Sergey Sirotkin: Im Ferrari-Oldtimer zur Superlizenz?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sergey Sirotkin blickt seiner Formel-1-Zukunft ruhig entgegen

Sergey Sirotkin blickt seiner Formel-1-Zukunft ruhig entgegen

Eine Lücke im Reglement gibt dem Moskauer Teenager Hoffnung: Wann sitzt der künftige Sauber-Fahrer in einem Ferrari aus den Jahren 2011 oder 2010?

Kein Sport schreitet so schnell voran wie die Formel 1: Mit einem mehrere Jahre alten Weltmeister-Auto wäre heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Aber was in Sachen Rundenzeiten als Formel-1-Oldtimer abgestempelt wird, könnte für den 17 Jahre jungen künftigen Sauber-Fahrer zum Sprungbrett Richtung Superlizenz werden, dem Formel-1-Führerschein für angehende Grand-Prix-Fahrer. Wir erklären, durch welche Hintertür Sirotkin in die Formel 1 gelangen kann.

Zur Erinnerung: Um den Formel-1-Führerschein namens Superlizenz zu erhalten, muss ein Fahrer gemäss Anhang L des FIA Sport-Kodex gewisse Bedingungen erfüllen. Die da wären (mit unseren Bemerkungen kursiv in Klammern):

Der Fahrer muss eine internationale Lizenz der Güteklasse A besitzen. (Der Antrag dazu wird vom jeweiligen nationalen Motorsportbehörde gestellt, also in diesem Falle von der russischen.)

Der Fahrer muss zusätzlich eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

a) Er muss in der vergangenen Saison bei mindestens fünf Grands Prix gestartet sein oder in den vergangenen drei Jahren bei mindestens fünfzehn Grands Prix. (Keines davon trifft auf Sirotkin zu.)

b) Er muss zuvor eine Superlizenz besessen haben und ein regulärer Testfahrer eines in der Formel-1-WM engagierten Teams gewesen sein. (Keines davon trifft auf Sirotkin zu.)

c) Er muss innerhalb der vergangenen Jahre eine der folgenden Meisterschaften unter den besten Drei abgeschlossen haben: Formel 2, internationale Formel-3-Trophy, GP2, Formel Nippon. (Keines davon trifft auf Sirotkin zu.)

d) Er muss die IndyCar-Meisterschaft innerhalb der vergangenen zwei Jahre unter den besten Vier abgeschlossen haben. (Auch hier Fehlanzeige.)

e) Er muss aktueller Meister einer der folgenden Rennserien sein: Formel-3-Euroserie, nationaler F3-Meister von Grossbritannien, Italien, Japan oder Spanien, World Series Renault V6. (Sirotkin liegt derzeit in der Formel Renault 3.5 auf Zwischenrang 9.)

f) Der Fahrer muss der FIA herausragende Fähigkeiten im Einsitzer bewiesen haben, ohne die Erforderungen von c) bis e) zu erfüllen. In diesem Falle muss der Fahrer unter Beweis stellen, dass er in der Lage ist, ein Formel-1-Auto über die Distanz von 300 Kilometern (eine Renndistanz) in konkurrenzfähigem Tempo zu bewegen. Dieser Test muss maximal 90 Tage vor Einreichen des Superlizenz-Antrags komplettiert sein vom Landesverband abgenommen sein.

Die Hintertür für Sirotkin

Das alles stellt Sauber vor ein Problem: Um die Superlizenz zu erhalten, müsste Sirotkin in seiner Meisterschaft gewaltig zulegen. Rein mathematisch kann er noch Renault-3.5-Meister werden, realistisch ist dies hingegen nicht. Und die Hintertür mit dem Test über 300 Kilometer ist verschlossen – hier steht Sauber das Testverbot innerhalb der Formel-1-Saison im Weg.

Und wo ist nun die Hintertür?

Im Passus f) steht nur «ein Formel-1-Auto über die Distanz von 300 Kilometern in konkurrenzfähigem Tempo bewegen». Es steht aber nichts da, was den Jahrgang eines solchen Autos angeht!

Gemäss Test-Reglement sind Einsätze von Fahrzeuge des Jahrgangs 2011 oder älter erlaubt. So hat Pirelli im Mai mit Ferrari gestetet, Pedro de la Rosa sass in einem 2011er Renner.Hier kommt nun auch das vorzügliche Verhältnis zwischen Ferrari und Sauber ins Spiel. Wann also sitzt der junge Sergey Sirotkin in einem älteren (aber noch immer sauschnellen) Ferrari? Und das vielleicht an einer Stelle, wo schon der damals blutjunge (und ähnlich unerfahrene) Kimi Räikkönen sein Debüt gab: in Mugello.

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