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Flavio Briatore: «Die F1 braucht einen Diktator»

Von Petra Wiesmayer
In Monaco lässt sich auch Flavio Briatore mit Ehefrau Elisabetta bei der Formel 1 blicken

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Ex-Formel-1-Teamchef Flavio Briatore will sich zwar nicht als Nachfolger von Bernie Ecclestone handeln lassen, findet aber, dass die Königsklasse mit fester Hand regiert werden müsse.

Vor dem Oberlandesgericht in München geht es momentan darum, ob Bernie Ecclestone noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt, oder ob der 83-Jährige im Bestechungsprozess verurteilt wird und sogar ins Gefängnis muss. Während «Mr. Formula One» einer ungewissen Zukunft entgegenblickt, tauchen in schöner Regelmäßigkeit Namen potentieller Kandidaten auf, die seine Nachfolge an der Spitze der Königsklasse antreten könnten.

Letzte Woche war es Richard Scudamore, der Chef der britischen Fußball-Premier-League, der für den Posten gehandelt wurde, Niki Lauda stritt Berichte, dass er Eccelstone ersetzen könnte, ab, von Sainsbury's boss Justin King spricht keiner mehr. Seit dem Wochenende in Monaco wird nun auch Flavio Briatore ins Spiel gebracht. Der ehemalige Benetton- und Renault-Teamchef sagt bezüglich der Gerüchte zwar weder ja noch nein, ist aber der Meinung, dass ein «Diktator» an der Spitze stehen müsse, da die Formel 1 sonst untergehe.

«Die Formel 1 ist eine starke Marke. Bernie hat 30 Jahre gebraucht, sie aufzubauen. Ohne ihn könnte es gut passieren, dass sie in zwei oder drei Jahren zerstört wird», sagte der 64-Jährige gegenüber auto, motor und sport. «Was es jetzt braucht ist einer, der einen klaren Plan für die Formel 1 der Zukunft hat.»

Ob er derjenige sein könnte, wollte Briatore nicht sagen und antwortete auf die Frage, ob er gerne «der neue Bernie» wäre: «Ich wäre lieber der alte Bernie», ließ sich aber nicht zu einer klaren Aussage drängen, ob der Interesse an Ecclestones Job hätte. Er grinste nur, «dreht sich um und geht.» Zuvor meinte Briatore jedoch, dass es ganz offensichtlich sei, was für eine Art Chef die Formel 1 brauche.

Kostenkontrolle zwingend notwendig

Alleine schon, um eine Kostenkontrolle durchzusetzen, seien «klaren Regeln» notwendig, betonte Briatore. «Deshalb braucht die Formel 1 einen Diktator. Der bestimmt die Regeln. Die Teams müssen danach fahren. Wem es nicht passt, der soll sich einen anderen Job suchen», stellte er klar. «Ich habe nichts gegen neue Technik. Aber die Regeln müssen die großen Teams zwingen, sie zu vernünftigen Kosten an die kleinen Teams abzugeben. Wenn einer 100 Millionen Euro für ein Auto ausgeben will, fein. Aber dem anderen muss es erlaubt werden, diese Technik für zehn Euro einzukaufen. So zwingst du die Großen, dass sie weniger Geld ausgeben. Oder riskieren, dumm auszusehen.»

Es seien keine Hunderte von Millionen pro Jahr nötig, um eine gute Show zu veranstalten, findet er. «Die GP2 funktioniert mit einem Budget von 3,5 Millionen Euro für zwei Autos. Die Formel 1 braucht 250 bis 300 Millionen dafür. Wozu? Wenn Sie heute die GP2-Autos so wie die Formel 1-Fahrzeuge lackieren, haben sie schönere Autos und eine Super-Show für viel weniger Geld», kritisierte Briatore und lässt kaum ein gutes Haar an der Königsklasse.

«Die schnellen GP2-Autos können sich locker für das Formel 1-Feld qualifizieren. Das ist völlig lächerlich» schimpfte er. «Außerdem ist alles zu kompliziert. Keiner versteht, was da vor sich geht. Im Augenblick ist es ein Kampf der Ingenieure. Sicher hochinteressant, aber der Sport wird nicht für die Techniker gemacht, sondern für das Publikum.»

Formel 1 zu künstlich

Von außen betrachtet sei die Formel 1 völlig abgehoben, findet Briatore. «Die Fahrer dürfen nicht mehr mit der Presse reden. Die Teams kapieren nicht, dass die Presse ihr Partner ist. Der ganze Sport kapselt sich ab und reduziert sich ausschließlich auf die Technik», sagte er und führte als Beispiel den Funkverkehr zwischen den Fahrern und ihren Teams an. «Wenn ich heute höre, welche Kommandos die Fahrer am Funk hören. Zu meiner Zeit haben wir dem Fahrer gesagt: Push. Das war‘s. Heute kriegt er einen Katalog von Aufträgen. Das ist so spannend wie Buchhaltung. Ich will keine Rechenkünstler hinter dem Steuer sondern Racer.»

Der viel kritisierte Sound der neuen Motoren ist für Briatore «wie ein Null zu Null im Fußball» und es sei überhaupt alles viel zu künstlich, wiederholte er zum X-ten Mal. «Letzte Woche habe ich Fotos von dem neuen Auspuff gesehen, der wie ein Megafon aussieht. Das sieht aus wie Karneval. Alles ist zu klinisch. Zu künstlich. Die Überholmanöver sind keine echten Überholmanöver mehr. Alles gestellt», findet er.

«Entweder, weil dem Vordermann der Reifen einbricht, oder weil der Hintermann sein DRS benutzt. Der Fahrer vorne kann sich gar nicht verteidigen. Und dann noch die Sache mit dem Sprit. Die Teams geben 200 Millionen Dollar für ihre tolle Technik aus, und dann entscheiden der Reifen oder ein paar Liter Benzin.»

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