Lewis Hamilton (Mercedes): «Wie eine Mist-Geschichte»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Rosberg und Lewis Hamilton nach dem Qualifying

Nico Rosberg und Lewis Hamilton nach dem Qualifying

​Formel-1-Champion Lewis Hamilton findet, dass die Medien ihn nach dem Abschlusstraining nicht korrekt wahrgenommen haben: «Ich bin nicht niedergeschlagen, ich habe allen Grund, mich aufs Rennen zu freuen.»
Lewis, du hast nach dem Qualifying zum Deutschland-GP recht bedrückt gewirkt. Hat die Niederlage gegen Nico Rosberg geschmerzt?

(Überlegt lange.) Das ist wie wenn ihr eine Mist-Geschichte schreibt. Dann seid ihr auch sauer. Oder wenn euch ein Fehler unterläuft. So ist das auch bei mir.

Dennoch wirkst du niedergeschlagener als in Ungarn. Liegt das daran, dass es heute einen Fahrfehler gegeben hat, auf dem Hungaroring aber etwas passiert war, das nicht in deiner Kontrolle lag?

Zunächst einmal – ich bin nicht niedergeschlagen. Ich habe morgen ein Rennen zu gewinnen, und ich freue mich darauf. Ich bin höchstens unglücklich mit meiner eigenen Leistung, und wie ich zu beschreiben versuchte, würde euch das auch so gehen. Das sind keine Emotionsspielchen. Aber ich war in den ersten beiden Quali-Segmenten der schnellste Mann. Und ich hätte der schnellste Fahrer bleiben können. Dann kam der Fehler. Damit muss ich umgehen können. Das stinkt mir halt. Aber ich kann das morgen wieder wettmachen.

Es gibt noch einen anderen Aspekt, warum ich mit mir selber nicht glücklich bin: Hier an der Rennstrecke und auch zuhause in den Werken arbeiten so viele Menschen für mich. Hier in Hockenheim schuften meine Ingenieure bis ein oder zwei Uhr in der Nacht, um mir ein besseres Auto hinzustellen. Und wenn ich dann nicht Leistung abliefere, dann ärgert mich das eben.

Die Strategiegruppe hat sich für komplette Freiheit entschieden, was Pistengrenzen angeht, daber dagegen gibt es Widerstand von Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting. Wo stehst du da?

Ich stehe auf keiner Seite. Mir ist alles Recht, so lange die Regeln klar sind und sich alle daran halten. An diesem Wochenende hatte ich jetzt nicht den Eindruck, jemand hat die Pistengrenzen exzessiv ausgenutzt.

Was ist mit den freien Funkregeln? Was wird das für dich ändern?

Nicht viel. Ich habe meinen Technikern bereits klargemacht – sagt mir nicht mehr als zuvor. Ich bin kein Fahrer, der es mag, wenn man im Rennen zu viel mit ihm spricht. Dass man nun einem Piloten wieder sagen darf, wenn etwas mit seinem Rennwagen nicht stimmt, das finde ich gut. Sonst habe ich nicht vor, mehr zu reden.

In Hockenheim kannst du leichter überholen als auf dem Hungaroring. Ändert das in Sachen Risikobereitschaft beim Start etwas?

Nein. Bei jedem Start musst du sowieso abschätzen, welches Mass an Risiko ratsam ist. Das ist hier nicht anders. Ja, die Strecke macht es leichter, einen Gegner zu schnappen. Aber das bedeutet noch nicht, dass das Überholen an sich einfacher wird. Es gibt jedoch mehr Möglichkeiten als in Ungarn.

Du hast schon zwei Verwarnungen erhalten, bei einer dritten setzt es eine Strafe. Wie sehr fährt das im Hinterkopf mit?

Darüber denke ich nicht nach. Es wurde uns gesagt: Wer in der ersten Kurve drei Mal markant neben der Bahn fährt, der erhält eine Verwarnung. Das behältst du natürlich im Kopf. Hin und wieder bekommst du Strafen, auch wenn die nicht immer viel Sinn machen. Wir müssen halt achtgeben.

Der Halo kommt jetzt doch nicht. Du hattest dich nach anfänglicher Kritik im vergangenen Winter in den letzten Wochen für die Einführung des Kopfschutzes ausgesprochen. Was sagst du nun?

Ich habe beim Treffen der Fahrer mit Bernie Ecclestone und Rennleiter Charlie Whiting einfach zu bedenken gegeben: Wenn wir das Pech haben, einen schweren Unfall erleben zu müssen, und wir wussten, wir hatten eine Lösung, welche die Folgen dieses Unfalls möglicherweise verhindert hätte, dann werden sich einige Leute in den Hintern treten. Die FIA hat in Sachen Sicherheit in den letzten zwanzig Jahren einen tollen Job gemacht. Ich finde den Halo noch immer hässlich, aber ich kann nicht ignorieren, dass wir gemäss FIA-Studien eine um 17 Prozent höhere Chance haben, bei einem massiven Unfall unversehrt zu bleiben. Ich hoffe auch, wir können diese Überlebenschance schrittweise erhöhen.

Der Deutschland-GP ist eine grosse Kiste für Mercedes, ich nehme an, der ganze Vorstand wird hier sein. Müssen Nico und du nun besonders vorsichtig sein im Zweikampf?

Wir werden für einen gewissen Job bezahlt, und es spielt für mich keine Rolle, ob der Vorstand hier ist oder nicht. Wir haben alle über Spanien diskutiert und haben hoffentlich daraus etwas gelernt. Aber ich werde fahren wie immer. Ich sehe da kein Problem.

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Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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