Pirelli 2016: Übersee-GP – Teams wählen Reifen blind!

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Hülkenberg beim Pirelli-Reifentest in Abu Dhabi

Nico Hülkenberg beim Pirelli-Reifentest in Abu Dhabi

​Wer das Kleingedruckte im Reifenreglement der Formel 1 2016 liest, merkt: Die Rennställe wählen die Reifenmischungen für die ersten WM-Läufe, ohne die Walzen zu kennen.

Die Reifen werden in der kommenden Saison ein Leitthema bleiben. SPEEDWEEK.com-Leser wissen: Gemäss des Wunsches von Serien-Promoter Bernie Ecclestone bereitet Formel-1-Alleinausrüster Pirelli für 2016 Reifen vor, die markanter abbauen als die 2015er Walzen. Da soll spannendere Rennverläufe garantieren. Die Rennställe sollen auch mehr strategische Möglichkeiten erhalten – indem sie mehr Entscheidungsgewalt in Sachen Reifen erhalten.

Generell führt Pirelli 2016 eine fünfte Trockenreifenmischung ein (violett markiert). Die Farben für die anderen Mischungen bleiben: Rot für extraweich, gelb für weich, weiss für mittelhart, orange für hart. Dazu gibt es natürlich immer noch die Schlechtwetterreifen, den Intermediate (grün) und den Regenreifen (blau).

Vor allem jedoch wird es nicht mehr so sein, dass die Mailänder den Teams zwei Mischungen für ein bestimmtes Rennen vorschreiben. Pirelli wählt nicht mehr zwei Mischungen pro Grand Prix aus, sondern nur noch eine. Die anderen beiden Mischungen wählt das Team. Das Team kann mit seinen zwei Piloten auch zwei unterschiedliche Wege gehen, was die Auswahl der Reifenmischungen betrifft.

Aber nur wer das Kleingedruckte im komplexen Reifenreglement liest, der ahnt, dass auf die Rennställe eine scheinbar unlösbare Aufgabe zukommt. Denn im sportlichen Reglement ist verankert, dass Pirelli für Überseerennen eine Vorlaufzeit von 14 Wochen eingeräumt wird, um die Reifen für das entsprechende Rennen herzustellen (für Rennen in Europa gelten acht Wochen).

Für das Rennwochenende zum Grossen Preis von Australien 2016 (20. März) heisst das: Bis kommenden Freitag (11. Dezember) müssen die Rennställe Pirelli und der FIA sagen, welche Reifen sie in Melbourne verwenden wollen. Und dies, obschon sie zwar beim Reifentest in Abu Dhabi mit 2016er Experimentalgummi unterwegs waren, aber keine Ahnung hatten, zu welchem Zeitpunkt welche Mischungen am Wagen waren. Alle Versuchsreifen waren unmarkiert. Nur die Pirelli-Techniker wussten im Detail, was getestet wird.

Es kommt noch wilder: Die Rennställe müssen ohne Testerfahrung entscheiden, welche Reifen sie in im ersten Saisonviertel verwenden. Denn der erste Wintertest findet erst ab 22. Februar statt, also in Woche 8 des Jahres 2016. Mit vierzehn Wochen Vorlaufzeit heisst das – die Rennen in Australien (Ende der elften Kalenderwoche), Bahrain (Ende der 13.), China (Ende der 15.) und Russland (Ende der 17.) sind alles Schüsse ins Blaue!

Erst die Entscheidung für die Reifen beim Spanien-GP (15. Mai) kann auf Erfahrungen aus den Testfahrten auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya beruhen.

Die Gegner werden erst jeweils zwei Wochen vor dem Rennen wissen, was die Konkurrenz gewählt hat.

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