Nicht zum ersten Mal kursiert der Vorschlag, die Renndauer von Formel-1-Läufen (derzeit zwei Stunden oder 305 Kilometer) zu verkürzen. Was kommt als nächstes?
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Wir haben schon in Bahrain die Unfähigkeit der Formel-1-Mächtigen angeprangert (mehr dazu lesen Sie HIER), mit der Benzindurchfluss-Affäre von Melbourne hat sich der Sport gleich nochmals in den Fuss geschossen, selbst wenn wir weiter Hoffnung auf eine fabelhafte Saison haben (mehr dazu finden Sie HIER). Monate zuvor mussten wir uns über die doppelten WM-Punkte fürs Finale von Abu Dhabi ärgern, welche mehr als 85 Prozent der Rennfans verabscheuen, und damals fragten wir uns bange – was kommt wohl als nächstes? Nun wissen wir es.
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Nicht zum ersten Mal kursiert der Vorschlag, die Grand-Prix-Dauer zu verkürzen. Derzeit wird zwei Stunden gefahren, die Maximaldistanz beträgt gemäss Reglement 305 Kilometer. Eine Verkürzung wurde schon vor Jahren vom damaligen Renault-Teamchefs Flavio Briatore aufs Tapet gebracht: ihm schwebte sogar eine Teilung in zwei Läufe vor. Der italienische Manager hatte die Verbesserung der Show im Kopf. Das ist grundsätzlich lobenswert. Nur der Ansatz ist falsch.
Nun spukt die Idee erneut umher, aus zwei anderen Gründen: Erstens, weil die neue Technik so fragil ist, dass die Fahrer sich zurückgebunden fühlen (Lotus-Fahrer Romain Grosjean schimpfte unlängst, er rolle mit nur 30 Prozent seiner Möglichkeiten herum). Ein verkürztes Rennen soll es den Piloten ermöglichen, wieder voll fahren zu können und nicht auf den Spritverbrauch achten zu müssen.
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Der zweite Grund für diesen Vorschlag ist die Generation Computerspiele. Die Formel 1 hat in Sachen Zuschauer ein Nachwuchsproblem, das ist ein hausgemachtes Problem, weil sich die Mächtigen im Sport zu wenig um die Zuschauer scherten, um die jungen schon gar nicht, wie der Dornröschenschlaf in Sachen sozialer Netzwerke beweist.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Die beiden FIA-Chefs Max Mosley und Jean Todt wollten diese neue, grüne Formel 1 mit Hybridtechnik, Renault drohte sogar mit Ausstieg, falls man von diesem Weg abkomme. Nun haben wir sie, und die Verantwortlichen sollten sich gescheiter Gedanken darüber machen, wie der Sound besser vermittelt werden kann.
Wenn bei Automarken wie Mercedes, Porsche oder Ferrari Experten dafür arbeiten, einen sportlichen Wagen entsprechend klingen zu lassen, wieso ist das dann in der Formel 1 nicht möglich? Nach nur einem WM-Lauf unter neuem Reglement an Änderungen zu denken, das ist als würde man bei der Fussball-WM und einem faden Eröffnungsspiel verzweifelt darüber diskutieren, für die weiteren Gruppenspiele Neues einzuführen. Ich kenne aber keinen Fussball-Fan, der nach einem Grottenkick verlangt, dass ein Tor in den letzten zehn Minuten vergrössert werden darf oder dass ein Treffer in der letzten Viertelstunde doppelt gilt oder dass die Mannschaft im Rückstand auf einmal zwei Feldspieler mehr einsetzen darf.
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Das sind alles künstliche Verzerrungen, welche das Kernpublikum vergraulen und keine neuen Fans anziehen werden. Ich sage: Finger weg von der Renndistanz!
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