Pirelli vor Singapur-GP: Neuer Ärger mit Reifendruck?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Der Reifendruck bleibt ein Reizthema

Der Reifendruck bleibt ein Reizthema

​Beim Italien-GP in Monza musste Lewis Hamilton um den Sieg zittern – wegen Ungereimtheiten, was den Reifendruck am Silberpfeil anging. In Singapur wird wieder diskutiert.

Die Reifendruckaffäre von Monza schwappt nach Singapur über. Ein Team-Manager im Fahrerlager des «Marina Bay Circuit»: «Eigentlich hätten die Regelhüter der FIA Hamiltons Auto ausschliessen müssen. Doch es gab zwei Probleme. Erstens waren die Messmethoden in Sachen Zeitpunkt fragwürdig; zweitens handelte es sich bei den Vorgaben von Pirelli um technische Direktiven, solche Werte sind in keinem Reglement verankert, also ist die Verbindlichkeit in Frage zu stellen. Die FIA wusste genau – schliesst man Mercedes aus, gehen die Weltmeister wohl vors Berufungsgericht in Paris, mit ausgezeichneten Chancen, dort Recht zu bekommen. Also hat man Mercedes vom Haken gelassen.»

Was genau in Monza passiert ist, lesen Sie in unserer Zusammenfassung weiter unten. Die Frage muss sein: Wie geht es mit Reifensturz und Reifendruck beim Strassenrennen von Singapur weiter?

Erneut hat Pirelli einen Tag vor dem ersten Training hohe Werte empfohlen: Vor einem Jahr lag in Singapur die Vorgabe bei 16 PSI, nun bei 18 (Vorderachse) und 17 (Hinterachse). Beim Radsturz wurde das Limit im Jahre 2014 bei –4,5 Grad (Vorderachse) angesiedelt und bei –3 Grad (Hinterachse). Für 2015 jedoch ist das verringert worden auf –3,75 (vorne) und –2,5 (hinten).

Pirelli-Rennchef Paul Hembery hatte angekündigt: «Wir werden gemeinsam mit der FIA eine genauere Vorgehensweise festlegen, die den Teams mehr Klarheit bezüglich der Regeln zur Reifennutzung verschafft. Es ist wichtig, dass wir den Teams genaue Anweisungen geben und somit Fälle wie den von Mercedes in Monza und Missverständnisse vermeiden.»

Dies soll heute Donnerstag in Singapur geschehen, anschliessend wird es eine technische Direktive für die Rennställe geben. Insbesondere muss geklärt werden, wann genau vor einem Start die gemessenen Drücke als verbindlich gelten. Mercedes kam in Monza straffrei davon, weil man argumentierte, man habe die Heizdecken früh weggenommen, dadurch sei der Druck gesunken.

Die Pirelli-Vorgaben fürs Aufheizen der Reifen sind gleich geblieben: Ein Slick wird minimal eine Stunde, optimal zwei Stunden und maximal drei Stunden in die Decken gesteckt, bei einer Minimaltemperatur von 60 Grad und einer Maximaltemperatur von 110 Grad.

Monza: Wieso Mercedes straffrei ausging

Die Unterstellung im Fahrerlager von Monza lautete: zu niedriger Reifendruck an den Hinterrädern der Silberpfeile von Sieger Lewis Hamilton und Nico Rosberg (der kurz vor Schluss ausgefallen ist), das legten viele Gegner als Wettbewerbsvorteil und Regelverletzung aus, welche streng geahnet werden müsse. Etwa in Form einer Zeitstrafe oder eines Ausschlusses.

Beim linken Hinterrad vom Wagen von Lewis Hamilton lag der Druck um 0,3 PSI unter dem von Pirelli ausgegebenen Richtwert von 19,5 PSI für die Hinterräder, bei Rosberg sogar um 1,1 PSI.

Aber Lars Österlind (Schweden), Tim Mayer und Danny Sullivan (USA) sowie der Italiener Paolo Longoni waren schliesslich anderer Meinung: «Wir sehen keinen Anlass zu einer Strafe für Mercedes. Wir erkennen aber Diskussionsbedarf zwischen Reifenhersteller Pirelli, der FIA und den Teams, was die neuen Richtlinien im Umgang mit den Reifen und die Umsetzung der Empfehlungen betrifft.»

«Wir haben den Technischen Delegierten der Formel 1, Vertreter von Mercedes sowie von Pirelli angehört. Darauf basierend stellen wir fest: die Reifendrücke der betreffenden Walzen lag im empfohlenen Rahmen, als die Räder auf die Rennwagen montiert wurden.»

«Es wurde festgestellt, dass bei der Messung die Heizdecken von ihrer Stromquelle abgehängt waren und die Reifen markant weniger warm waren, als es die maximale Heizdeckentemperatur erlauben würde. Die Temperaturen unterschieden sich markant von Reifen an anderen Wagen.»

«Die Rennkommissare stellen jedoch fest, dass Mercedes die gegenwärtigen Empfehlungen im Umgang mit den Reifen eingehalten hat, um einen sicheren Gebrauch der Reifen zu garantieren.»

Anders gesagt: die Reifen waren gemäss den Vorgaben von Pirelli aufgepumpt, der Druck verringerte sich danach jedoch, als die Heizdecken abgekoppelt wurden.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: «Wir wussten, dass wir genau bei den vorgeschriebenen Minimalwerten lagen, als die Räder auf die Autos kamen. Wir haben keinen Fehler gemacht, wir haben auch keinen unfairen Vorteil gewonnen. Nun müssen wir uns aber überlegen, wie wir das Prozedere künftig abwickeln wollen.»

Wieso ist das Thema Reifendruck so heiss?

Bis vor dem ersten Training zum Monza-GP am Freitagmorgen war gerungen worden. Dann stand als Folge der Pirelli-Reifenschäden von Belgien fest: Der Radsturz wird als künftiger Richtwert rundum um jeweils ein halbes Grad verringert – neu beträgt der Maximalsturz vorne minus 3 Grad, hinten minus 2 Grad. Der Reifendruck wird von 18 PSI rundum angehoben auf 21 vorne und 19,5 hinten. Pirelli wollte sogar 23 vorne und 22 hinten!

Pirelli erhoffte sich durch die Erhöhung des Drucks eine Entlastung der Reifenschulter, die Techniker der Rennställe führten ins Feld, der Reifen werde sich dadurch auf der Lauffläche mehr erhitzen, das begünstige Blasenbildung. Doch davon war im Rennen von Monza kaum etwas zu sehen.

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Mathias Brunner
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