Carmen Jordá: Macht sich Renault mit ihr lächerlich?

Kolumne von Mathias Brunner
Formel 1
Carmen Jordá

Carmen Jordá

​Die Spanierin Carmen Jordá träumt davon, dass sie auch dann Teil des Rennstalls aus Enstone bleibt, wenn aus Lotus wieder das Renault-Werksteam wird. Kann sich das Renault leisten?

Die Latte liegt hoch für Renault. Für die Formel 1 ist es wertvoll, dass die Franzosen 2016 als Werksrennstall zurückkehren. Aber es mangelt nicht an kritischen Stimmen. Die Fahrerpaarung Pastor Maldonado und Jolyon Palmer ist – bei allem Respekt – nicht eben das schlagkräftigste Duo der Formel 1: Der Venezolaner bleibt eine Wundertüte mit Tendenz zur Kaltverformung von Rennwagen, der Brite ist ohne Zweifel talentiert, aber wenig charismatisch. Renault steht unter Druck: Ein Werks-Team hat noch weniger Ausreden als ein Motorenlieferant. Und ausgerechnet nun meldet sich wieder einmal die Spanierin Carmen Jordá (27) zu Wort. Sie hofft, Teil des Rennstalls zu bleiben.

Wir erinnern uns: Als Lotus im Februar 2014 bekannt gab, dass Carmen als Entwicklungsfahrerin verpflichtet werde, hagelte es Hohn und Spott. Ihr ehemaliger Stallgefährte Rob Cregan ätzte, Jordá könne nicht mal eine Filmrolle entwickeln, geschweige denn einen Rennwagen. Andere stellten fest, das Einzige, was sich hier wohl entwickle, sei allein das Budget von Lotus.

Ein Einsatz an einem GP-Wochenende kam nicht in Frage, denn bislang hat die hübsche Jordá bei Renneinsätzen wenig überzeugt. In drei Jahren GP3 von 2012 bis 2014 hat sie die Schlussränge 28, 30 und 29 erreicht, als beste Platzierung steht ein 13. Platz beim Heimrennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya 2012 zu Buche. Da muss niemand diskutieren, ob eine Superlizenz verdient wäre.

Jordá selber hat sich von der ganzen Kritik nie einschüchtern lassen. «Die Formel 1 ist voller Eifersucht. Es gibt hier nur wenige Cockpits, nur die wenigsten Fahrer schaffen es. Wenn man hart arbeitet und alles gibt, wie ich, dann kann man es schaffen.»

Im Juli sagte Jordá: «Derzeit entspanne ich ein paar Tage, dann geht es wieder in den Simulator von Lotus. Ich muss auch für meinen ersten Einsatz im Formel-1-Renner trainieren, der rückt mit jedem Tag näher. Ich darf über das Datum noch nicht sprechen, ich hoffe, ich habe schon bald aufregende Nachrichten.»

Dann passierte gar nichts. Ausser hin und wieder das TV-Bild aufzuhübschen, wenn Training oder Rennen übertragen werden, trat die Spanierin nicht in Erscheinung. Aber nun sagt sie auf der Homepage von Lotus: «Hoffentlich habe ich schon bald gute Nachrichten zu verkünden.»

Schwer vorstellbar, dass Renault-Chef Carlos Ghosn auf die schöne Jordá setzt, wenn er nach Erfolg trachtet. Die Fans sind nicht dumm. Jeder weiss, dass ein Einsatz nicht mehr wäre als eine Marketing-Übung. Natürlich wäre die Zeit in der Formel 1 überreif für eine Frau. Aber nicht als Alibi-Übung.

Gemäss Reglement besteht daher die einzige Einsatzmöglichkeit für Jordá entweder in einer Demo-Fahrt von Renault (mit einem mindestens zwei Jahre alten Renner, kein Kilometerlimit) oder in einem Filmtag. Gemäss Formel-1-Reglement stehen jedem Team pro Saison zwei solcher Filmtage zu, dabei dürfen nicht mehr als 100 Kilometer zurückgelegt werden. Der Autoverband FIA muss überdies davon informiert sein, welche Fahrzeuge und welche Fahrer zum Einsatz kommen. Der Wagen rollt auf Demo-Reifen von einer sehr harten Mischung, welche mit dem aktuellen Pirelli-Gummi wenig zu tun haben.

Im Herbst hat Jordá gemeint: «Das war meine erste Formel-1-Saison und ich freue mich über das Erreichte. Aber mein Traum von einem Test im aktuellen Auto hat nicht geklappt, weil das Team einige Probleme hatte. Ich weiss, dass meine Zeit noch kommen wird, deshalb habe ich mich ganz auf die Arbeit im Simulator und auch die physische Vorbereitung konzentriert.»

Jorda betont: «Ich bin zufrieden, denn alles ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen – und Letzteres haben wir nun mit den Problemen des Teams erlebt, die verhindert haben, dass mein Entwicklungsprogramm wie geplant ablief. Ich konzentriere mich nun ganz darauf, das Auto in den nächsten sechs bis zwölf Monaten zu testen. Das ist das einzige Ziel, das mich derzeit antreibt.»

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