Renault droht mit Ausstieg: Schlechter Verlierer?

Kolumne von Vanessa Georgoulas und Mathias Brunner
Formel 1
Cyril Abiteboul: «Wenn die Formel 1 derart schlecht für den Ruf von Renault ist, dann müssen wir unser Engagement überprüfen»

Cyril Abiteboul: «Wenn die Formel 1 derart schlecht für den Ruf von Renault ist, dann müssen wir unser Engagement überprüfen»

Dass die Renault-Verantwortlichen in aller Öffentlichkeit über einen Formel-1-Ausstieg nachdenken, um Forderungen Nachdruck zu verleihen, ist durchschaubar. Schliesslich kamen die Franzosen damit schon einmal durch.

Erinnern Sie sich noch? Als die Formel-1-Machthaber über die Einführung einer neuen Motorenformel diskutierten, forderte Renault am lautesten von allen Automobilherstellern kleinere Motoren, Turbo- und Hybrid-Technik. Der Motorenbauer aus Viry-Châtillon drohte sogar mit Ausstieg, sollte die Königsklasse am bewährten V8-Sauger festhalten. Dass damals Cosworth durch den Schritt in die Turbo-Ära aus dem GP-Sport gedrängt wurde, war Renault offensichtlich nicht so wichtig.

Nun droht Renault wieder. Cyril Abiteboul, Geschäftsführer von Renault Sport F1, erklärte an einer Pressekonferenz in Malaysia, dass man derzeit alle Optionen prüfe – bis hin zu einem Formel-1-Ausstieg. «Wenn die Formel 1 derart schlecht für den Ruf von Renault ist, wenn wir sehen, dass wir mit der aktuellen Motorenformel nicht zurecht kommen, wenn der Gewinn des Formel-1-Engagements die Kosten für Renault nicht deckt, dann müssen wir unser Engagement überprüfen.» Vor allem, wenn man bedenke, dass es keine finanziellen Anreize für die Motorenhersteller gebe, die Entwicklung der Antriebsstränge voranzutreiben, betont der Ingenieur.

Pardon: Ist es vielleicht die Schuld der Gegner, wenn Renault eine schlechtere Arbeit geleistet hat als Mercedes? Und sind die Franzosen nicht selber dafür verantwortlich, dass ein Engagement bei Red Bull Racing eben so vermarktet werden muss, dass Renault durch WM-Titel (vier in Serie, von 2010 bis 2013) bekannt wird, nicht durch quengeliges Verhalten?

Das Vorgehen des Motorenbauers ist angesichts der Tatsache, dass diese Drohung schon einmal funktioniert hat, nachvollziehbar. Für den Sport ist ein solches Benehmen allerdings Gift, denn wenn die jeweils unterlegenen WM-Teilnehmer ihre Änderungswünsche immer nur mit Ausstiegsdrohungen durchsetzen würden, wäre die Formel 1 in erster Linie eines: viel teurer als sie eh schon ist, weil alle paar Jahre das Reglement umgekrempelt werden muss. Die Fans haben von den ständigen Änderungen sowieso die Nase gestrichen voll.

Säbelrasseln macht Renault auch nicht konkurrenzfähiger, und Sympathien gewinnen geht anders. Die Fans nehmen solche Aussagen mehrheitlich als Reaktion eines schlechten Verlierers wahr. Der durch schlechte Ergebnisse befürchtete Reputationsverlust droht vorwiegend neben der Rennstrecke. Denn nicht alle Fans sind dumm. Die meisten verstehen, dass es nur einen Sieger geben kann. Sie verstehen aber nicht, wieso zwei Partner in einer Krise nicht einfach an einem ​Strang ziehen.

Wie hat der frühere FIA-Präsident Max Mosley schon vor Jahren gesagt: «Autowerke kommen und gehen in der Formel 1, ungeachtet aller Versprechungen. Das war schon immer so, und das wird auch immer so bleiben.»

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