Saudi-Arabien: Ab 2023 im Formel-1-Kalender?

Von Rob La Salle
Formel 1
In Saudi-Arabien soll eine Top-Rennstrecke entstehen

In Saudi-Arabien soll eine Top-Rennstrecke entstehen

Kaum ist der erste Auftritt der Dakar-Helden in Saudi-Arabien Geschichte, wird schon das nächste Motorsport-Highlight geplant: Vor den Toren von Riad soll eine Strecke entstehen, auf der auch die F1 unterwegs sein soll.

Noch existiert keine Vereinbarung zwischen den Formel-1-Verantwortlichen und den Saudis, doch Berichten zufolge soll die Unterzeichnung eines GP-Ausrichtungsvertrages für die stolze Summe von rund 58 Millionen Euro pro Jahr nicht mehr lange dauern. Am gestrigen Freitag wurden denn auch die Pläne für einen entsprechenden Rundkurs präsentiert, der südwestlich von Riad im Rahmen des Unterhaltungsgrossprojekts Qiddiya entstehen soll.

Der Qiddiya-Rundkurs, der aus der Feder des österreichischen GP-Rentners und ORF-Experten Alex Wurz stammt und den strengsten FIA-Standards genügen soll, sei bereits ab 2023 bereit, die Königsklasse des Vierradsports oder auch die MotoGP zu begrüssen, wie CEO Mike Reiniger gegenüber BBC Sport bestätigt hat. Er offenbarte auch, dass die Gespräche über einen entsprechenden Deal zwischen den Formel-1-Oberen und den Saudis schon laufen, auch wenn dieser nicht an das Projekt in Qiddiyah gebunden ist ist.

Während sich die Formel-1-Verantwortlichen bei diesem Thema vorerst zurückhalten, stellt sich Streckendesigner und Saudi-Berater Wurz gerne hinter das Grossprojekt. Es sei ein einmaliges Privileg, die ganze Bewegungs- und Mobilitätszone samt Strecke in Qiddiya entwerfen zu dürfen, erklärte der 45-Jährige. «Das Projekt eröffnet uns die überwältigende Chance, eine Strecke zu entwerfen, die sowohl für die Fahrer als auch für die Fans eine echte Motorsport-Arena sein wird.»

Die Daily Mail berichtet, dass bereits 2021 ein Grand Prix im Wüstenstaat stattfinden könnte, dann allerdings als Strassenrennen durch Jeddah. Die meisten Experten gehen aber eher von einem späteren WM-Einstieg Saudi-Arabiens aus. Eine grosse Rolle dürfte dabei ein Sponsoren-Deal zwischen dem saudischen Ölgiganten Aramco und der Formel 1 spielen, der laut Sportsmail abgeschlossen, aber noch nicht bekanntgegeben wurde.

Der frühere Staatskonzern ging am 11. Dezember 2019 an die Börse, was sich als bisher grösster Börsengang der Wirtschaftsgeschichte gestaltete. Vor dem Börsenstart wurde der Riese mit 1,88 Bio. US-Dolllar bewertet, das Aktienpaket brachte insgesamt stolze 28,2 Milliarden Dollar ein.

Ein F1-Deal mit Saudi-Arabien würde mit Blick auf die Menschenrechtslage im Land bestimmt nicht von allen Seiten bejubelt werden, Amnesty International bezichtigte die Regierung mittels sportlicher Grossanlässe Imagepflege zu betreiben, was abschätzig als «Sportwashing» bezeichnet wurde. Für die Formel 1 sind diese Diskussionen allerdings nichts Neues, auch bei den Rennen in Bahrain oder China wird immer wieder Kritik laut.

Das Riesenprojekt Qiddiya wird von Abdulaziz bin Salman bin Abdulaziz Al Saud vorangetrieben. Der 59-jährige Kronprinz ist Motorsport-begeistert. Er hat sogar schon die Kinigadner Fullgas-Tage im Zillertal besucht. Er ist der vierte Sohn von König Salam bin Abdulaziz, gilt inzwischen als Nummer 3 in Saudi-Arabien und waltet seit 8. September 2019 als einflussreicher Energie-Minister. Erstmals hat dieses Amt ein Mitglied der Königsfamilie inne.

Das «Al Qiddiya Entertainment Megaproject» wird von Abdulaziz bin Salman bin Abdulaziz Al Saud vorangetrieben und soll Las Vegas eines Tages übertrumpfen. Die Bauarbeiten sind zu Jahresbeginn 2019 gestartet worden. Es ist eines der gewaltigen Tourismus-Projekte im Land und Bestandteil der «Saudi Vision 2030», die das Königsreich vom Erdöl unabhängig machen sollen.

Das Riesenprojekt setzt sich aus insgesamt fünf Projekten zusammen. CEO ist Michael «Mike » Reininger. Die Phase 1 wird 2023 eröffnet. Das «Six Flags Qiddiya» wird dann eine Familienattraktion darstellen. Bis dahin soll in der Wüste «Qiddiya City» aus dem Boden gestampft werden, ca. 40 km von der Hauptstadt Riad entfernt. Das Publikum soll mit feudalen Erholungszentren, Vergnügungsparks, modernen Sportzentren, üppigen Fahrradwegen, Wasserparks, einmaligen Kulturstätten und prächtige Naturlandschaften angelockt werden.

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