Fabio Leimer bei Manor: Noch 2015 erster Grand Prix?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Erstmals seit 2011 wird die Schweiz einen Formel-1-Fahrer an einem GP-Wochenende im Einsatz haben: Fabio Leimer (24) fährt zunächst Training und Tests, dann sind sogar Rennen möglich!

Seit Brasilien 2011 war die Startaufstellung für patriotische Schweizer Fans verwaist – mit Ausnahme natürlich des Sauber-Rennstalls. Aber nach dem vorderhand letzten Grand Prix von Sébastien Buemi für Toro Rosso in Interlagos war erst mal Schluss mit einem Schweizer Piloten an einem GP-Wochenende. Bis jetzt. Seit heute steht Fabio Leimer in der Box von Manor-Marussia, und der 24-Jährige aus Rothrist (Kanton Aargau) hat sich viel vorgenommen.

Fabio, es hat ja doch eine Weile gedauert, bis du als 2013er GP2-Champion endlich in die Formel 1 gekommen bist. Mit welchem Gefühl sitzt du nun hier: Spürst du Genugtuung? Bist du noch ein wenig überwältigt, wie schnell letztlich alles ging?

Es ist gar nicht einfach, meine Gefühle zu beschreiben. Generell bin ich überglücklich, dass mir Manor diese Möglichkeit schenkt. Denn natürlich war nach dem Titelgewinn in der GP2 vor eineinhalb Jahren das Ziel, nun den nächsten Schritt zu machen. Ich war sehr enttäuscht, dass das nicht geklappt hat. Du siehst, wie Fahrer aus der GP2 aufsteigen, die du regelmässig geschlagen hast. Und du kommst nicht in die Formel 1. Das wurmt einen natürlich. Aber ich habe mich neu ausgerichtet und nicht unterkriegen lassen. Jetzt hat es doch noch geklappt, das erfüllt mich mit grosser Freude. Ich geniesse jede Minute hier.

Woran lag es, dass dieser Schritt für 2014 nicht geklappt hat?

Man kann nicht sagen, dass es dafür nur einen Grund gab, da spielten viele Faktoren mit hinein. Man muss auch selbstkritisch sein. Vielleicht haben wir es uns damals zu einfach vorgestellt und ein wenig gedacht, dass als Titelgewinner jetzt die Angebote nur so ins Haus flattern. Aber in der heutigen Zeit ist das nicht mehr so. Da musst du schon mehr mitbringen als fahrerische Klasse und Leistungsausweise. Du musst dich als Produkt verkaufen können. Wir hatten auch nicht die Mittel, um gleich in ein gutes Team aufzusteigen.

Du hast im vergangenen Winter ein Interview gegeben und gesagt: «Wir hätten 2015 Formel 1 fahren können, aber wir haben nein gesagt.» Warum?

Wir hatten sogar mehrere Angebote. Wir fanden dann aber: zu diesem Preis macht das keinen Sinn. Im Nachhinein bist du immer der Superschlaue. Vielleicht hätten wir es dennoch machen sollen. Aber für mich zählt, dass ich nun hier bin.

Wie entstand der Kontakt zu Manor?

Das Interesse war immer da, schon als das Team noch Marussia hiess. Nun habe ich einen Fuss in der Formel-1-Tür und kann hier etwas aufbauen. Mein Ziel heisst ganz klar: Aus der Rolle des Freitags-, Test- und Ersatzfahrers aufsteigen zum Stammfahrer. Vor wenigen Tagen habe ich den Vertrag unterzeichnet als offizieller Ersatzpilot, mit der Zusicherung, dass ich an verschiedenen Freitagstrainings teilnehme und mit der Aussicht, zum Stammfahrer aufzurücken.

Wie sichtbar werden deine Sponsoren auf dem Wagen sein?

Das überlasse ich komplett meinem Management. Ich konzentriere mich ganz auf die Aufgaben als Fahrer.

Wie sieht das Programm ab jetzt aus?

An diesem Wochenende schaue ich dem Team über die Schulter und lerne so viel als möglich. Aber alles ist sehr schnell passiert, also weiss ich noch nicht im Detail, wie es über Montreal hinaus weitergeht. Mein Vertrag läuft bis Ende Saison. Ab Österreich sollte die Möglichkeit da sein, idealerweise schon am Freitag im ersten Training zu fahren, mindestens aber beim anschliessenden Test auf dem Red Bull Ring. Und dann will ich mich an weiteren Wochenenden so bewähren, dass klar wird – Fabio Leimer kann mehr. Klar will ich so bald als möglich fahren, aber ich weiss auch, dass es nicht in meiner Hand liegt, wo genau das hinführt.

Vom Formellen her ist alles bereit, Stichwort Superlizenz?

Ja, das ist alles erledigt. Ich könnte auch kurzfristig sofort ins Auto springen.

Kennst du eigentlich deine Manor-Stallgefährten Roberto Merhi und Will Stevens?

Roberto kannte ich schon, weil ich damals in der Zweiliter-Formel Renault mit ihm zusammen beim Jenzer-Team gefahren bin. Da haben wir als Teenager so manchen Schabernack gemacht und uns sehr gut verstanden. Will Stevens habe ich als Kartrivalen gehabt, aber näheren Kontakt hatten wir dabei nicht. Heute habe ich ihn erstmals richtig kennen gelernt, er wirkt sehr sympathisch und offen, ein Supertyp.

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