Nico Rosberg (Mercedes): Nach GP-Sieg Test-Rekord

Von Mathias Brunner
Formel 1
Mercedes-Star Nico Rosberg machte am Mittwoch dort weiter, wo er am Sonntag aufgehört hatte: an der Spitze. Bestzeit am zweiten Formel-1-Testtag auf dem Red Bull Ring.

An Mercedes kommt derzeit niemand heran: nicht nur, dass die Silberpfeile inzwischen sieben von acht Saisonrennen gewinnen konnten – nur Ferrari-Pilot Sebastian Vettel verhinderte mit seinem Sieg in Malaysia einen Durchmarsch. Lewis Hamilton und Nico Rosberg standen bei jedem Grand Prix auf dem Podest. Mercedes hat auch zu allen WM-Läufen 2015 die Pole-Position erobert, fünf beste Rennrunden erzielt und nun bei den Testfahrten auf dem Red Bull Ring an beiden Tagen Bestzeit aufgestellt. Gestern war Mercedes-Zögling Pascal Wehrlein der schnellste Mann in der Steiermark, heute ist es der zweifache Österreich-GP-Sieger Nico Rosberg.

Nach dem Wetterpech vom Dienstag kamen die neun Rennställe heute ausgiebig zum Fahren (Manor-Marussia hatte auf den Test verzichtet) – insgesamt 1064 Runden, das entspricht fast fünfzehn GP-Distanzen!

Zunächst war Williams-Pilot Valtteri Bottas der schnellste Mann: von 1:11,965 min auf weichen Reifen steigerte er sich auf 1:10,495 min mit superweichen Walzen. Aber der elffache GP-Sieger Nico Rosberg rückte das Formel-1-Weltbild wieder zurecht, als er am frühen Nachmittag eine 1:09,113-min-Runde hinlegte.

Nico sagt: «Der heutige Testtag war umso wichtiger, weil wir insgesamt nur vier Testtage während der Saison haben. Zum Glück war die Strecke heute konstant und wir konnten viele verschiedene Dinge ausprobieren. Kurz vor der Mittagspause hatten wir ein Getriebeproblem. Aber zum Glück kostete es uns kaum Zeit, da wir in der Pause daran arbeiten konnten.»

«Es war ein intensives Programm, aber wir haben alles durchbekommen und viel gelernt. Wir begannen mit Aerodynamikarbeiten und sahen uns dann die Reifen sowie einige mechanische Dinge wie die Federeinstellungen an. Zudem testeten wir ein hart abgestimmtes Auto als Vorbereitung für Silverstone. Das Auto fühlte sich damit gut an. Ich bin überzeugt, dass wir damit auch beim nächsten Rennen stark sein werden.» ​

Valtteri Bottas ist dennoch zufrieden: «Wir haben schon im Laufe des Wochenendes gemerkt, dass die jüngsten Verbesserungen eingeschlagen haben, das hat sich im Test nun bestätigt. Alles hat nach Plan funktioniert.» Am Morgen hatte sich der Finne auf aerodynamische Versuche konzentriert, am Nachmittag stand Feinarbeit in Sachen Abstimmung im Mittelpunkt.

Erst kurz vor Schluss des zweiten Testtages konnte Ferrari-Test- und Ersatzfahrer Esteban Gutiérrez Bottas von Rang 2 verdrängen, dann folgt schon der erstaunliche DTM-Champion Marco Wittmann: der Deutsche hat nicht nur am meisten Runden gedreht (158), er hat auch sehr gute Zeiten gezeigt.

Dafür gab es viel Lob von Phil Charles, dem leitenden Renningenieur der Scuderia Toro Rosso: «Marco hat keine Fehler gemacht und uns mit seiner Herangehensweise und seinem Feedback beeindruckt. Er hatte nur wenig Zeit, sich vom DTM-Renner auf den Formel 1 umzustellen, aber er hat schnell seinen Rhythmus gefunden. Danach konnten wir unser ganz normales Programm abspulen.»

Wittmann selber meint: «Gemessen am DTM-Renner hat der Formel 1 schon deutlich mehr Power. Ich habe den Tag in vollen Zügen genossen und bedanke mich bei allen für diese Chance.»

Der Mexikaner Gutiérrez sorgte bei Ferrari für einen Schreck: die Italiener haben viel Arbeit hinter sich, nach dem Unfall von Kimi Räikkönen im Grand Prix und einem weiteren Crash von Nachwuchspilot Antonio Fuoco gestern Dienstag. Beide Monocoques mussten zur Überprüfung nach Maranello zurückgeschickt werden, die Mechaniker bauten für Gutiérrez ein neues Auto auf. Und mit dem geriet der frühere Sauber-Fahrer prompt von der Strecke – zum Glück kam er aus dem Kiesbett wieder heraus, bis auf leichte Schäden und reichlich Schmutz war der Wagen intakt.

Red Bull Racing hatte mit Daniel Ricciardo einen produktiven Tag mit vielen Runden, erst kurz vor Schluss des Tests kehrte die Defekthexe zu den vierfachen Weltmeistern zurück – Schaden an der Bremsanlage.

Daniel freut sich auf das kommende GP-Wochenende in Silverstone: «Weniger Geraden als in Österreich, dafür mehr Kurven, das sollte unserem Auto mehr munden.»

Fernando Alonso rückte mit der neuen, kurzen McLaren-Nase aus. Ärgerlich für das krisengeschüttelte Team: viele der Verbesserungen, die nur am Alonso-Auto waren, wurden beim Crash mit Räikkönen zerstört. Das hat das Testprogramm kompromittiert.

Alonso meint: «Am wichtigsten war es, dass wir zum Fahren gekommen sind. Auch dank Stoffel gestern haben wir viele Daten sammeln können.»

Von der Auswertung wird abhängen, mit welchen Teilen genau Alonso und Jenson Button am übernächsten Wochenende in Silverstone ausrücken.

Österreich-Test, zweiter Tag

1. Nico Rosberg (D), Mercedes, 1:09,113 min (117 Runden)
2. Esteban Gutiérrez (MEX), Ferrari, 1:09,931 (110)
3. Valtteri Bottas (FIN), Williams-Mercedes, 1:10,029 (79)
4. Marco Wittmann (D), Toro Rosso-Renault, 1:10,163 (158)
5. Pascal Wehrlein (D), Force India-Mercedes, 1:10,253 (132)
6. Jolyon Palmer (GB), Lotus-Mercedes, 1:10,373 (110)
7. Fernando Alonso (E), McLaren-Honda, 1:10,718 (104)
8. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing-Renault, 1:10,757 (116)
9. Felipe Nasr (BR), Sauber-Ferrari, 1:10,922 (138)

Österreich-Test, erster Tag

1. Pascal Wehrlein (D), Mercedes, 1:11,005 (67)
2. Esteban Ocon (F), Force India-Mercedes, 1:11,192 (76)
3. Max Verstappen (NL), Toro Rosso-Renault, 1:11,328 (97)
4. Antonio Fuoco (I), Ferrari, 1:11,331 (71)
5. Romain Grosjean (F), Lotus-Mercedes, 1:11,691 (45)
6. Pierre Gasly (F), Red Bull Racing-Renault, 1:11,757 (80)
7. Raffaele Marciello (I), Sauber-Ferrari, 1:11,826 (53)
8. Stoffel Vandoorne (B), McLaren-Honda, 1:12,530 (77)
9. Susie Wolff (GB), Williams-Mercedes, 1:13,248 (39)

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