Nico Hülkenberg: «Ohne weiche Reifen wirds härter»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Teamchefin Monisha Kaltenborn und Nico Hülkenberg

Teamchefin Monisha Kaltenborn und Nico Hülkenberg

Der Sauber-Fahrer vor dem Bahrain-GP: «Punkte erobern wird ein hartes Stück Arbeit.»

Das Fahrerlager von Bahrain: 37 Grad im Schatten, die Leute schwitzen nur schon beim Ein- und Ausatmen. Nico Hülkenberg setzt sich zur Medienrunde mit den deutschsprachigen Kollegen – für einen Blick zurück und einen voraus.

Nico, im Laufe des China-GP schien dein Sauber-Rennen an Leistungsfähigkeit einzubüssen. Seid ihr da bei der Analyse einen Schritt weitergekommen?

Ich glaube, da kamen verschiedene Faktoren zusammen, wieso wir im letzten Rennteil etwas abgefallen sind. Die Balance des Wagens war nicht mehr so gut, ich habe ziemlich viel Untersteuern gekriegt, was möglicherweise mit den Umgebungs- und Pisten-Temperaturen zusammenhängt. Wir reden da von rund 15 Grad, um die es im Laufe des Rennens kühler geworden ist. Zudem haben wir noch immer viel Arbeit mit dem Wagen vor uns, auch wenn der neue Heckflügel einiges gebracht hat.

Es wird ja wieder Rennen geben, in welchen die Temperaturen sinken. Wie federt man das dann ab?

Also so extrem ist das bei anderen Rennen kaum. Da müsste es in Europa ja schon zuerst sonnig sein und dann anfangen zu regnen. In Asien ist da die Sonne langsam untergegangen, und ich glaube nicht, dass wir viele solcher Rennen haben. Es ist an uns, darauf zu reagieren. Aber es ist nicht so einfach, da die richtigen Antworten zu finden.

Vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen: Bist zu zufrieden damit, dass Pirelli für hier umgestellt hat auf hart um medium?

Nein, ich hätte lieber den weichen Reifen hier im Angebot gehabt.

Warum?

Weil uns der gut liegt.

Du hast vor kurzem gesagt, dass euch die China-Strecke von der Charakteristik her eher entgegen kommt als Bahrain. Gibt es nach dem Rennen in Shanghai Erkenntnisse, welche das erhärten oder entkräften?

Ich schätze unsere Aufgabe einfach als schwieriger ein hier. Wir haben zwar das Auto verbessert mit dem neuen Heckflügel und morgen Freitag probieren wir weitere frische Teile, am Unterboden. Die helfen uns hoffentlich in jenen Bereichen, wo wir zulegen müssen. Aber ob die wirklich helfen, werde ich erst morgen wissen. Generell stimmt es aber schon – Strecken mit flüssigen Kurven schmecken dem Wagen besser als Stop-and-go-Pisten. Aber auf lange Sicht ist das natürlich kein Zustand: daran müssen wir arbeiten, und wir sind auch schon dabei.

Was überwiegt bei den 2013er Reifen – die Gefahr, sie zu sanft zu behandeln oder sie zu hart ranzunehmen?

Es ist einfacher, sie zu überfordern als andersrum.

Als du vor Vettel in Führung lagst, wie sehr hast du da an die Reifen gedacht?

Nun, wenn du einmal vorne bist, dann willst du natürlich diese Position so gut als möglich nutzen. Da fährst du schon volles Hörnchen. Ich bin so zügig und gut und schnell gefahren, wie es eben ging. Aber habe mit den Reifen auch kein Harakiri begangen. Du darfst nicht zu sehr rutschen, sonst baut er zu schnell ab. Unterhalb dieser Rutschgrenze bin ich gefahren, was ging.

Es scheint Fahrer zu geben, die muss man beim Reifen-Management von der Boxenmauer aus dirigieren. Und bei anderen hört man dazu keinen einzigen Funkspruch, die scheinen selber zu wissen, was zu tun ist. Wo siedelst du dich da an?

Ich bin einer, der so schnell fährt, wie es geht. Es sei denn, man verfolgt eine ganz andere Strategie und weiss in einer bestimmten Rennphase, dass man sich etwas zurückhalten muss, um später Reserven zu haben. Aber generell haben unser Jungs an der Boxenmauer natürlich auch ganz andere Informationen als ich über Reifentemperaturen oder den Druck in den Walzen. Da bekommst du als Fahrer natürlich auch entsprechende Rückmeldungen.

Macht es Spass, wenn man sich zurückhalten muss?

Es ist jedenfalls nichts Neues, das war schon 2012 so und auch 2011. Es ist wirklich nicht so, als ob das vor kurzem um die Ecke gekommen wäre. Aber ja ­– es würde mehr Spass machen, jede Runde zu fahren wie im Qualifying. Aber diese Situation ist nun mal Teil der modernen Formel 1. Und das ist auch ein Teil der Herausforderung für uns.

Würdest du sagen: Bei den ersten drei Rennen wurde ein Teil der Überholzonen falsch gesetzt? So dass es schon fast zu einfach war, dank des flach gestellten Heckflügels zu überholen?

Also in Malaysia fand ich das gar nicht so einfach, selbst mit DRS. In Shanghai war es vielleicht etwas zu einfach.

Du bist aus den letzten vier Rennen, also einschliesslich Brasilien 2012, der Mann mit den meisten Führungsrunden. Was hältst du davon?

Das ist schön, bringt mir aber gar nichts. Klar ist es ein schönes Gefühl, ein Rennen anzuführen, aber diese Statistik sagt nichts darüber aus, was ein Auto wirklich kann.  Und WM-Punkte kriegen wir auch keine dafür.

Was ist für Bahrain ein realistisches Ziel?

Das hängt davon ab, wie die neuen Teile morgen einschlagen. Das Ziel ist wie immer, am Sonntag ein paar Punkte zu erobern, aber das wird ein hartes Stück Arbeit.

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