Marcel Schrötters Urteil: Unterschied zwischen den besten Teams und anderen
In 26 Jahren Supersport-WM triumphierten 13 Teams, doch nur vier gewannen mehr als einen Titel. Marcel Schrötter erklärt, welche Faktoren entscheidend sind, um dauerhaft vorne zu fahren.
Nach seiner langen GP-Karriere in den Klassen 125 ccm, Moto3 und Moto2 wechselte Marcel Schrötter nach der Saison 2022 ins SBK-Paddock und die Supersport-WM. In seinen ersten beiden Jahren im Team MV Agusta Reparto Corse eroberte der Bayer die WM-Ränge 3 und 5 sowie elf Podestplätze.
Weil er unbedingt eine Ducati haben wollte, ging Schrötter für 2025 zur tschechischen WRP-Mannschaft. Mit dieser gelang nur ein dritter Platz beim Auftakt in Australien, in der zweiten Saisonhälfte schaffte es der 33-Jährige mit der Panigale V2 nicht mal mehr in die Top-10.
Während der Saison gab es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, noch vor dem Saisonfinale in Jerez erfolgte die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen. Marcel unterschrieb Mitte Dezember einen Vertrag beim BMW-Team GERT56, mit dem er dieses Jahr neben der IDM Superbike auch die Langstrecken-WM bestreiten wird.
In den vergangenen Monaten hatte Marcel viel Zeit, um sich Gedanken zu machen, weshalb er 2025 auf den zehnten WM-Rang abgestürzt ist und daraus resultierend keinen Platz mehr in der Supersport-WM fand.
«Dass ich es am Schluss nicht mehr in die Top-10 schaffte, zeigt das Niveau der Supersport-WM», erzählte der Pflugdorfer im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com. «Es gab Qualifyings, in denen 18 Fahrer innerhalb 0,7 sec lagen. Die Dichte der Fahrer und Zeiten wird immer höher, aber das Niveau der Teams ist genauso wie vor ein paar Jahren – es gibt zwei, drei, vier Topteams. Dann gibt es noch ein paar gute und dann jene, die es zur Gaudi machen und jede Woche ihre Mannschaft auswechseln. Sie kaufen einmal ihr Material und fahren damit durch die Gegend. Das ist der Unterschied, weshalb einige Teams ständig vorne und andere ein oder zwei Jahre da und dann wieder weg sind.»
Der Blick in die Statistik offenbart: In 26 Jahren Supersport-WM triumphierten 13 Teams, doch nur vier von ihnen gewannen mehr als einen Titel. Klassenprimus sind die Niederländer von Ten Kate Racing mit zwölf gewonnenen Meisterschaften – neun mit Honda, drei mit Yamaha. Jeweils zwei WM-Titel gelangen Puccetti mit Kawasaki, Evan Bros mit Yamaha und Aruba mit Ducati.
Es gibt auch Teams, die gefühlt eine Gaudimannschaft sind.
Marcel Schrötter
«In meiner IDM-Zeit waren zwei Mechaniker und ich die Truppe», erinnerte sich Schrötter an seine Anfangsjahre. «Dann war noch jemand dabei, der uns mit den Reifen geholfen hat, wenn es nicht mein Papa gemacht hat. So sind wir dann auch zur Spanischen Meisterschaft gefahren und haben Rennen gewonnen, so haben wir unsere Wildcard-Einsätze in der 125er-WM gemacht. Das war eine Truppe, in der jeder wusste, was er macht, und sein volles Potenzial nutzte. Hinzu kam, dass die gesamte Passion in den Sport und das Motorrad gesteckt wurde. Dann gibt es aber auch Teams, die gefühlt eine Gaudimannschaft sind. Und Teamchefs, die kein Gefühl für das Menschliche haben, wie man ein Team zusammenstellt oder leitet.»
Immer wieder arbeiten sich in der Supersport-WM kleine Teams nach oben, die mit den beschriebenen positiven Attributen aufwarten können. 2025 war Renzo Corse so ein Beispiel: Die Italiener wurden mit Valentin Debise WM-Fünfter, schafften es fünfmal aufs Podium und gewannen mit ihrer Ducati Rennen in Aragon und Estoril.
Marcel Schrötter: «Er hat den Bikes Namen gegeben»
«Wenn du dir deren Motorrad anschaust, das steht da wie eines von Evan Bros», lobte Schrötter Renzo Corse. «Da glänzt alles, schaut sauber aus, man muss an jedem Detail arbeiten. Gute Teams gehen in den Windkanal und probieren verschiedene Bremsprotektoren, bei anderen klaffen Lücken zwischen den Verkleidungsanschlüssen und Aufkleber stehen in die Luft. Das ist, wie wenn ich daheim ein Moped in der Garage zusammenschraube. Und so etwas passiert nicht, weil die Mechaniker schlecht sind. Das liegt eher daran, dass sie nicht die Passion haben und das Motorrad nicht als ihr Baby sehen. In der Moto2 hatte ich lange Tommy Wegscheider als Mechaniker, der hat dem Motorrad Namen gegeben, das war sein Baby. Er ging immer sicher, dass alles überprüft war, bevor ich rausfuhr. Und er hat immer alles gemacht, was man verbessern kann, um das schnellste Motorrad zu haben. Er fand es super, wenn sein Motorrad den höchsten Topspeed hatte, weil er dann wusste, dass die Details, für die er sorgte, einen Unterschied machen. So etwas gibt es nur in wenigen Teams, aber das macht in einer Meisterschaft eben den Unterschied.»
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