Max Verstappen 1. in Spanien: Wie künftiger Champion

Von Mathias Brunner
Editorial
Max Verstappen nach seinem ersten Sieg

Max Verstappen nach seinem ersten Sieg

​Vor knapp zwei Jahren war das Geschrei gross, als Red Bull bekannt gab, dass der erst 17jährige Max Verstappen Grands Prix fahren wird. Fühlt der Niederländer nach seinem Sieg in Spanien Genugtuung?

Erinnert sich noch jemand daran, wie gross teilweise das Geschrei war, als Red Bull verkündete – Max Verstappen wird mit 17 Jahren Formel 1 fahren? Einige besonders Schlaue waren der Meinung: Der Junge wird zu früh in einen Grand-Prix-Renner geschubst. Max selber hat sich immer zurückgehalten, was eine Antwort für die Kritiker angeht.

Nun sagt er nach seinen Sensationssieg in Barcelona: «Ich sehe das nicht als Antwort oder Rache oder Genugtuung. So ticke ich nicht. Ich wollte einfach immer nur mein Bestes geben. Und meine Leistungen auf der Rennstrecke für sich sprechen lassen.»

Was war der Schlüssel zum Sieg?

Max meint: «Ganz klar, das Reifen-Management. Als ich in Runde 34 frische Reifen abholte, wusste ich schon, das ich damit bis ins Ziel durchfahren muss. Also begann ich mit diesem Reifensatz überaus behutsam.»

«Mir war klar, dass die Ferrari grundsätzlich schneller sind. Aber ich wusste auch: Wer in Spanien führt, der ist im Vorteil. Also liess ich Kimi aufschliessen und beschränkte mich darauf, ihn zu kontrollieren.»

«Gut acht Runden vor Schluss hatten wir einige Überrundungen zu machen, das bedeutete für mich, dass ich den Heckflügel flachstellen konnte. Klar nutzte ich das. Aber der Knackpunkt war nicht die Gerade. Elementar war, die enge Schikane, also die zweitletzte Kurve sauber hinzubegkommen. Wenn du die gut fährst und sauber beschleunigen kannst, dann ist das die halbe Miete für die lange Start/Ziel-Gerade.»

Hat Max oft in den Rückspiegel geguckt? Verstappen lacht: «Nicht so oft. Hm, vielleicht ein bisschen öfter als sonst.»

Viele Experten hatten nicht geglaubt, dass ein Satz Reifen auf so hohem Fahrniveau 32 Runden lang halten würden. Aber Max sagt: «Klar war das ein hartes Stück Arbeit, aber das war nun mal die Strategie, für die wir uns entschlossen hatten. Die letzten Runden waren wie auf Eis. Ich wusste genau – ein Fehler würde reichen, und Kimi schnappt mich. Die Pistencharakteristik von Barcelona hat mir definitiv geholfen. Ich kann nicht sagen, ob ich auf einer anderen Art Strecke vor den Ferrari geblieben wäre.»

Ein Kollege will wissen, wer Max im Laufe seiner Karriere am meisten geholfen hat. Verstappen sagt: «Von vier bis 16 war es sicher Papa.»

Sebastian Vettel sofort: «Und vor vier?»

Max beginnt zu lachen: «Wohl meine Mutter, sie hat mich im Kinderwagen immerhin auf vier Räder gestellt! Ab 16 war es dann eine Kooperation zwischen Papa und Dr. Marko. Red Bull hat mich unter Vertrag genommen, dann zu Toro Rosso gebracht, dann zu Red Bull Racing. Und nun sitze ich hier. Ich kann es immer noch nicht glauben.»

Nächste Frage: Wo war Max, als Vettel und Räikkönen ihre ersten Rennen gewannen? Max: «Beim Sieg von Seb 2008 in Monza war ich irgendwo am Kartfahren. Beim Sieg von Kimi war ich sechs, hm ...»

Vettel: «Ich schätze, da hat man dich irgendwo gerade vom Kindergarten abgeholt.» Verstappen kugelt sich vor Lachen.

Zu den Emotionen auf der Auslaufrunde sagt der Niederländer: «Ja, natürlich musste ich im Auto heulen. Ich musste mich vorher so zusammenreissen, aber nun rissen alle Dämme. Als ich führte, habe ich mal auf die grosse Streckenanzeige geschielt, da stand mein Name ganz oben. Ich dachte – ich bin auf Rang 1, ich kann es nicht glauben. Dann habe ich mit mir selber zu schimpfen begonnen: Schau nicht mehr hin! Schau gefälligst, was deine Reifen machen!»

Wie geht es nun weiter mit diesem jungen Mann?

Verstappen hat immer von Etappen gesprochen: Etappenziel Formel 1 erreichen, abgehakt. Etappenziel Podestplatz: In Form gleich des ersten Sieges abgehakt. Ziel WM-Titel: Vielleicht nur eine Frage der Zeit.

Max meint: «Ich fahre gegen hervorragende Piloten. Ich würde nicht sagen, dass ich einen Helden in der Startaufstellung habe, aber ich spüre sehr viel Respekt. Ein Rennsieg ist eines, der WM-Titel ist eine ganz andere Nummer.»

Die nächsten Wort sollten den Gegnern zu denken geben: «Ich bin jetzt mein erstes Rennen für Red Bull Racing gefahren, ich lerne den Wagen noch immer kennen. Jetzt kommt Monaco, da ist rohe Motorleistung nicht so gefragt, eher ein gutes Chassis. Ich glaube, da sind wir ganz gut aufgestellt. Dann kommt in Kanada ein besserer Motor. Mal schauen, wo das hinführt.»

Wir sagen: Zu mindestens einem weiteren Sieg.

Und dann dürfte Verstappen möglicherweise zum jüngsten Weltmester werden. Das ist derzeit Sebastian Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen.

Max Verstappen hat also bis Ende 2020 Zeit.

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Mathias Brunner
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