Andere Motoren: So versagen FIA und Bernie Ecclestone

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Turbomotoren der ersten und der neuen Generation von Renault

Die Turbomotoren der ersten und der neuen Generation von Renault

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone macht sich heute bei der Sitzung der Strategiegruppe für andere Motoren ab 2016 stark. Sein Vorgehen und das Verhalten des Autoverbands FIA sind fragwürdig.

Heute tagt in Genf die so genannte Strategiegruppe. Dabei geht es auch um einen Vorschlag, ab 2016 wieder andere Motoren einzuführen. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone sagt: «Wir haben das grösste Problem erkannt, und das sind die teuren Motoren.»

Von Anfang an hat der 84-Jährige die neue Turbo-Generation schlechtgeredet. Sie seien ihm zu wenig laut, hörten wir vom Formel-1-Promoter wiederholt. Vielleicht stört es den Briten aber nur, weil die Idee Turbo nicht auf seinem Mist gewachsen ist: Die neue Turbo-Generation wurde von den FIA-Chefs Max Mosley und Jean Todt sowie von den Autoherstellern angeschoben – bis hin zu Drohung von Renault, den Sport zu verlassen, wenn man nicht mit serienrelevanterer Triebwerken (weniger Verbrauch, Hybridtechnik) fahre.

Wenn Ecclestone nun die Motoren unter dem Vorwand der Kosten weghaben will, dann könnte das Gegenargument lauten: Würde der Verwalter der kommerziellen Rechte die Einnahmen aus dem Sport gerechter unter den Rennställen verteilen, gäbe es das Problem erst gar nicht.

Eine Abkehr vom heutigen 1,6-Liter-Einzelturbo mit Mehrfach-Energierückgewinnung wäre für den Autoverband FIA ein Armutszeugnis. Die Entwicklungskosten des klassenbesten Antriebs von Mercedes dürfte mehr als 200 Mio Euro verschlungen haben – und dann kehrt man zum Alteisen der 2,4-Liter-Sauger zurück, wie es Ecclestone vorschlägt? Da muss mir niemand mehr etwas von Sparen erzählen.

Die FIA muss sich auch vorwerfen lassen, in Sachen Budgetdeckelung zahnlos zu agieren: Wegen der neuen Antriebseinheiten hat sich der Aufwand für Motoren bei den Kundenteams verdreifacht – das war der grösste Sargnagel für den kollabierten Marussia-Rennstall. Die FIA sah der Kostenexplosion nur zu.

Bernie Ecclestone sagt weiter: «Hätten wir eine geheime Abstimmung, dann hätte nur eine Partei ein Interesse daran, diesen Motor zu behalten – Mercedes. Ist das gut für die Formel 1? Ich finde nicht. Wir können eine Wette darauf abschliessen, dass sie auch die kommende WM gewinnen und wohl auch die danach. Das ist nicht, wonach wir suchen.»

Jedes Argument hat ein Gegenargument: Als Ferrari mit Michael Schumacher von 2000 bis 2004 fünf WM-Titel in Serie gewann, als die WM jeweils schon im Sommer in Magny-Cours, auf dem Hungaroring oder in Spa-Francorchamps entschieden war – haben wir dann vielleicht ähnliche Worte gehört?

Bernie Ecclestone weiter: «Ich schlage einen Saugmotor vor mit etwas Hybdriktechnik. Die Hersteller müssten ihn dann „McLaren Hybrid“ nennen oder „Ferrari Hybrid“. So käme die Botschaft vielleicht auch herüber. Derzeit scheint mir eher, es ist ein wohlbehütetes Geheimnis, wofür diese Motoren überhaupt stehen, warum sie entstanden und was wir damit erreicht haben, denn sie sind ein fabelhaftes Stück Ingenieurskunst.»

Geheimnis? Von wegen – Mercedes nennt sein Formel-1-Auto nicht nur Hybrid, es steht auch auf dem Rennwagen drauf, und die Marke wirbt eifrig mit dem Knowhow aus dem Motorsport für die Serie.

Warum sie entstanden ist? Weil die FIA der Formel 1 ein grüneres Image verleihen wollte und die Autohersteller darauf drängelten.

Was wir damit erreicht haben? Wir verbrauchen ein Drittel weniger Sprit, wir fahren (trotz verringerten Abtriebs) so schnell oder teilweise schneller wie 2013. Die Formel 1 ist wieder Technik-Vorbild.

Wenn die Motoren wirklich so ein fabelhaftes Stück Ingenieurskunst sind, wie Ecclestone (zu Recht) sagt, dann sollte man sie nicht nach zwei Jahren in die Tonne werfen.

Welche Chancen Ecclestone in der heutigen Sitzung hat, lesen Sie  HIER

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