «Das könnte bedeuten, dass sie in Interlagos mit reduzierter Leistung gefahren sind – um die Gegner besser aussehen zu lassen.»

Der 62fache GP-Teilnehmer begründet: «Ich fand, Hamilton hätte auf frischen Reifen schneller sein müssen. Und gegen den Schluss des Rennens wirkte sein Wagen richtig schwerfällig. Ich war überrascht, dass der Toro Rosso von Gasly schneller war. Könnte da nicht eine Verschwörungstheorie begraben sein?»

Wir erlauben uns eine Antwort: eher nicht. Wer alleine den Ehrgeiz von Mercedes und der beiden Fahrer kennt, der weiss – hier gibt es keine Geschenke für die Konkurrenz. Wir kennen auch über Mercedes hinaus niemanden in der Formel 1, der ein gutes Ergebnis freiwillig herschenkt. Die Logik einer Verschwörung hat hier so grosse Löcher, dass drei GP-Renner nebeneinander hindurchfahren könnten.

Immerhin stimmen wir bei der nächsten Feststellung von Lehto gerne zu: «Es ist schön zu sehen, dass die anderen Motorhersteller Fortschritte gemacht haben. Die Antriebseinheiten von Ferrari, Mercedes, Honda und Renault liegen in Sachen Leistung beisammen. Das ist hinsichtlich der Saison 2020 ein ermutigendes Zeichen.»

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