Michael Schumacher: Überlebt er die Nacht?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Corinna Schumacher muss um ihren geliebten Michael bangen

Corinna Schumacher muss um ihren geliebten Michael bangen

Der siebenfache Formel-1-Champion kämpft in Grenoble ums Überleben. Inzwischen weilen auch sein Vater Rolf und sein Bruder Ralf am Krankenbett des Skiunfall-Opfers.

Bange Stunden in Grenoble: Die komplette Familie von Michael Schumacher (44) harrt inzwischen am Bett des Rennidols und hofft auf das Beste – Gattin Corinna, die beiden Kinder, sein Bruder Ralf, sein Vater Rolf. Sie alle wünschen sich nur eines: dass es ihrem Michael bald wieder besser geht.

Ironie des Schicksals: Als Michael Schumacher vor einem Jahr zur «Legende des Sports» ausgezeichnet wurde, sagte er: «Als Legende bezeichnet zu werden, empfinde ich als unheimliche Ehre. Denn normalerweise liegen die Legenden ja nicht unbedingt über der Erde.» Diese Aussage bekommt heute eine beängstigend andere Bedeutung.

Die Anteilnahme nach dem schlimmen Unfall ist gewaltig (mehr dazu finden Sie  HIER). Es ist fast, als wäre die Motorsportwelt zum Stillstand gekommen und alle sehnen sich nach positiven Nachrichten aus Grenoble. Die Anfragen bei der Webpage von Michael Schumacher ist so gross, dass sie nicht mehr zu erreichen ist. Ralf Schumacher hat seine Webpage schwarz eingefärbt.

Niki Lauda, eine andere Rennlegende, ist bestürzt: «Da fährt Michael so viele Rennen und übersteht so viele gefährliche Momente, und dann wird er ausgerechnet bei einem Skiunfall so schwer verletzt. Ich bin fassungslos. Ich bete zum lieben Gott, dass alles wieder gut wird.»

Die kommende Nacht ist besonders kritisch, denn der französische Arzt Dr. Denis Safran weiss: «In einer solchen Situation kann sich der Zustand des Patienten sehr schnell in die eine oder andere Richtung verändern. Sollte sich der Zustand von Michael Schumacher verschlechtern, dann kann es sehr schnell gehen. Je länger sich der Zustand von Schumacher nicht verschlimmert, desto eher spielt die Zeit für ihn.»

Marc Penaud, Leiter der Uniklinik Grenoble Neurochirurg Professor Stéphan Chabardès sowie der leitende Anästhesist Professor Jean-François Payen haben bei einer Presskonferenz im Krankenhaus Montagmorgen um 11.00 Uhr ein düsteres Bild gezeichnet: Mehrfach-Verletzungen des Gehirns (mehr dazu lesen Sie  HIER), Grad und Dauer der Genesung völlig unklar.

Schumi wird im künstlichen Koma gehalten, sein Zustand genau überwacht, seine Körpertemperatur runtergekühlt auf 34, 35 Grad. Mehr können die Ärzte derzeit nicht tun. Traurige Tatsache: Bei einem Schädel-Hirn-Trauma der Stufe 3, wie bei Michael Schumacher, kommt jeder dritte Patient ums Leben.

Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Der frühere Formel-1-Rennarzt Prof. Gary Hartstein hält es für ein positives Zeichen, dass wir bislang nichts von der Notwendigkeit eines weiteren Eingriffs gehört haben (mehr dazu lesen Sie in seiner Kolumne HIER). Und auch Hartstein weiss: Keine weiteren Nachrichten über den Zustand des 91fachen GP-Siegers, das ist eher positiv zu werten.

Michael Schumacher ist in besten Händen

Es mag nur ein kleiner Trost für die Familie sein in diesen schweren Stunden, aber Schumi ist im so genannten CHU (Centre Hospitalier Universitaire) in besten Händen. Die Uniklinik von Grenoble beschäftigt mehr als 1300 Mediziner in zwölf Abteilungen. Jeder fünfte Patient wird aufgrund eines Bergunfalls eingeliefert. Das Traumazentrum gilt als ein wichtiger Knotenpunkt im medizinischen Netzwerk der nördlichen Alpen.

Die TV-Equipen harren vor dem Krankenhaus aus und warten auf ein Zeichen der Hoffnung. Es dringen kaum Informationen aus dem Krankenhaus. Vertiefende Erkenntnisse gibt es einen halben Tag nach der Pressekonferenz kaum.

Dr. Christoph Specht, Düsseldorfer Arzt und medizinischer Journalist bei den Kollegen von RTL: «Aus der Ferne ist kaum zu sagen, wie genau es wirklich um Michael Schumacher steht. Aber was die französischen Kollegen bei der Konferenz gesagt haben, macht mir grosse Sorgen. Diffuse Schäden, das hört kein Mediziner gerne, das ist kein guter Befund. Natürlich gibt es Fälle, bei welchen sich solche Unfallopfer vollständig erholt haben. Aber leider ist es auch so, dass bei vielen Opfern Schäden zurückbleiben. Was uns als Mensch ausmacht, ist ja im Hirn gespeichert. Je nachdem, welches Gebiet geschädigt worden ist, wird die Persönlichkeit nachher vielleicht eine veränderte sein.»

Kai Ebel von RTL: «Schumi ist kein Hasardeur!»

Noch immer ist unklar, wieso genau es zum Unfall kam. Fakt ist, dass Schumacher nur wenige Meter abseits der normalen Piste auf Felsen schlug – bei geringer Schneelage. Ob zuvor ein Ski kaputt gegangen war, ist derzeit Gegenstand von polizeilichen Untersuchungen. Möglich ist auch, dass eine aufgesprungene Bindung Ursache für den Sturz in die Felsen gewesen ist. Denkbar auch, dass Schumacher von der einen Piste auf eine andere kreuzen wollte und dabei ein unterm Neuschnee verborgenen Felsen getroffen hat.

Vielleicht ist Michael Schumachers Leben durch die schnelle Reaktion der Rettungskräfte gerettet worden. Und durch das Tragen eines Sturzhelms. Die französischen Ärzte sind davon überzeugt: «Ohne Helm hätte Herr Schumacher den Unfall nicht überlebt.» Doch genau dieser Kopfschutz soll beim brutalen Aufprall auf einen Felsen kaputt gegangen sein. Zog sich Schumacher seine schlimme Verletzung vielleicht bei einem zweiten Aufprall zu?

Schumacher kannte das Skigebiet in den französischen Alpen wie seine Westentasche. Die Familie besitzt in Méribel ein Chalet, sie mischte sich gerne unters Volk und kapselte sich durchaus nicht ab.
RTL-Reporter Kai Ebel: «Ich habe Michael zigmal Skifahren gesehen, aber ich würde ihn nie als Hasardeur bezeichnen. Michael geht nur kalkulierbares Risiko ein, innerhalb seiner ganz genau für ihn festgesteckten Grenzen. Ich würde ihn nie als leichtsinnig bezeichnen.»

Dennoch haben die Spezialisten in Grenoble mehrfach betont, dass ihrer Meinung nach der Skiunfall «bei sehr hohem Tempo» passiert ist.

Erst morgen Dienstag, am späteren Vormittag, wollen die Ärzte neu über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher informieren.

Sein Freund Felix Görner, Journalist bei RTL, hat eine Sendung über den Champion einst mit dem Satz begonnen: «Eine Katze hat neun Leben. Michael Schumacher hat nur eins.»

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